Bundeskanzlerin Angela Merkel | Bildquelle: CLEMENS BILAN/POOL/EPA-EFE/Shutt

Coronavirus-Pandemie Merkel warnt vor Virus-Mutationen

Stand: 09.01.2021 13:29 Uhr

Kanzlerin Merkel geht davon aus, dass demnächst schneller geimpft werden kann. Zugleich warnt sie eindringlich vor den neuen Mutationen des Virus. CSU-Chef Söder fordert deshalb bereits weitere Maßnahmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel rechnet fest mit einem höheren Tempo beim Impfen gegen das Coronavirus. "Es ist ein langsamer Start. Ein paar Hunderttausend sind geimpft, und jeden Tag werden es mehr. Das Tempo wird zunehmen", sagte die CDU-Politikerin in ihrem Video-Podcast. "Wir werden in Deutschland genügend Impfstoff für alle verfügbar haben. Wir werden Monat für Monat mehr Menschen und schließlich jedem, der es möchte, ein Impfangebot machen können."

Gleichzeitig verteidigte Merkel die gemeinsame europäische Beschaffung des Impfstoffs. "Ich bin fest überzeugt, dass es gut war, auf den europäischen Weg zu setzen. Ein Virus, das uns alle trifft, lässt sich von keinem Land allein besiegen. Kein Land, auch Deutschland nicht, wäre sicher vor dem Virus, wenn seine Freunde und Nachbarn es nicht wären."

In Sorge wegen Virus-Mutationen

Merkel warb noch einmal Geduld und um Verständnis für die anhaltenden Einschränkungen. "Dort, wo sich das Virus extrem ausbreitet, bei einer Inzidenz von über 200, wird sogar der Bewegungsradius jedes einzelnen eingeschränkt. Das ist hart, aber, davon bin ich überzeugt, auch zwingend erforderlich."

Die kommenden Wochen seien die wohl schwersten der Pandemie. "Ärzte und Pflegepersonal arbeiten in vielen Krankenhäusern am Rande der Überforderung", sagt sie. "Auch was wir über Mutationen des Virus hören, macht die Sorgen nicht geringer - im Gegenteil", so die Kanzlerin.

Wissenschaftler fordern bessere Erforschung des Erregers

Die Entwicklung der beiden zunächst in Großbritannien und Südafrika nachgewiesenen Coronavirus-Varianten verdeutlicht Experten zufolge, dass die Überwachung des Erregers dringend ausgebaut werden muss. Die Varianten seien als "Weckruf" zu sehen, sagte Andreas Bergthaler vom CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die Systeme zur Erkennung müssten ausgebaut und koordiniert werden. "Wir dürfen uns nicht in der falschen Sicherheit wähnen, dass wir mit den Impfstoffen schon am Ende des Marathons angekommen sind."

Wünschenswert sei ein globales Netzwerk von Laboren ähnlich wie bei der Grippe, deren Erreger sich ebenfalls stetig verändere, sagte Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel. Bisher sei man von einem solchen koordinierten Ansatz noch weit entfernt. In Großbritannien werde bei etwa 5 Prozent der bei Corona-Tests genommenen Proben das Viruserbgut entziffert, in Dänemark bei 12 Prozent, so Bergthaler. In Deutschland seien es vor Auftauchen der Variante B.1.1.7 nur etwa 0,2 Prozent gewesen.

Virologin: Coronamüdigkeit ist ein Problem

Noch sei nicht klar, wie viel ansteckender die Varianten seien, erklärte Isabella Eckerle von der Abteilung für Infektionskrankheiten der Universität Genf. Dass es Großbritannien auch mit Lockdown-Maßnahmen nicht gelungen sei, die Ansteckungsrate deutlich zu senken, lasse aber bei B.1.1.7 Arges auch für andere Länder befürchten: "Wenn sie sich durchsetzt, hätten wir ein Problem." Schon bei den bisher kursierenden Virusformen zeige sich, dass Maßnahmen oft weniger deutlich griffen als erhofft - auch, weil viele Menschen coronamüder geworden seien und weniger vorsichtig agierten als im Frühjahr vergangenen Jahres.

Der Chefvirologe am Heidelberger Uniklinikum, Hans-Georg Kräusslich, rechnet mit einer Fortsetzung des verschärften Lockdowns über Ende Januar hinaus. Er halte es für "extrem unwahrscheinlich, dass Ende Januar die Einschränkungen weitgehend oder vollständig aufgehoben werden", sagte Kräusslich der "Rhein-Neckar-Zeitung".

Keine schnelle Entspannung in Sicht

"Wenn wir auf das letzte Jahr zurückblicken, gingen die Infektionen Ende April und im Mai deutlich zurück und im Sommer hatten wir eine relativ entspannte Situation. Das sollte auch dieses Jahr eintreten, selbst wenn dann noch nicht genug geimpft sind." Breit angelegte Impfungen würden idealerweise im Sommer erreicht. "Aber die Hoffnung, vor März, April einen deutlichen Rückgang zu sehen - da bin ich sehr, sehr skeptisch", betonte Kräusslich.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert bereits weitere Maßnahmen. "Wir müssen den Lockdown, den wir jetzt haben, verlängern, an einigen Stellen auch noch vertiefen", sagte der CSU-Chef auf dem Neujahrsempfang der CDU Nordrhein-Westfalens. Es sei nicht seriös, derzeit zu sagen, im Februar sei alles vorbei. Die Pandemie werde das Land "noch Monate beschäftigen". Söder warnte vor allem vor der Gefahr, dass sich Virus-Mutationen ausbreiten. Diese grassierten nicht nur in Großbritannien, Irland, sondern nun auch in den Niederlanden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. Januar 2021 um 11:23 Uhr.

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