Ein Arzt hält in einer Hausarztpraxis einen Tupfer mit dem ein Abstrich für einen Coronatest gemacht wird | Bildquelle: dpa

Robert Koch-Institut 7595 neue Coronavirus-Infektionen

Stand: 21.10.2020 13:46 Uhr

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen bleibt mit 7595 neuen Fällen hinter dem Höchstwert - dennoch spricht das RKI von einem "beschleunigten Anstieg". Politische Maßnahmen könnten sich frühestens in einer Woche niederschlagen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts 7595 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Der Wert bleibt damit knapp hinter der Höchstmarke von 7830 vom Samstag zurück, liegt aber deutlich über den 5132 gemeldeten Neuinfektionen vom vergangenen Mittwoch.

"Aktuell ist ein beschleunigter Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten", schreibt das RKI in seinem Lagebericht vom Dienstag. "Daher wird dringend appelliert, dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz engagiert." Dazu zählt das RKI unter anderem Abstands- und Hygieneregeln auch im Freien, Lüften von Innenräumen und, wo geboten, eine Mund-Nasen-Bedeckung.

Ergebnisse zur Wirksamkeit der Maßnahmen noch ausstehend

Experten zufolge sind die neu gemeldeten Infektionen wegen der Zeit zwischen Ansteckung, Test, Ergebnis und Meldung ein Hinweis darauf, wie stark das Virus vor etwa einer Woche in der Gesellschaft unterwegs war. Deshalb dauere es auch, bis sich politische Maßnahmen in den Meldezahlen niederschlagen könnten.

Die Sieben-Tage-Inzidenz - die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen - sei im Bundesschnitt auf 48,6 gestiegen. In Berlin, Bremen, dem Saarland, Hessen und Nordrhein-Westfalen liegt sie demnach deutlich, in Bayern leicht über dem bundesweiten Durchschnittswert.

Berchtesgaden und Delmenhorst am schwersten betroffen

Am schwersten betroffen in Deutschland ist demnach aktuell der Landkreis Berchtesgadener Land in Bayern mit einer Inzidenz von 236. Dort gelten seit gestern strenge Ausgangsbeschränkungen, um die hohen Zahlen einzudämmen. Die höchsten Inzidenzwerte weisen derzeit außerdem Delmenhorst (212) und Berlin-Neukölln (156,6) auf.

Wie das RKI berichtet, werden Fallhäufungen insbesondere im Zusammenhang mit Feiern im Familien- und Freundeskreis sowie unter anderem in Alten- und Pflegeheimen beobachtet.

39 neue Todesfälle

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben inzwischen mindestens 380.762 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus infiziert. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion lag insgesamt demnach bei 9875. Die Zahl der Todesfälle stieg binnen 24 Stunden um 39. Nach Schätzungen des RKI gibt es etwa 302.100 Genesene.

Die Zahl der Neuinfektionen hatte am Samstag zum dritten Mal in Folge einen Rekordwert seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland erreicht. Die jetzigen Werte sind allerdings nur bedingt mit denen aus dem Frühjahr vergleichbar, weil mittlerweile wesentlich mehr getestet wird - und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden.

Fallsterblichkeit aktuell bei deutlich unter 1 Prozent

Wie aus dem aktuellen Lagebericht des RKI hervorgeht, liegt der Anteil Verstorbener seit der Kalenderwoche 34 (17.8. bis 23.8.) bei deutlich unter einem Prozent. Mit Blick auf die gesamte Pandemie in Deutschland gab das RKI die Fallsterblichkeit mit 2,6 Prozent an.

Dass diese Zahl wesentlich höher ist als die Sterblichkeit in den vergangenen Wochen, liegt vor allem an den höheren Werten im Frühjahr. Damals hatten sich vermehrt Ältere angesteckt, zudem wurden weniger Menschen ohne oder mit nur leichten Symptomen getestet.

Der überwiegende Teil (85 Prozent) der 9875 Corona-Toten seit Beginn der Pandemie war laut RKI 70 Jahre oder älter. Unter 50 Jahre alt waren 130 Betroffene, was 1,3 Prozent aller Corona-Toten entspricht.

Die RKI-Angaben zur Sterblichkeit beziehen sich nur auf die nachgewiesenen Corona-Fälle. Da es eine Dunkelziffer bei den Neuinfektionen gibt, dürfte der Wert der Toten bezogen auf alle Infizierten niedriger liegen.

R-Wert ist gesunken

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht vom Dienstag bei 1,25 (Vortag: 1,35). Das bedeutet, dass zehn Infizierte im Mittel 12 bis 13 weitere Menschen anstecken.

Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI in seinem Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen liegt dieser Wert nun bei 1,23 (Vortag: 1,25). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.

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