Medikamente von Pfizer | picture alliance / SvenSimon

Paxlovid und Lagevrio Bundesregierung will Corona-Pillen kaufen

Stand: 23.12.2021 16:59 Uhr

Kurz nachdem die US-Arzneimittelbehörde dafür eine Notfallzulassung erteilt hat, bemüht sich die Bundesregierung um die Corona-Pille Paxlovid. Die Europäische Arzneimittelagentur prüft das Medikament noch.

Deutschland bemüht sich um die rasche Beschaffung des Corona-Medikaments Paxlovid, das in den USA eine Notfallzulassung erhalten hatte. Das Bundesgesundheitsministerium steht nach Angaben eines Sprechers mit Herstellern "in Verhandlung, um Kontingente für Deutschland zu sichern und zeitnah für die Versorgung zur Verfügung zu stellen". 

Dies gelte neben dem Präparat Paxlovid des US-Konzerns Pfizer auch für das Mittel Lagevrio, das vom US-Unternehmen MSD hergestellt wird. Beides sind antivirale Mittel, die das Virus daran hindern, sich zu reproduzieren.

Noch keine Zulassung in der EU

Die Präparate sind in der EU noch nicht zugelassen. Bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA seien aber bereits "Bewertungsverfahren mit dem Ziel der Zulassung begonnen worden", sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministerium der Nachrichtenagentur AFP. Die Mittel sollten in Deutschland nach der Zulassung vor allem für Risikopatienten eingesetzt werden, sagte der Sprecher - etwa Patienten über 60 Jahre und Menschen mit Leiden wie Adipositas und Diabetes.

In der vergangenen Woche sprach sich die EMA bereits für den Einsatz von Paxlovid in Notfallsituationen aus, etwa bei "steigenden Infektions- und Todesraten durch Covid-19". Erwachsene Patienten, die keinen zusätzlichen Sauerstoff benötigen und ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben, könnten damit behandelt werden. Damit kann das Medikament noch vor seiner Zulassung in der EU eingesetzt werden, die Entscheidung liegt bei den nationalen Behörden. Die EMA beruft sich auf eine Studie, bei der Patienten das Medikament bekommen haben, bei denen eine Klinikeinweisung noch nicht nötig war.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte Paxlovid am Mittwoch eine Notfallzulassung für Risikopatienten ab zwölf Jahren erteilt. Einer der Vorteile ist, dass Paxlovid und Molnupiravir zu Hause als Pille eingenommen werden können. Andere Mittel wie das antivirale Medikament Remdesivir müssen dagegen intravenös und damit in Kliniken verabreicht werden.

Pille soll schweren Krankheitsverlauf verhindern

Paxlovid bremst die Vermehrung der Viren. Wer erkrankt ist, nimmt die Pille zu Hause zweimal täglich fünf Tagen lang ein. Dazu kommt ein weiteres Präparat, das bereits bei HIV-Patienten eingesetzt wird. Diese Behandlung soll vermeiden, dass man schwerer erkrankt - und möglicherweise ins Krankenhaus muss.

Laut des Herstellers Pfizer senkt Paxlovid die Gefahr einer Krankenhauseinweisung oder eines Todes um knapp 90 Prozent. Die FDA hatte dazu erklärt: "Diese Zulassung bringt zu einem mit dem Auftreten neuer Varianten entscheidenden Zeitpunkt in der Pandemie ein neues Werkzeug, um Covid-19 zu bekämpfen."

Noch weit von Massenproduktion entfernt 

US-Präsident Joe Biden versprach Pfizer staatliche Unterstützung, um die Produktion des Medikaments schnell hochzufahren, denn von der Massenproduktion ist Pfizer noch weit entfernt. Die Produktion des Medikamentes dauert derzeit sechs bis acht Monate.

Die US-Regierung hat bereits rund zehn Millionen Packungen für rund fünf Milliarden Dollar vorbestellt. Eine Packung entspricht einer Behandlung. Und noch in diesem Jahr könnten die ersten davon ausgeliefert werden, teilte das Weiße Haus mit. Im Januar sollen dann rund 265.000 Packungen zur Verfügung stehen. 

Auch Großbritannien ordert viele Pillen

Die britische Regierung hatte jüngst einen Liefervertrag für Millionen weiterer Dosen der zwei Corona-Medikamente abgeschlossen. Großbritannien erhält nach eigenen Angaben ab Anfang 2022 insgesamt 4,25 Millionen Einheiten der Medikamente der Pharmakonzerne MSD und Pfizer. Großbritannien hatte das MSD-Medikament Lagevrio bereits Anfang November als erstes Land weltweit zugelassen.

Lagevrio wird derzeit in einer landesweiten Studie der Universität Oxford eingesetzt, an der Menschen teilnehmen können, die unter Covid-19-Symptomen leiden. Zugelassen wurde das Medikament zudem für Menschen mit einem hohen Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, darunter Krebspatienten.

Paxlovid soll laut britischer Regierung "so schnell wie möglich" auf dieselbe Weise eingesetzt werden, sobald es das grüne Licht der britischen Arzneimittelbehörde (MHRA) erhält.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Dezember 2021 um 12:00 Uhr.