Menschen warten im Malteser-Impfzentrum unter dem Messeturm in Berlin auf ihre Impfung. | dpa

Schärfere Corona-Maßnahmen Leopoldina für Impfpflicht in bestimmten Berufen

Stand: 10.11.2021 10:11 Uhr

Im Kampf gegen Corona hat die Leopoldina die Ausweitung der 2G-Regelung und eine Impfpflicht in bestimmten Berufen gefordert. Auch eine "angemessene Regelung zur Offenlegung des Impfstatus" gehört zu den Forderungen.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat die Ausweitung von 2G-Regeln und Impfpflichten für bestimmte Berufsgruppen gefordert. Angesichts der steigenden Infektionszahlen seien jetzt "Impfpflichten für Multiplikatoren" notwendig, sagte Leopoldina-Präsident Gerald Haug dem "Spiegel". Dazu zählten nicht nur Pflegerinnen und Pfleger, sondern auch Lehrpersonal und weitere Berufsgruppen mit viel Kontakt zu anderen Menschen.

Die Corona-Pandemie habe "mit der vierten Welle wieder stark an Dynamik gewonnen", begründete die Akademie ihre Forderung. Die 2G-Regel, wonach nur geimpfte oder genesene Menschen Zutritt zu Veranstaltungen bekommen, solle daher "eine größere Geltungsreichweite" erhalten, forderten Haug und die Leopoldina-Forscherinnen und -forscher weiter.

In der Arbeitsschutzverordnung solle zudem "eine angemessene Regelung zur Offenlegung des Impfstatus" von Beschäftigten festgeschrieben werden. Bislang dürfen Arbeitgeber den Impfstatus ihrer Beschäftigten aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erfragen.

DIVI-Leiter fordert 2G und 3G am Arbeitsplatz

Damit gehen die Forderungen der Leopoldina deutlich über die Pläne der Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP hinaus, über die am Donnerstag im Bundestag beraten werden soll. Darin ist eine Impfpflicht für bestimmte Gruppen nicht vorgesehen und auch die Ausweitung von 2G-Regeln soll weitgehend den Ländern überlassen werden.

Auch der wissenschaftliche Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Christian Karagiannidis fordert eine flächendeckende Regelung. "Was wir brauchen, ist 2G und auch 3G am Arbeitsplatz", sagte Karagiannidis im tagesthemen-Interview. Man habe in Europa gesehen, dass dies einen Effekt auf die Erst-Impfquote habe.

Als weitere Maßnahme nannte der Mediziner Auffrischungsimpfungen. Man sehe zunehmend Hochaltrige mit Imfdurchbrüchen. Deswegen müsse man mit großer Geschwindigkeit alte Menschen ein drittes Mal impfen, dann auch junge Menschen.

Marburger Bund warnt vor "nächstem Fehler"

Ähnlich sieht es auch der Marburger Bund. "Sollten wir keine bundesweite 2G-Regel einführen, wäre das der nächste Fehler in der Pandemiebekämpfung", mahnte der größte deutsche Ärzteverband laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Zu einer ähnlichen Einschätzung der Pandemielage kommt auch der Leiter der Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten, der auch neue Kontaktbeschränkungen für denkbar hält. "Wir haben jetzt im Moment eine echte Notfallsituation", sagte er angesichts der Lage auf den Intensivstationen  im NDR-Podcast Coronavirus-Update.

"Wir müssen jetzt sofort etwas machen." Dabei müsse man auch Maßnahmen diskutieren, "die wir eigentlich hofften, hinter uns zu haben", so Drosten. "Wir müssen also jetzt die Infektionstätigkeit durch Kontaktmaßnahmen wahrscheinlich wieder kontrollieren - nicht wahrscheinlich, sondern sicher." Er schränkte allerdings auch ein, dass es juristisch schwer sein könnte, breite allgemeine Kontaktmaßnahmen durchzusetzen.

Lauterbach: "Lockdown oder 2G-Regel"

Unterstützung für eine bundesweite Regelung kommt auch aus Teilen der Politik: "Wir brauchen entweder einen Lockdown oder eine 2G-Regel, und einen Lockdown wird es nicht mehr geben", sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Eine deutschlandweite Einführung der 2G-Regel sei im Bund jedoch ohne die Länder nicht durchzusetzen. "Ich rate daher jeder Landesregierung zur Einführung von 2G." Er wünsche sie "in allen Bereichen außer in der Grundversorgung".

Neben NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sprach sich auch Linksfraktionschef Dietmar Bartsch für eine bundesweite 2G-Regelung aus. "Es geht um eine Güterabwägung und um die Frage, was ist der größere Grundrechtseingriff: Ein erneuter Lockdown mit katastrophalen Folgen, insbesondere für Kinder und Familien, oder ein bundesweit geltendes 2G-Modell", sagte Bartsch.

Damit striktere Pandemie-Maßnahmen auch eine Wirkung entfalten könnten, forderte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil schärfere Kontrollen, insbesondere in der Gastronomie. "Es muss klar sein: Wer sich an das Kontrollieren der 3G- oder 2G-Nachweise als Betreiber nicht hält, der muss die Konsequenzen spüren", sagte er der "Rheinischen Post".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. November 2021 um 10:00 Uhr.