Eine Maske liegt im Unterricht auf Unterlagen, während im Hintergrund Schülerinnen und Schüler in einem Gymnasium mit Mund- und Nasenschutz dem Unterricht folgen. | dpa

Reaktionen nach Corona-Gipfel Lehrer warnen, Ärzte mahnen

Stand: 17.02.2022 10:22 Uhr

Nach dem Bund-Länder-Gipfel hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vor zu raschen Lockerungen in Schulen und Kitas gewarnt. Ärzte begrüßten die Lockerungen, mahnen die Bürger aber zu mehr Eigenverantwortung.

Nach den von der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossenen stufenweisen Corona-Lockerungen hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vor zu schnellen Öffnungsschritten in Schulen und Kitas gewarnt.

"Es ist richtig, dass auch diese Einrichtungen in die gesellschaftliche Entwicklung miteinbezogen werden - das muss aber mit Augenmaß geschehen, um den bestmöglichen Gesundheitsschutz der Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Kinder sowie deren Eltern zu gewährleisten", sagte GEW-Chefin Maike Finnern dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Bisher hätten die Kinder und Jugendlichen die Hauptlast der Corona-Pandemie getragen, Lockerungen dürften nicht auf ihrem Rücken ausgetragen werden, sagte Finnern. "Da die Infektionen in den Schulen immer noch deutlich überdurchschnittlich häufig sind, müssen weiterhin Masken getragen und Hygienekonzepte beachtet werden sowie eine verlässliche Teststruktur für alle sichergestellt sein." Auch der Einbau von Luftfilteranlagen müsse weiter vorangetrieben werden.

Viele Auflagen enden am 20. März

Bund und Länder hatten am Mittwoch einen Plan für schrittweise Öffnungen bis hin zu einem möglichen Ende aller einschneidenden Auflagen am 20. März vereinbart. Danach soll aber ein "Basisschutz" mit bestimmten Maßnahmen möglich bleiben. Dafür wird eine bundesweite Rechtsgrundlage angestrebt, wenn die bestehende am 19. März ausläuft.

Die Bundesärztekammer begrüßte die Bund-Länder-Beschlüsse, mahnte die Bürger aber für die Zukunft zu mehr Eigenverantwortung. "Mit dem Wegfall gesetzlicher Beschränkungen kommt dem eigenverantwortlichen Umgang der Menschen mit möglichen Ansteckungsrisiken eine noch größere Bedeutung zu", sagte Ärztekammerpräsident Klaus Reinhardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Als Beispiele nannte Reinhardt neben der Impfung freiwillige Schnelltests vor privaten Feiern. Auch das Tragen von FFP2-Masken etwa im Nahverkehr und bei größeren Menschenansammlungen sei sinnvoll.  Reinhardt nannte das Ende aller tiefgreifenden Schutzmaßnahmen "aus wissenschaftlich-epidemiologischer Sicht berechtigt". Er bekräftigte: "Die Omikron-Welle bricht, die Lage in den Kliniken ist beherrschbar, und mit steigenden Temperaturen ist eine weitere Entspannung wahrscheinlich."

Patientenschützer: Maßnahmen in der Pflege beibehalten

Auch der wissenschaftliche Leiter des Registers der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Christian Karagiannidis, nannte die Lockerungsbeschlüsse "verantwortbar". "Das stufenweise Vorgehen ist sehr gut." Im Krankenhaus und auf den Intensivstationen werde die Spitze der Corona-Fälle erst in wenigen Wochen zu sehen sein, "aber ich rechne nicht damit, dass es zu einer Überlastung kommt", sagte der Intensivmediziner. 

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte, Corona-Maßnahmen im Pflegesektor länger beizubehalten. Verletzliche Bevölkerungsgruppen müssten auch über den 19. März hinaus vor dem Coronavirus geschützt sein.

Brysch sagte: "Für staatliche Maßnahmen braucht es deshalb weiterhin eine wirksame gesetzliche Ermächtigung anstelle eines liberalen Aktionismus und dem Ausrufen eines 'Freedom Days'. Die Verpflichtung zum Tragen von FFP2-Masken, ein Test-Regime oder Hygienemaßnahmen für die Alten- und Krankenpflege dürfen nicht der privaten Verantwortung überlassen werden."

Kulturrat fordert weitere Unterstützung

Der Deutsche Kulturrat begrüßte die Lockerungen ebenfalls und wies zugleich auf weiteren Unterstützungsbedarf hin. Auch wenn der Kulturbereich ab dem 20. März ohne Einschränkungen öffnen könne, sei es ein "Trugschluss zu meinen, damit wäre alles so wie vor der Pandemie", betonte Geschäftsführer Olaf Zimmermann.

"Es beginnt nunmehr für den Kulturbereich eine lang andauernde Übergangsphase, um das Publikum zurückzugewinnen, so Zimmermann weiter. Die Verlängerung von Unterstützungsmaßnahmen ist ein wichtiges Signal, um diese Übergangsphase zu meistern", erklärte er. Es sei zu begrüßen, dass die Bezugsdauer und die Sonderregelungen zum Kurzarbeitergeld fortgeführt werden.

Über dieses Thema berichtete am 17. Februar 2022 tagesschau24 um 09:00 Uhr und MDR Aktuell um 10:07 Uhr.