In einem Coronatestzentrum wird ein Abstrich aus der Nase genommen | Bildquelle: AP

Robert Koch-Institut Erneut mehr als 11.000 Neuinfektionen

Stand: 23.10.2020 07:40 Uhr

Den zweiten Tag in Folge liegt die Zahl der Corona-Neuinfektionen bei mehr als 11.000. Weltärzte-Präsident Montgomery warnt vor einem weiteren Anstieg - dann sei ein zweiter Lockdown nicht mehr auszuschließen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts 11.242 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Die Zahl ist vergleichbar mit dem Rekordwert von 11.287 Fällen vom Vortag und liegt deutlich über den 7334 gemeldeten Neuinfektionen vom Freitag vergangener Woche.

Die jetzigen Werte liegen damit über denen vom Frühjahr, sind aber nur bedingt vergleichbar, weil mittlerweile wesentlich mehr getestet wird - und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden. Experten zufolge sind die neu gemeldeten Infektionen wegen der Zeit zwischen Ansteckung, Test, Ergebnis und Meldung ein Hinweis darauf, wie stark das Virus vor etwa einer Woche in der Gesellschaft unterwegs war. Deshalb dauere es auch, bis sich politische Maßnahmen in den Meldezahlen niederschlagen könnten.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben mindestens 403.291 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus infiziert. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion lag demnach bei 9954. Das waren 49 mehr als am Vortag. Nach Schätzungen des RKI gibt es inzwischen etwa 310.200 Genesene.

Ärztepräsident: Lockdown könnte erforderlich werden

Weltärzte-Präsident Frank Ulrich Montgomery sagte der "Rheinischen Post", die Lage gerate womöglich außer Kontrolle, sobald die Zahl der täglichen Neuinfektionen auf 20.000 steige - weil Infektionsketten nicht mehr nachverfolgt werden könnten. "Dann droht uns ein zweiter Lockdown, weil sich das Virus anders nicht mehr bremsen lässt", so Montgomery.

Der Ärztepräsident dämpfte zudem die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Pandemie. "Wir müssen noch über Jahre mit dem Virus leben und damit umgehen: Abstand halten, Hände waschen, Masken tragen", sagte er.

Teichert: Problematik, aber kein Kontrollverlust

Die Chefin des Ärzteverbandes, Teichert, versicherte hingegen in den tagesthemen, dass der Kampf gegen das Coronavirus in Deutschland noch unter Kontrolle sei. "Ich glaube nicht, dass wir an dem Punkt sind, dass wir die Kontrolle verloren haben", sagte sie in den tagesthemen. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen gebe es sicherlich eine Problematik, "dass wir nicht mehr hinterherkommen mit der Personalsituation", sagte Teichert. "Aber es ist noch nicht so, dass wir die Situation nicht mehr unter Kontrolle haben."

Impfung aller könnte Jahre dauern

Eine Milderung der Pandemie durch einen Impfstoff steht Ärztepräsident Montgomery zufolge so bald nicht bevor. Die Weltgesundheitsorganisation rechne zwar Mitte 2021 damit. "Doch bis die gesamte Bevölkerung geimpft ist, wird es zwei, drei Jahre dauern", so Montgomery. Denn: "Für eine Impfung aller auf einen Schlag gibt es weder genug Dosen noch genug Personal."

Mit Einschränkungen sei daher bis auf weiteres zu rechnen. "Auch 2021 werden wir keinen Sommerurlaub wie früher haben", sagte der Experte.

Corona: Infektionszahlen erneut klar über 10.000
Alex Krämer, ARD Berlin
23.10.2020 09:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.

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