Corona-Testzentrum in Potsdam | dpa

Statistiker zu Corona-Daten "Die Meldeinzidenz ist problematisch"

Stand: 28.01.2022 18:39 Uhr

Der Statistiker Küchenhoff hält die Meldeinzidenz für ungeeignet, um die Pandemie richtig einzuschätzen. Relevanter seien die Zahlen der Krankenhauseinweisungen und der belegten Intensivbetten, so Küchenhoff auf tagesschau24.

Der Statistik-Professor Helmut Küchenhoff hat im Interview mit tagesschau24 erläutert, warum er die "Meldeinzidenz" für nicht geeignet hält, um das tatsächlich Ausmaß der Corona-Pandemie zu erfassen. Zumindest als "primärer Indikator" sei die Inzidenz ungeeignet, so Küchenhoff, der an der Ludwig-Maximilians-Universität München Statistik lehrt.

Die Inzidenz sei problematisch, weil sie lediglich die Zahl der gemeldeten Fälle zeige. Es gebe aber eine Dunkelziffer an nicht gemeldeten oder verzögert gemeldeten Infektionsfällen, so Küchenhoff. "Darum sind wir sehr skeptisch, ob diese Meldeinzidenz ein geeigneter Parameter ist."

Schwankende Dunkelziffer

Schwierig sei, dass sich der Anteil der nicht gemeldeten Fälle ändere. "Der Anteil ist von Bundesland zu Bundesland verschieden, aber auch in verschiedenen Phasen der Pandemie", so der Statistiker. Bei stark steigenden Infektionszahlen sei die Dunkelziffer "tendenziell höher".

Auch die von der Bundesregierung angekündigte Priorisierung der PCR-Tests für vulnerable Personen und bestimmte Berufsgruppen werde dazu führen, dass sich die Dunkelziffer tendenziell weiter erhöhe. "Dann können wir die Pandemie nicht mehr so genau verfolgen", so Küchenhoff.

Nach der Auffassung des Statistik-Professors sind zwei andere Parameter dazu besser geeignet: zum einen die Hospitalisierungs-Inzidenz. Diese habe den Vorteil, dass die Dunkelziffer nicht so hoch sei. "Jeder, der ins Krankenhaus kommt, wird getestet." Die Zahl sei zudem relevanter. "Wenn die Krankheit schwerer wird, kommt jemand ins Krankenhaus. Dadurch messe ich etwas, das wichtiger ist als die reinen Infektionszahlen."

Lage auf Intensivstationen gut erfasst

Ebenfalls relevant sei die Lage auf den Intensivstationen. Die Zahl der belegten Betten und der Neuaufnahmen auf den Stationen werde sehr gut erhoben, so Küchenhoff. "Das ist der zweite ganz zentrale Parameter." Schließlich sei das Ziel der Pandemiebekämpfung die Nicht-Überlastung der Krankenhäuser.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Januar 2022 um 15:00 Uhr.