Eine mit Menschen gefüllte Straße beim Karnevalsauftakt in Köln | dpa

Corona-Lage in Deutschland RKI warnt vor Großveranstaltungen

Stand: 11.11.2021 21:44 Uhr

Das Robert Koch-Institut rät angesichts der Corona-Lage dazu, größere Veranstaltungen abzusagen oder zu meiden sowie nicht notwendige Kontakte zu reduzieren. Laut Intensivmedizinern ist die Lage in Deutschland unterschätzt worden.

Das Robert Koch-Institut (RKI) stuft die aktuelle Corona-Entwicklung weiter als "sehr besorgniserregend" ein. Es rät "dringend dazu, größere Veranstaltungen möglichst abzusagen oder zu meiden, aber auch alle anderen nicht notwendigen Kontakte zu reduzieren". Das geht aus dem aktuellen Wochenbericht des Instituts hervor. "Sofern sie nicht gemieden werden können, sollte man unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus vorher einen Test machen und die Corona-Warn-App nutzen."

Auch Geimpfte und Genesene sollten Masken tragen, Abstand halten und Räume, in denen mehrere Menschen sind, regelmäßig lüften. Bei Atemwegserkrankungen wie etwa Schnupfen oder Husten sei es auch für Geimpfte "unbedingt erforderlich", zu Hause zu bleiben und beim Hausarzt einen PCR-Test machen zu lassen.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen hatte am Donnerstag erstmals während der Pandemie den Wert von 50.000 überschritten. "Die aktuellen Fallzahlen sind schon jetzt höher als alle bisher auf den Höhepunkten der vorangegangenen Erkrankungswellen verzeichneten Werte", so das RKI in seinem Wochenbericht.

Karagiannidis: Lage unterschätzt

Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), sagte im Interview mit tagesschau24, die Lage sei insgesamt unterschätzt worden.

Man habe das Gefühl gehabt, die Corona-Pandemie sei zu Ende, etwa auch befeuert durch die Debatte über das Ende der pandemischen Lage. Zumindest in Bayern, Thüringen und Sachsen verlaufe der Anstieg der Fälle exponentiell: "Das tut uns im Moment enorm weh", so Karagiannidis.

Appell an Bevölkerung

Das RKI geht davon aus, dass sich "der starke Anstieg der Fallzahlen innerhalb der nächsten Wochen fortsetzen wird, wenn die Bevölkerung nicht durch die freiwillige Reduktion von potentiell infektiösen Kontakten im privaten Bereich und Beachtung der Basismaßnahmen in allen anderen Lebensbereichen mithilft, den momentanen Infektionsdruck auf alle, geimpfte wie ungeimpfte Personen, zu mindern".

Es seien weiterhin 70 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal und 67 Prozent vollständig geimpft. Damit sei der Anteil geimpfter Personen in den letzten Wochen kaum noch gestiegen. "Alle Impfstoffe, die zurzeit in Deutschland zur Verfügung stehen, schützen nach derzeitigem Erkenntnisstand bei vollständiger Impfung die allermeisten geimpften Personen wirksam vor einer schweren Erkrankung", so das RKI.

Sehr bedroht in der derzeitigen Lage seien die ungeimpften Personen, betonte Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, im Interview mit tageschau24. Das betreffe bei den Ansteckungen vor allem die Fünf- bis 19-Jährigen. "Aber auch die älteren Gruppen sind - wenn sie nicht geimpft sind - einem hohen Risiko ausgesetzt, sich anzustecken, weil sich soviel Virus in der Gesellschaft bewegen kann", so Falk.

Über dieses Thema berichteten am 11. November 2021 tagesschau24 um 20:15 Uhr und am 12. November 2021 das ARD-Morgenmagazin um 08:18 Uhr.