Eine Frau läuft an einem Wegweiser zu einer Corona Teststation vorbei. | dpa

Corona in Deutschland Erstmals mehr als 50.000 Neuinfektionen

Stand: 11.11.2021 07:07 Uhr

Es sind neue Höchstwerte, die das RKI verzeichnet hat: Innerhalb eines Tages wurden 50.196 Neuinfektionen registriert, die Inzidenz steigt auf 249,1. Eine Überlastung der Intensivstationen sei nicht mehr abzuwenden, so die Krankenhausgesellschaft.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist stark angestiegen und hat erstmals während der Pandemie den Wert von 50.000 überschritten. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages den Höchstwert von 50.196 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 03.40 Uhr wiedergeben.

Am Vortag waren es 39.676 Ansteckungen und vor genau einer Woche hatte der Wert bei 33.949 Ansteckungen gelegen. Bereits der Wert vom Mittwoch war ein Höchststand gewesen.

Auch Sieben-Tage-Inzidenz auf Höchstwert

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz steigt ebenfalls. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern und Woche am Donnerstagmorgen mit 249,1 an. Sie ist somit am vierten Tag in Folge auf einen Höchstwert gestiegen. Am Mittwoch hatte der Wert bei 232,1 gelegen.

Zum Vergleich: Vor einer Woche lag die Inzidenz bei 154,5 (Vormonat: 66,5). Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 235 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 165 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 4.894.250 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen - den für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter - gab das RKI am Donnerstag 4,65 an (Dienstag: 4,31). Bei dem Indikator muss berücksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 4.432.600 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 97.198.

Gaß: Überlastung der Intensivstationen nicht abzuwenden

Wegen der stark steigenden Infektionszahlen ist aus Sicht der Deutschen Krankenhausgesellschaft eine Überlastung der Intensivstationen nicht mehr abzuwenden. "Der Wert von 4000 belegten Covid-Intensivbetten ist praktisch nicht mehr zu vermeiden", sagte der Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Folge sei, dass Kliniken die planbaren Operationen "jetzt sofort verschieben müssen". In immer mehr Bundesländern stießen die Intensivstationen an ihre Grenzen. Dies bedeute für alle Krankenhäuser, "dass sie unabhängig von der Anzahl der Covid-Patienten im eigenen Haus ihre Leistungen einschränken müssen, um dann auch für überlastete Kliniken einspringen zu können". Deutschland sei "in einer sehr kritischen Phase der Pandemie". Für das Krankenhauspersonal würden die kommenden Wochen und wahrscheinlich Monate noch einmal eine enorme Kraftanstrengung.

Mediziner rechnen mit weiteren Impfdurchbrüchen

Der Intensivmediziner Uwe Janssens sagte dem RND, er gehe davon aus, dass die Zahl der Covid-Patienten mit Impfdurchbrüchen auf Intensivstationen weiter ansteige. "Aktuell haben nahezu 44 Prozent der über 60-jährigen Patienten mit Covid-19 auf Intensivstationen einen Impfdurchbruch. Das hat deutlich und sprunghaft zugenommen“, sagte Janssens dem RND.  Da gerade ältere Menschen trotz doppelter Impfung auf den Intensivstationen liegen, müsse die dritte Impfung "viel pragmatischer" vorangetrieben werden, forderte Janssens. Es brauche "eine größere Flexibilität beim Boostern".

Viele Ärzte schickten ihre älteren Patienten weg, weil sie noch nicht 70 Jahre oder älter seien, da die Ständige Impfkommission (Stiko) das so festgelegt habe, sagte Janssens, der zugleich Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) ist. Dies halte er für einen großen Fehler.

Testpflicht auch für Geimpfte und Genesene?

Der Ärzteverband Marburger Bund hält eine Testpflicht auch für Geimpfte und Genesene für notwendig, sollte sich die Corona-Lage durch die 2G-Regeln für geimpfte und genesene Menschen nicht bessern. "2G muss jetzt Standard werden. Wenn sich dadurch das Infektionsgeschehen nicht abbremsen lässt und die Impfquote nicht steigt, ist 2G-Plus der nächste logische Schritt", sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Johna dem Redaktionsnetzwerk Deutschland RND. "2G-Plus bietet zweifellos eine noch größere Sicherheit", sagte Johna weiter. Mit 2G-Plus ist gemeint, dass auch Geimpfte und Genesene sich testen lassen müssen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. November 2021 u.a. um 05:30 Uhr und 09:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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grübelgrübel 11.11.2021 • 11:12 Uhr

um 10:07 von H. Hummel…

Im Moment ducken sich ja alle inkl. Kanzler in spe Scholz gekonnt weg…. Scholz redet gerade im Bundestag zur Problematik.