Die Tür zu einer Hamburger Bar ist mit einem Vorhängeschloss gesichert worden. | Bildquelle: dpa

Debatte über längeren Lockdown Bleibt alles zu?

Stand: 02.01.2021 13:15 Uhr

Seit Mitte Dezember sind Läden und Schulen geschlossen, Kontakte reduziert - aber die Infektionszahlen bleiben hoch. Immer mehr Politiker und Mediziner fordern deswegen eine Verlängerung des Lockdowns.

Trotz aller Einschränkungen und Schutzmaßnahmen ist es bisher nicht gelungen, die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland drastisch zu senken. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit bundesweit im Schnitt über 140. Ziel ist ein Wert von 50 - erst dann sind nach Ansicht von Politikern und Wissenschaftlern Lockerungen sinnvoll. All das deutet darauf hin, dass der seit Mitte Dezember bestehende Lockdown über den 10. Januar hinweg verlängert wird. Bis zu diesem Datum gelten die bisher beschlossenen Maßnahmen.

Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder wollen am kommenden Dienstag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel darüber beraten wie es weitergeht. Und derzeit mehren sich die Stimmen, die eine Verlängerung des Lockdowns befürworten. Für heute meldete das Robert Koch-Institut 12.690 Neuinfektionen und 336 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Allerdings werden wegen der Feiertage weniger Menschen getestet und möglicherweise übermitteln nicht alle Ämter ihre Daten so regelmäßig wie sonst.

Reimann schließt auch schärfere Maßnahmen nicht aus

Die niedersächsische Gesundheitsministerin Carola Reimann sagte im Deutschlandfunk, die aktuellen Infektionsdaten seien zwar nicht belastbar, aber die Zahl der Patienten, die in den Krankenhäusern behandelt werden müssten, sprächen eine sehr deutliche Sprache. Sie rechne deswegen mit einer Verlängerung des Lockdowns. "So wie es aussieht, ist kein anderes Vorgehen angezeigt", sagte die SPD-Politikerin. Auch eine weitere Verschärfung der Maßnahmen schloss sie nicht aus. Es sei zu befürchten, dass es nach den Feiertagen noch einmal einen massiven Anstieg der Infektionszahlen gebe.

Lauterbach kann sich Öffnung von Schulen vorstellen

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist ebenfalls ein Befürworter strikter Maßnahmen. Allerdings kann er sich zumindest eine Öffnung von Kitas und Schulen ab Mitte Januar vorstellen. Lauterbach sagte der "Rheinischen Post", es könne epidemologisch vertretbar sein, Kitas und Schulen in der zweiten Januarhälfte zu öffnen. Voraussetzung wäre, dass alle anderen Klassenstufen geteilt würden und wechselnd Präsenz - und Digitalunterricht erhalten oder der Präsenzunterricht ganz ausgesetzt werde. Die Öffnung aller Schulen lehnt er allerdings ab, sonst laufe man Gefahr, das der gewünschte Inzidenzwert von 50 gar nicht erst erreicht werde.

Appell von Lehrer- und Ärzteverband

Der Deutsche Lehrerverband und die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin riefen gemeinsam dazu auf, längere Schulschließungen zu vermeiden und Schulen zugleich besser zu schützen. Die Politik solle alles dafür tun, "damit Unterricht im neuen Jahr wieder unter verantwortbaren Bedingungen stattfinden kann, obwohl die SARS-CoV-2 Pandemie zunächst fortbestehen wird", heißt es in der in Berlin veröffentlichten Erklärung. Den Vorschlag, die Weihnachtsferien bis Ende Januar zu verlängern und dafür die Sommerferien zu verkürzen, lehnen beide Dachverbände ab. Präsenzunterricht sei sowohl zur Erfüllung des Bildungsauftrages als auch unter psychosozialen Gesichtspunkten das Beste für Kinder und Jugendliche.

Divi-Präsident rät zu Inzidenzwert unter 25 für Lockerungen

Für Mediziner ist die Sache klar: Lockerungen kommen derzeit noch nicht in Frage. Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Uwe Janssens, hält die Zielmarke sogar für zu lasch. "Wir Intensivmediziner raten dringend dazu, bis zu einem Inzidenzwert von unter 25 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner und Woche keine Lockerungen in Aussicht zu stellen", sagte er der "Rheinischen Post". "Wir werden erst Ende kommender Woche in den Krankenhäusern sehen, wie stark Weihnachten zur Verbreitung von Covid-19 beigetragen hat. Die Effekte von Silvester dann noch deutlich später." Mit einer Entspannung auf den Intensivstationen rechnet er erst im Sommer.

"Gesundheitssystem braucht dringend Entlastung"

Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, wünscht sich "eine möglichst einheitliche Verlängerung der Kontaktbeschränkungen". Den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagte sie: "Das Gesundheitssystem braucht dringend eine Entlastung, die nur durch eine Verlängerung der Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung zu erreichen ist." Johna dämpfte die Erwartungen, dass durch den Beginn der Impfungen mit einer raschen Entspannung zu rechnen sei. "Bei allem Optimismus muss uns klar sein, dass durch die Impfung zumindest in den ersten drei Monaten des neuen Jahres kaum Entlastung für das Infektionsgeschehen zu erwarten ist."

Ärztevertreter und Politiker fordern längeren Lockdown
Claudia Plaß, ARD Berlin
02.01.2021 16:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. Januar 2021 um 09:00 Uhr.

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