Eine Impfschwester nimmt eine Spritze mit dem Impfstoff Comirnaty (Biontech/Pfizer) gegen Covid-19 aus einer Schale. | dpa

Corona-Pandemie Amtsärzte fordern Plan für Nachimpfungen

Stand: 10.05.2021 16:19 Uhr

Im Sommer könnte es eng werden mit den Impfmöglichkeiten - wenn die Corona-Nachimpfungen anstehen und auch die Kinder geimpft werden. Davor warnt der Bundesverband der Amtsärzte - und hat Lösungsvorschläge parat.

Wegen der vielen nötigen Auffrischungsimpfungen befürchten die Amtsärzte, dass das Impfsystem in Deutschland im Sommer mächtig unter Druck geraten könnte.

Die Chefin des Bundesverbands der Amtsärzte, Ute Teichert, sagte der "Rheinischen Post", ab Ende Juni oder Anfang Juli müsse in Deutschland nachgeimpft werden - zusätzlich zu den laufenden Erst- und Zweitimpfungen. "Von Seiten der Politik höre ich diesbezüglich aber keinerlei Vorschläge, wie das organisiert werden sollte", sagte Teichert. "Es scheint vielmehr, als liefe sie planlos in eine solche Situation hinein."

Nachimpfungen erforderlich

Teichert verwies darauf, dass Studien davon ausgehen, dass Nachimpfungen nach sechs Monaten fällig werden. Andere Länder wie England seien schon dabei, sich darauf vorzubereiten.

Die Situation in Deutschland sei auch deshalb so besorgniserregend, weil es parallel die Kinderimpfungen als eine weitere Herausforderung geben werde. "Die sollen im Sommer kommen. Zwar erst einmal nur mit einer Impfstoffzulassung für die Zwölf- bis  Fünfzehnjährigen." Wenn es danach möglicherweise ab dem Herbst auch Impfungen von noch deutlich Jüngeren geben sollte, so Teichert, werde der Druck aus der Bevölkerung deutlich zunehmen, mit den Kindern und Jugendlichen endlich zu beginnen.

Lösungsvorschläge für den Herbst

Eine Lösung könnte ihrer Ansicht nach sein, wenn sich die Politik dazu durchringe, die Kitas und Schulen bei der Impfung gezielt einzubeziehen. Sie forderte zudem, die Impfzentren auch über den September hinaus zu betreiben.

"Jetzt funktionierende Strukturen als Auslaufmodell zu deklarieren, halte ich für gefährlich. Das Impfen wird uns noch geraume Zeit weiter begleiten", sagte Teichert. Auch die Gesundheitsämter könnten eingebunden werden.

Ein Drittel der Deutschen geimpft

Die Impfstellen in Deutschland haben in der Corona-Pandemie mittlerweile insgesamt mehr als 35 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus verabreicht. Das geht aus neuen Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Davon seien etwas weniger als 27,3 Millionen bei Erstimpfungen und weitere gut 7,8 Millionen bei Zweitimpfungen verabreicht worden.

In Deutschland haben laut RKI damit 32,8 Prozent der Menschen mindestens eine Corona-Impfung erhalten. Den vollen Impfschutz erhielten demnach bislang 9,4 Prozent der Bevölkerung.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. Mai 2021 um 13:25 Uhr.