Ein Mann desinfiziert sich die Hände an einem Desinfektionsspender. | dpa

Höchster Neuanstieg seit April 2673 neue gemeldete Corona-Fälle

Stand: 02.10.2020 16:02 Uhr

Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen hat erneut die Schwelle von 2500 Fällen überschritten - und erreicht mit 2673 einen Wert wie zuletzt in der zweiten Aprilhälfte. Und wieder gibt es einen Ausbruch in einem Altenheim.

Erneut ist die Zahl der Corona-Neuinfizierten gestiegen - auf 2673 neue Fälle und damit den höchsten Wert seit der zweiten Aprilhälfte. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) mindestens 294.395 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9508. Das sind acht mehr als am Vortag. Rund 259.500 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Ende März/Anfang April bei mehr als 6000 gelegen. Die Zahl war dann in der Tendenz gesunken und im Juli wieder gestiegen. Die Zahl der erkannten Neuinfektionen ist auch davon abhängig, wie viele Menschen getestet werden.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Lagebericht bei 0,90 (Vortag: 0,96). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Ansteckungen in Altenheim in Vechta

Immer wieder gab es in den vergangenen Tagen auch Berichte über Ansteckungen in Alten- und Pflegeheimen. In einer Einrichtung in Vechta haben sich 50 Menschen infiziert - 31 Bewohner und 19 Mitarbeitende, wie Landrat Herbert Winkel sagte. Das Land Niedersachsen gab die Zahl der Ansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche im Kreis Vechta mit 23,8 an. Mit dem neuen Ausbruch dürfte sich dieser Wert deutlich in Richtung der kritischen Marke von 50 Ansteckungen annähern. Dann würden weitere Schutzmaßnahmen in Kraft treten.

Vor ein paar Tagen war bereits ein Ausbruch in einem Altenheim in Neu-Wulmstorf im Landkreis Harburg gemeldet worden. Dort wurde bei 36 Bewohnerinnen und Bewohner und zehn Beschäftigten das Virus nachgewiesen. Das Heim steht unter Quarantäne.

Anstieg bei intensivmedizinischen Therapien

Ein Anstieg zeichnet sich inzwischen auch bei den intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten ab. Laut RKI-Lagebericht werden derzeit 362 Corona-Infizierte intensivmedizinisch behandelt, 193 davon werden beatmet. Eine Woche zuvor waren es noch 296 Infizierte (166 beatmet) und eine Woche davor 238 Infizierte (135 beatmet). Rund 8700 der rund 30.540 registrierten Intensivbetten sind in den deutschen Kliniken derzeit noch frei.

Patientenschützer gegen Massenimpfungen in Messehallen

Je höher die Infiziertenzahlen steigen, desto dringender wird ein Impfstoff erwartet. Und umso hitziger wird darüber debattiert, wie man Risikogruppen wie ältere Menschen möglichst schnell impfen kann, sollte ein Präparat zugelassen worden sein. Ein Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn, Corona-Impfungen in Messehallen durchzuführen, stieß auf Kritik von Patientenschützern. "Pflegebedürftige in Messehallen zu karren, kann nicht die Lösung sein", sagte Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz der Deutschen Presse-Agentur.

"Die 900.000 Heimbewohner gehören zur Hochrisikogruppe", sagte Brysch. "Diese Menschen müssen als erste die Chance bekommen, vor Covid-19 geschützt zu werden." Ohne Zweifel werde das eine logistische Herausforderung. Deshalb gelte es, zügig an einer aufsuchenden Impfstrategie zu arbeiten.

Spahn hatte am Donnerstag gesagt, er glaube, dass die Impfungen in Zentren gestartet werden müssten, wenn es einen Impfstoff gebe. "Das sind aus meiner Sicht eher keine Turnhallen, sondern eher Messehallen", sagte Spahn. Da sei er in der Diskussion auch mit den Ländern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Oktober 2020 um 15:00 Uhr.