Leere Tische zur Mittagszeit vor einem Restaurant in Meiningen (Thüringen) | dpa
Hintergrund

Länder in der Corona-Krise Wo Maßnahmen verschärft werden

Stand: 20.03.2020 20:00 Uhr

Weil sich noch immer viele Bürger nicht an die Auflagen im Kampf gegen das Coronavirus halten, gehen viele Bundesländer einen Schritt weiter und verhängen schärfere Maßnahmen. Ein Überblick.

In Bayern hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die bislang bundesweit weitreichendsten Maßnahmen angeordnet. Das Haus verlassen sollen die Menschen nur noch für notwendige Gänge etwa zum Einkaufen, zum Arzt, zur Arbeit und maximal gemeinsam mit der eigenen Familie. Restaurants und Biergärten müssen geschlossen bleiben. Take-Away-Angebote sind weiter erlaubt. Lokale, Friseure und Baumärkte müssen schließen.

Auch im medizinischen Bereich gelten Einschränkungen: Physiotherapie darf nur noch im medizinischen Notfall stattfinden, Logo- oder Ergotherapiepraxen müssen geschlossen bleiben. Für Krankenhäuser, Alten-, Pflege- und Behinderteneinrichtungen gelten - mit wenigen Ausnahmen - Betretungsverbote. Die Maßnahmen sind zunächst für zwei Wochen in Kraft.

Das Saarland verhängt ähnliche Maßnahmen wie Bayern. Wer von Samstag an das eigene Hause oder den Garten verlassen wolle, brauche grundsätzlich triftige Gründe, sagte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Zu solchen Gründen zählen die Wege zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Arzt. Erlaubt ist auch, Familienmitglieder zu unterstützen, seine Kinder zu sehen, Sport alleine oder maximal zu fünft mit entsprechendem Sicherheitsabstand zu treiben oder individuell Kirchen, Moscheen oder Synagogen zu besuchen. Auch hier gelten die Beschränkungen zunächst für zwei Wochen.

In Rheinland-Pfalz gilt keine Ausgangssperre, allerdings werden ab Mitternacht Versammlungen von mehr als fünf Menschen verboten. Auch Restaurants und Gaststätten müssen für den Publikumsverkehr schließen - der Verkauf von Essen zum Mitnehmen bleibt aber erlaubt. Außerdem schließt das Land zudem Thermen, Solarien, Fahrschulen und Bibliotheken. Die Kontrollen an der Grenze zum französischen Risikogebiet Grand Est werden verschärft. Berufspendler aus Frankreich können weiter zu ihrem Arbeitsplatz in Rheinland-Pfalz fahren, dürfen aber unterwegs nicht mehr aussteigen.

Ähnliche Einschränkungen gelten für Baden-Württemberg. Hier dürfen sich maximal drei Personen im öffentlichen Raum versammeln - ausgenommen sind Familien. Restaurants und Gaststätten müssen schließen - der Außer-Haus-Verkauf läuft aber weiter. Die Durchreise von Personen aus Corona-Risikogebieten wird weiter eingedämmt oder sogar ganz untersagt.

Auch Hessen schränkt die Bewegungsfreiheit der Bürger weiter ein: Restaurants und Gaststätten werden im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus geschlossen. Außerdem beschloss die Landesregierung, die Obergrenze für Versammlungen von bislang 100 auf fünf Menschen abzusenken. Eine mögliche Verschärfung der Ausgangsbeschränkungen will man auch in Hessen vermeiden. Das sei die letztmögliche Maßnahme, hieß es.

Hamburg erlässt ebenfalls weiterreichende Beschränkungen. Alle Restaurants werden geschlossen und Ansammlungen von mehr als sechs Personen untersagt, erklärte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nach einer Senatssitzung. Ausnahmen gelten demnach für Lieferdienste sowie für Familien oder Gruppen von Berufstätigen. 

In Sachsen werden "größere Menschenansammlungen" verboten. Das erklärte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Allerdings ist der Begriff nicht genau definiert. "Diejenigen, die zusammen leben, die eine Familie sind, sollen sich auch künftig gemeinsam zusammen bewegen", sagte Kretschmer.

Niedersachsen verzichtet bislang auf schärfere Ausgangsbeschränkungen. Derzeit dürften sich maximal zehn Personen versammeln, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Dabei solle es zunächst auch bleiben. Es solle aber gruppenbezogene Anpassungen geben. Restaurants und Gaststätten müssen aber auch in Niedersachsen schließen.

Ebenso wie Niedersachsen untersagt auch Bremen allen Restaurants und Gaststätten, Kunden im Haus zu bewirten. Die Restaurants dürfen aber weiter Speisen verkaufen. Schärfere Ausgangsbeschränkungen gibt es aber vorerst nicht.

Davon sieht auch Mecklenburg-Vorpommern bislang ab, doch die Gastronomie muss genau wie in vielen anderen Bundesländern schließen. Am Samstagabend, 18.00 Uhr, machen Gaststätten im Land dicht. Das teilte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) nach einer Beratung mit der Tourismuswirtschaft und dem Hotel- und Gaststättenverband in Schwerin mit.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat angekündigt, dass es auch für die Hauptstadt härtere Einschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Krise geben wird. Der Senat solle vorbereiten, dass es zu Restaurantschließungen komme, sagte er in der RBB. Bislang müssen diese Lokale ab 18.00 Uhr schließen. Künftig solle es dann nur noch Abhol- und Lieferdienste geben. Auch Versammlungen sollten weiter eingeschränkt werden, kündigte Müller an.

In allen anderen Bundesländern - Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt - bleiben die bislang beschlossenen Maßnahmen zur Distanzierung in Kraft, werden aber vorerst nicht verschärft. Allerdings wiesen mehrere Ministerpräsidenten darauf hin, dass sich das ändern könnte, sollten Bürgerinnen und Bürger sich nicht an die bereits gemachten Auflagen halten. Am Sonntag beraten die Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über weitere Schritte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. März 2020 um 20:00 Uhr.