Eine Lehrerin spricht mit einem Schüler im Unterricht an einer Grundschule | dpa

Corona-Nachhilfe für Schüler Lehrerverband rechnet mit zwei Milliarden Euro

Stand: 27.03.2021 17:10 Uhr

Eine Milliarde Euro will Bildungsministerin Karliczek aufwenden, um Schüler mit Nachhilfe wieder auf den nötigen Lernstand zu bringen. Das findet der Lehrerverband zu wenig. Er rechnet mit der doppelten Summe.

Der Deutsche Lehrerverband (DL) schätzt, dass für das Vorhaben, coronabedingte Lerndefizite aufzuarbeiten, etwa zwei Milliarden Euro nötig sein werden. Zuvor hatte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek eine "Nachhilfe-Milliarde" für Schülerinnen und Schüler mit Lernrückständen ins Gespräch gebracht.

"Viele Kinder und Jugendliche werden zukünftig begleitende Förderangebote etwa in Form zusätzlichen Nachmittagsunterrichts oder digitaler Nachhilfe brauchen", sagte DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger der Nachrichtenagentur dpa. Beim Großteil der Schülerinnen und Schüler könnten die coronabedingten Lerndefizite in den nächsten zwei Schuljahren wieder aufgeholt werden. Bei mindestens 20 Prozent der Schüler gehe er davon aus, dass wegen der Corona-Krise ein stark erhöhter Förderbedarf entstanden sei. "Da haben wir Bedenken, ob sie überhaupt noch den verpassten Stoff aufholen können."

"Defizite nicht in wenigen Wochen und Monaten aufzuarbeiten"

Zwischen 300 und 600 Präsenz-Unterrichtsstunden seien je nach Bundesland, Schulart und Infektionslage pro Schüler inzwischen weggefallen und nur teilweise durch Distanzunterricht ersetzt worden, so Meidinger. Er erwarte daher, dass eine Lernförderung über mehr als nur ein Schuljahr laufen müsse. "Das ist eine Langstrecke und nicht nur eine vorübergehender Förderung, die man nach wenigen Wochen und Monaten abhaken kann."

Ähnliche Zahlen hatte zuletzt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) genannt. Die Studie des arbeitgebernahen Instituts geht laut einem Bericht der "Rheinische Post" zufolge von rund 1,5 Millionen Schülern aus, bei denen durch die Krise ein stark erhöhter Förderbedarf entstanden ist. Die Autoren rechnen mit einem durchschnittlichen Förderbedarf von rund 100 Stunden pro betroffenem Schüler - und kommen so auf eine Fördersumme von 1,5 Milliarden Euro.

Lernstandserhebungen in Kernfächern geplant

Karliczek hatte zuvor angekündigt, eine Milliarde Euro für ein bundesweites Nachhilfeprogramm ausgeben zu wollen. Dazu solle es am Ende dieses Schuljahres in allen Bundesländern Lernstandserhebungen in den Kernfächern geben, sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der "Funke Mediengruppe".

Die SPD-geführten Länder schlagen vor, rund jedem fünften der elf Millionen Schüler zusätzlichen Unterricht anzubieten - entweder über ein ganzes Schuljahr zwei Stunden pro Woche oder über ein halbes Schuljahr vier Stunden. Karliczek sagte: "20 bis 25 Prozent der Schüler haben vermutlich große Lernrückstände - vielleicht sogar dramatische." 

Förderangebote zum neuen Schuljahr

Karliczek nannte weitere Details des geplanten Bund-Länder-Programms: Spätestens zum neuen Schuljahr würden zusätzliche Förderangebote bereitgestellt, die sich auf Kernfächer, also etwa Deutsch, Mathe und möglicherweise auch die erste Fremdsprache beziehen sollten. Zielgruppe des Programms seien vor allem Schülerinnen und Schüler, bei denen ein Wechsel bevorstehe - entweder auf eine weiterführende Schule oder in eine Ausbildung. Schon in den Sommerferien solle es erste Angebote geben.

Über dieses Thema berichtete am 27. März 2021 Inforadio um 12:04 Uhr und tagesschau24 um 16:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Lehrer eurer Gören 27.03.2021 • 23:52 Uhr

@ Peter Schäfer

Der Unterricht muß durch kleinere Gruppen effizienter werden. Wie soll das gehen, die Anzahl der Lehrer*innen können Sie ja kaum steigern. Woher nehmen und nicht stehlen?