Mitarbeiter wird bei Lanxess gegen Covid-19 geimpft (Archivbild) | dpa

Kampf gegen Pandemie Neue Corona-Kriterien in Kraft getreten

Stand: 15.09.2021 08:01 Uhr

Im Kampf gegen Corona im Herbst und Winter sind neue Regeln in Kraft getreten. So darf in einigen Branchen künftig der Impfstatus abgefragt werden. Immer mehr Bundesländer unterscheiden stärker zwischen Geimpften und Ungeimpften.

Um die Corona-Pandemie im Herbst und Winter besser bekämpfen zu können, sind mehrere Neuregelungen in Kraft getreten. Die Änderungen betreffen unter anderem die Bewertungskriterien der Pandemielage und Auskünfte zum Impfstatus von Beschäftigten. Sie waren zuvor im Bundesgesetzblatt verkündet worden.

Beschäftigte in Kitas, Schulen und Pflegeheimen dürfen demnach für die Zeit der Krise vom Arbeitgeber gefragt werden, ob sie geimpft sind.

Die wesentliche Messlatte zur Einschätzung der Lage soll künftig die Zahl der Corona-Patienten in den Kliniken sein. Diese soll die bisher vorrangige Orientierung an den Infektionszahlen ablösen.

Inzidenz leicht gesunken

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland ist etwas gefallen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den Wert der gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mit 77,9 an. Am Vortag hatte der Wert bei 81,1 gelegen, vor einer Woche bei 82,7.

Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI binnen eines Tages 12.455 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert bei 13.565 Ansteckungen gelegen. Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 83 Todesfälle verzeichnet.

Mehrere Bundesländer für 2G

Nach Hamburg wollen weitere Bundesländer das 2G-Modell einsetzen, um das Infektionsgeschehen weiter einzudämmen und Geimpften und Genesenen wieder einen weitgehend normalen Alltag zu ermöglichen.

So können etwa in Berlin geimpfte und genesene Menschen mit weiteren Erleichterungen rechnen. Der Senat kündigte die Einführung eines 2G-Optionsmodells an: In etlichen Bereichen wie der Gastronomie oder bei Veranstaltungen können die Betreiber dann selbst entscheiden, ob sie den Zutritt zu Innenräumen nur Geimpften oder Genesenen (2G) oder auch Getesteten (3G) erlauben. Im Falle von 2G würden bisherige Corona-Einschränkungen wie Abstand oder Maske wegfallen.

Niedersachsen will mehr Branchen einbeziehen

Niedersachsen will die dort bereits bestehende 2G-Regel auf weitere Branchen ausweiten: Wie Regierungschef Stephan Weil im Landtag in Hannover ankündigte, dürfen künftig etwa Gastronomen sowie Betriebe in Bereichen wie Kultur und Sport auf eigenen Wunsch hin nur Geimpfte und Genesene einlassen. Besucher, die lediglich einen Coronatest vorlegen, müssten draußen bleiben.

Die Ausweitung der 2G-Regel sei ein "Beitrag zu Normalisierung des öffentlichen Lebens" in Niedersachsen, sagte der Ministerpräsident in seiner Regierungserklärung. Vollständig geimpfte Bürger hätten das Anrecht, "ihr altes Leben" wieder "uneingeschränkt" führen zu können. Erwachsene, die sich gegen eine Schutzimpfung entschieden, müssten hingegen "für die Folgen ihrer Entscheidung einstehen".

Dreistufenplan in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg tritt am Donnerstag ein neuer Dreistufenplan bei den Corona-Maßnahmen in Kraft. Damit ist künftig die sogenannte Sieben-Tage-Hospitalisierung auf Intensivstationen oder die Zahl der im Land mit Covid-Patienten belegten Intensivbetten der entscheidende Maßstab für strengere Maßnahmen, wie Sozialminister Manfred Lucha sagte.

Neu ist dabei eine dritte Stufe, die vorsieht, dass an Veranstaltungen des öffentlichen Lebens nur noch Geimpfte und Genesene teilnehmen dürfen, während Tests von Ungeimpften nicht mehr ausreichen. Diese dritte Stufe tritt bei zwölf neuen Corona-Fällen auf baden-württembergischen Intensivstationen innerhalb von sieben Tagen oder bei einer Gesamtzahl von 390 Corona-Intensivpatienten in Kraft. Dann sind für Nichtgeimpfte auch private Feiern auf zwei Haushalte beschränkt.

Hessen und Brandenburg auch dabei

Auch Hessen will 2G ermöglichen: Dort kann die Regelung nach Angaben von Ministerpräsident Volker Bouffier bereits ab Donnerstag angewandt werden. "Die Pandemie entwickelt sich zunehmend zu einer Pandemie der Ungeimpften - deshalb betreffen die weiterhin notwendigen Einschränkungen vor allem sie, während Geimpfte und Genesene davon immer weniger betroffen sind", so der CDU-Politiker. Auch Brandenburg plant die Einführung der 2G-Regel.

Rheinland-Pfalz hatte bereits vor einigen Tagen im Zuge der Einführung des neuen Warnstufenkonzepts eine sogenannte 2G-Plus-Regelung beschlossen. Diese sieht bei steigenden Warnwerten vor, den Anteil von Ungeimpften bei Veranstaltungen oder in der Gastronomie schrittweise immer weiter zu reduzieren, während sich am Zugang für Geimpfte und Genesene parallel nichts ändert. 

Optionsmodell auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt

Und auch Sachsen will das 2G-System als Optionsmodell einführen. Demnach sollen nur noch Geimpfte und Genesene Zugang zu Restaurants, Einrichtungen oder Events von bis zu 5000 Menschen erhalten, wenn der Veranstalter das für sich selbst entscheidet, gab Staatskanzleichef Oliver Schenk bekannt. Im Gegenzug bestehe die Möglichkeit, Beschränkungen wie die Maskenpflicht und das Abstandsgebot aufzuheben. Allerdings muss eine Einlasskontrolle erfolgen.

Auch die Landesregierung in Sachsen-Anhalt beschloss die Einführung eines 2G-Optionsmodells für Veranstaltungen und Betriebe. Unternehmen und Veranstalter können entscheiden, nur Geimpfte und Genesene einzulassen. Es handle sich ausdrücklich um ein Angebot und nicht um eine Verpflichtung, erklärte die Landesregierung.

In Thüringen prüft das Gesundheitsministerium die Einführung einer 2G-Regelung für bestimmte Bereiche. In Schleswig-Holstein will die Regierung heute eine neue Verordnung beschließen, wonach ab dem 20. September Vorgaben zu Abstand und Masken für Geimpfte, Genesene und negativ Getestete entfallen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. September 2021 um 09:00 Uhr.