Stephan Weil | dpa

Corona-Beschränkungen Weil will Stufenplan für Lockerungen

Stand: 01.02.2021 10:15 Uhr

Niedersachsens Ministerpräsident Weil hat einen Stufenplan zur Lockerung der Corona-Beschränkungen vorgeschlagen. Damit könnte es beispielsweise bald wieder Wechselunterricht geben. Die Zahl der Neuinfektionen liegt laut RKI bei 5608.

Einen an den Infektionszahlen ausgerichteten Stufenplan für die Lockerung der Corona-Einschränkungen hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil angekündigt. Ein entsprechendes Konzept stellte Weil am Sonntagabend in der ARD-Sendung Anne Will vor. Das Konzept sei "eine Handreichung, kein Automatismus", betonte er. "Aber es soll möglichst vielen Menschen ein Gefühl dafür geben, wie kann es denn sein, wenn wir bestimmte Fortschritte erreichen oder auch, wenn wir wieder Rückschläge erleiden."

Restaurants ab 50er-Inzidenz öffnen

Dem Plan zufolge könnten zum Beispiel Wechselunterricht an den Schulen und uneingeschränkte Trauerfeiern wieder stattfinden, wenn die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche unter 100 sinke. Bei einem Wert unter 50 könnten Hotels und Gastronomie den Betrieb wieder aufnehmen, auch der Einzelhandel dürfte mit Hygienekonzepten öffnen, und an den Schulen könnte Präsenzunterricht stattfinden.

Bei einem Wert unter 25 dürften Theater und Kinos wieder öffnen, und zehn Personen aus zwei Haushalten könnten sich treffen. Sinke die Inzidenz unter zehn, wäre sogar eine Öffnung von Diskotheken mit Hygienekonzept denkbar. "Wir wollen auf dieser Grundlage entscheiden, landesweit", sagte Weil mit Blick auf das Bundesland Niedersachsen. Er kündigte an, den Vorschlag auch in die kommenden Bund-Länder-Gespräche mit einzubringen.

Auch Kiel legt Stufenplan vor

Auch Schleswig-Holstein hatte vor einigen Tagen einen Plan erarbeitet, der Öffnungsschritte in mehreren Etappen vorsieht. Liegt die Inzidenz sieben Tage lang stabil unter 100, könnten demnach wieder Treffen von fünf Menschen aus zwei Haushalten, körpernahe Dienstleistungen (Friseure) und eingeschränkter Regelbetrieb an den Kitas sowie Wechselunterricht in Schulen möglich sein. Bleibt die Inzidenz sieben Tage unter 50, könnte der Einzelhandel unter Auflagen wieder öffnen - das Gleiche gilt für die Gastronomie, kosmetische Fußpflege und Nagelstudios.

Bei einer längeren Inzidenz von unter 35 sollen Treffen von zehn Menschen mehrerer Haushalte möglich sein, Schulen in den Regelbetrieb gehen, an Hochschulen wieder Lehrveranstaltungen in Kohorten erfolgen. Auch Bars und Kneipen dürften dann wieder öffnen. Gleiches gilt für Schwimmbäder, Theater, Kinos und Konzerthäuser.

Merkel: Schulen als erstes öffnen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt in ihrem wöchentlichen Video-Podcast das Ziel bekräftigt, bei Lockerungen die Belange von Kindern an die erste Stelle zu setzen. Die Bundesregierung setze alles daran, "Kitas und Schulen als erstes wieder öffnen zu können, um den Kindern ein Stück ihres gewohnten Alltags wiederzugeben und um Familien zu entlasten". Allerdings mahnte sie zugleich zur Vorsicht und dämpfte die Erwartungen an schnelle Öffnungen. Die Infektionszahlen gingen zwar seit einiger Zeit wieder zurück. Es bestehe aber eine "sehr reale Gefahr" durch die hochansteckenden Virus-Varianten.

Inzidenzwert bei 91

Die Zahlen sinken seit einigen Tagen leicht. Am Morgen meldeten die deutschen Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) 5608 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. Außerdem wurden 175 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet. Die erfassten Fallzahlen sind an Montagen in der Regel geringer, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Außerdem wurden laut RKI aus Sachsen-Anhalt keine Daten übermittelt.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 91, allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Der Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Sonntagabend bei 0,91.

Bund und Länder beraten wohl am 10. Februar

Die nächste Bund-Länder-Runde zu den Maßnahmen gegen die Pandemie werde wohl am 10. Februar stattfinden, sagt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Man sehe, dass die Zahlen der Neuinfektionen jetzt langsamer sinken würden. Problem gebe es vor allem im Grenzgebiet zu Tschechien. "Es ist nicht die Zeit, über große Lockerungen zu reden", sagt Söder.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. Februar 2021 um 02:42 Uhr.