Fahrradfahrer in Berlin mit Schutzmaske | Bildquelle: AFP

Corona-Lockerungen Angst vor dem Rückfall

Stand: 11.04.2020 16:58 Uhr

Zurück zur Normalität - nur wann? In der Debatte um einen Corona-Exit warnen mehrere Ministerpräsidenten vor Eile - aus Angst vor einem Rückfall. Für Kritik sorgt die Kommunikation der Bundesregierung.

Vertreter von Ländern und Kommunen mahnen in der Debatte um die Lockerung der Corona-Maßnahmen zur Vorsicht.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sagte in seiner Osteransprache, es werde auch nach den Osterferien "nicht einfach so weitergehen können wie vorher". Wer die Maßnahmen zu früh lockere, "riskiert einen Rückfall", warnte er laut Redetext. "Es gibt Bereiche, da kann es schneller gehen, es gibt Bereiche, da wird es sicher länger dauern."

Markus Söder vor der Aufzeichnung seiner Osteransprache | Bildquelle: dpa
galerie

Markus Söder vor der Aufzeichnung seiner Osteransprache

Kretschmann erwartet Verteilungskämpfe

Um Geduld bat der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Für die Zeit nach der Corona-Krise erwartet er harte Verteilungskämpfe. "Machen wir uns nichts vor: Das wird eine harte Debatte geben, wer die Kosten für die Rettungspakte trägt", sagte der Grünen-Politiker.

"Die meisten Menschen werden nach der Corona-Krise erstmal ärmer sein."

Durchhalten - bis es deutliche Verbesserungen gibt

Kretschmanns sächsischer Kollege Michael Kretschmer warb ebenfalls um Verständnis für die Einschränkungen. Die derzeitigen Maßnahmen "entspringen nicht staatlicher Willkür, sondern sie retten Leben". So lange es nötig sei, müsse man durchhalten.

Die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) sagte der "Süddeutschen Zeitung", für sie stehe "der Schutz der Bevölkerung an erster Stelle". Denkbare Lockerungen müssten "mit einer großen Hygiene-Offensive" einhergehen. Brandenburgs Ministerpräsident Woidke sagte der Zeitung, erst wenn sich die Situation "deutlich und nachhaltig verbessert, werden wir die Schublade mit den sukzessiven Ausstiegsplänen ziehen".

Altmaier: "Silberstreif am Horizont"

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat vor voreiligen Schritten bei der Aufhebung der Beschränkungen in der Corona-Krise gewarnt. "Wir sehen einen ersten Silberstreif am Horizont, denn die Zahl der Neuinfektionen nimmt nicht mehr so stark zu", sagte der CDU-Politiker der "Augsburger Allgemeinen". Dies sei der großen Disziplin der Bürger zu verdanken. "Wenn wir aber die Beschränkungen zu früh lockern oder aufheben, waren all diese Opfer möglicherweise umsonst."

Die Grünen kritisierten die Kommunikation der Bundesregierung zum Thema Lockerungen. "Einerseits sagt sie, sie wolle darüber eigentlich nicht reden, und dann macht sie doch immer wieder Andeutungen", sagte Fraktionschef Anton Hofreiter "t-online.de". "Das sorgt für Verunsicherung."

Exit-Entscheidungen am Mittwoch erwartet

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder wollen am Mittwoch über die nächste Phase des Kampfs gegen das neuartige Coronavirus beraten. Dann soll es auch um die Frage gehen, wie es mit den bislang bis zum 19. April befristeten Kontaktbeschränkungen und weiteren Maßnahmen wie Schulschließungen weitergeht.

Der Präsident des Deutschen Städtetags, der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung, warb für eine stufenweise Rückkehr zur Normalität. Unter Umständen könne die regional angepasst werden, Basis müsse aber ein bundesweites Konzept sein.

Darstellung: