Eine Patientin mit Long Covid wird untersucht.  | REUTERS

Corona-Folgen Nicht genug Geld für Long-Covid-Versorgung?

Stand: 17.05.2022 10:26 Uhr

Patientenschützer fordern den Staat auf, Long Covid endlich ernst zu nehmen. Für die Versorgung von Patienten gebe es nicht genug Geld. Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt derweil weiter.

Die bundesweite Versorgung von Patienten mit der Covid-19-Folgeerkrankung Long Covid erfordert zusätzliche Steuermittel. Dies verlangt die Deutsche Stiftung Patientenschutz. "Die Bundesregierung ist aufgefordert, einen Post-Covid-Fonds aufzulegen", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Nachrichtenagentur dpa.

Gelder reichen nicht

Die Mittel im laufenden Budget der Kranken- und Pflegekassen würden für die Versorgung von Menschen mit Langzeitfolgen nicht ausreichen. Das Leiden der Menschen müsse endlich ernstgenommen werden, so Brysch: "Wie bei der Impfung, der Testung und der wirtschaftlichen Unterstützung muss die Versorgung der Patienten mit Langzeitfolgen eine öffentliche Aufgabe werden."

Ambulanzen in Krankenhäusern, Praxen, Heimen und Versorgungszentren müssten in die Lage versetzt werden, einer großen Zahl von Patienten helfen zu können.

Als Long Covid gelten Folgen einer Covid-19-Erkrankung, die auch noch vier Wochen nach der Infektion bestehen. Beschrieben wird eine Vielzahl an Symptomen, vor allem Erschöpfung, eingeschränkte Belastbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, aber auch Fehlfunktionen des Nervensystems verbunden mit Kreislaufproblemen.

Long Covid mehrheitlich bei schwerem Verlauf

Laut dem Corona-Expertenrat der Bundesregierung entwickelt eine Mehrheit jener Menschen Langzeitkomplikationen, die einen schweren Verlauf der Covid-19-Krankheit durchlitten haben und auf Intensivstationen behandelt wurden.

Aber auch gut zehn Prozent der milden Erkrankungen führten noch zu Post Covid, einer Unterform von Long Covid, bei der die Beschwerden selbst drei Monate nach der Infektion noch vorliegen und zu Einschränkungen im Alltag führen.

Versorgung bislang unzureichend

Der Corona-Expertenrat hatte bereits gestern in einer Stellungnahme kritisiert, dass das derzeitige Versorgungsangebot angesichts der steigenden Zahl an Patientinnen und Patienten bei Weitem nicht ausreiche.

Der Rat legte eine Liste von Maßnahmen vor, die dringend notwendig seien, um die Auswirkungen von Long Covid bewältigen zu können. Zu den Forderungen zählen die Ausweitung der Forschungsförderung, Aufklärungskampagnen für die Bevölkerung sowie für Menschen im Gesundheitswesen und die Etablierung flächendeckender Versorgungsstrukturen.

Zahl der Neuinfektionen sinkt

Unterdessen sank die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz laut Robert Koch-Institut (RKI) auf 437,6. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 439,2 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 522,7, und vor einem Monat bei 834,3.

Wie das RKI unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter weiter mitteilte, lag die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen binnen 24 Stunden bei 86.252, nach 107.568 vor einer Woche. Zudem wurden 215 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus registriert. 218 waren es eine Woche zuvor.

Allerdings Experten gehen davon aus, dass es mittlerweile eine hohe Zahl von nicht vom RKI erfassten Fällen gibt und die Inzidenz kein vollständiges Bild der Lage liefert. Zudem könnten Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Über dieses Thema berichtete die Sendung "Buten un Binnen" am 09. Mai 2022 um 19:30 Uhr.