US-Forscher arbeiten in einem Labor | dpa

Corona-Pandemie Forscher dämpfen Hoffnung auf Medikament

Stand: 03.04.2021 09:10 Uhr

Die größte Hoffnung liegt auf den Impfstoffen, doch auch Medikamente gegen Covid-19 werden weiter erforscht. Ein rundum wirksames Heilmittel werde es aber wohl kaum geben, sagen Wissenschaftler.

Wissenschaftler dämpfen die Hoffnung auf einen baldigen Durchbruch bei der Suche nach Medikamenten gegen das Coronavirus. Man dürfe nicht sehr optimistisch sein, dass Arzneimittel in Kürze die Sterblichkeit bei intensivmedizinisch behandelten Patienten drastisch senken könnten, sagte Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Im Laufe der Pandemie habe es immer wieder Glauben und Hoffen gegeben - doch 95 oder eher sogar 99 Prozent der Medikamente seien in Studien durchgefallen, so Kluge, der Koordinator der Behandlungsleitlinien der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) ist.

Dexamethason zur Linderung

Bisher werden vor allem Mittel eingesetzt, um Symptome zu lindern. So kommt bei Klinik-Patienten vor allem das entzündungshemmende und lange bekannte Dexamethason zum Einsatz. Es soll eine überschießende Immunreaktion bremsen, die bei Covid häufig auftritt. Dexamethason gehört zu den laut nationaler Leitlinie empfohlenen Medikamenten.

Dass überhaupt ein rundum wirksames Heilmittel gegen Covid-19 gefunden wird, gilt als unwahrscheinlich. "Wir werden nichts finden, was die derzeitige Sterblichkeit von 20 bis 30 Prozent auf der Intensivstation auf 0 Prozent reduziert", sagt Kluge.

"Nur bedingt wirksame Therapie-Optionen"

Ähnlich äußerte sich auch Christoph Spinner, Oberarzt Infektiologie und Pandemiebeauftragter des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM). Bei Grippe und anderen Viruskrankheiten fehlen direkte Heilmittel bis heute. "Es gibt auch bei anderen respiratorischen Viren nur bedingt wirksame Therapie-Optionen", so Spinner.

"Das dürfte vor allem daran liegen, dass bei den respiratorischen Erkrankungen nur ein frühes Fenster für die antiviralen Ansätze bleibt, während dann bei den komplizierten späten Erkrankungsphasen mehr immunologische Therapien erforderlich sind."

Dexamathason senke die Sterblichkeit zwar signifikant, aber nicht auf Null. "Daher macht die Verhinderung der schweren Infektion durch Impfung einfach am meisten Sinn."

Auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek dämpfte Erwartungen an eine rasche Entwicklung neuer Covid-19-Medikamente: "Eine einzige Pille gegen Covid-19 wird es so wohl nicht geben", sagte sie bereits Ende März den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es gebe jedoch einige vielsprechende Ansätze, die von der Bundesregierung massiv unterstützt würden.

In mehreren Kliniken in Deutschland werden derzeit synthetisch hergestellte Antikörper erprobt: Bamlanivimab sowie REGN-COV2, das auch Ex-US-Präsident Donald Trump bekam. Trotz bisher schlechter Studienlage und mangelnder Empfehlung dafür hatte sich die Bundesregierung von beiden Medikamenten 200.000 Dosen für rund 400 Millionen Euro gesichert. Sie liegen nun im Schrank, wie Mediziner berichten.

Von 100 therapeutischen Bamlanivimab-Einheiten sei an der München Klinik bis Anfang März nur eine Einzige verwendet worden, in anderen Kliniken gebe es ähnliche Erfahrungen, sagte der Infektiologe Clemens Wendtner von der München Klinik.

Auch sogenanntes Rekonvaleszentenplasma - aus dem Blut von Genesenen gewonnene Antikörper - wird in Deutschland weiter erprobt. Der Wirkmechanismus ist vergleichbar mit dem synthetischer Antikörper.

Forschung mit Nabelschnurgewebe

Geforscht wird auch an Medikamenten, die eine Zerstörung der Lunge verhindern. Dabei geht es etwa um sogenannte mesenchymale Stammzellen. Sie werden aus Nabelschnurgewebe gewonnen, sind Vorläufer für verschiedene Zelltypen im Körper - und könnten nach ersten Studien schwer erkrankten Corona-Patienten helfen. Sie sollen Lungengewebe schützen oder regenerieren.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. April 2021 um 10:46 Uhr in den Nachrichten.