Ein Intensivpfleger arbeitet auf einer Intensivstation des RKH Klinikum Ludwigsburg an einem Covid-19-Patient (Archivbild). | dpa

Coronavirus-Pandemie Lebenserwartung in Deutschland gesunken

Stand: 12.10.2021 15:06 Uhr

Die Lebenserwartung in Deutschland ist durch Covid-19 leicht gesunken. Laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung ist der Rückgang im internationalen Vergleich aber "relativ gering".

Zum ersten Mal seit Jahren ist die Lebenserwartung in Deutschland durch Covid-19 leicht gesunken. Zwischen 2019 und 2020 sank der Wert bei Frauen um 0,1 Jahre, bei Männern um 0,3 Jahre. Das teilte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) mit. Vor der Pandemie nahm die Lebenserwartung durchschnittlich jedes Jahr um 0,1 Jahr zu. 

"Die Lebenserwartung wird selbstverständlich nicht nur durch Covid-19 beeinflusst", erklärte Pavel Grigoriev vom BiB. Allerdings habe die Krankheit in vielen Ländern laut detaillierten Sterbestatistiken einen erheblichen Einfluss auf die Lebenserwartung gehabt. 

USA: "Sehr außergewöhnliche Werte"

Im internationalen Vergleich ging der Wert in Deutschland nur gering zurück. Deutlich stärker sank die Lebenserwartung beispielsweise in den USA, wo Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus unter der Trump-Regierung nur sehr zögerlich ergriffen wurden. Dort reduzierte sie sich laut Institut bei Männern um 2,2 Jahre und bei Frauen um 1,7 Jahre. Dies seien "sehr außergewöhnliche Werte" für ein hoch entwickeltes Land, erklärte Grigoriev. "Sie verdeutlichen die Gefahr, welche vom Coronavirus ausgehen kann, wenn wenig Eindämmungsmaßnahmen ergriffen werden."

In Polen, Spanien und Italien sank sie 2020 bei Männern und Frauen um jeweils mehr als ein Jahr. Noch günstiger als in Deutschland habe sich in Europa die Lebenserwartung nur in Teilen Nordeuropas entwickelt, wie zum Beispiel in Norwegen. Lediglich Schweden habe größere Rückgänge bei der Lebenserwartung verzeichnet - also jenes Land, das auch geringere Eindämmungsmaßnahmen ergiffen habe.

Unterschiede auch zwischen den Bundesländern

Unterschiede gibt es laut BiB auch zwischen den Bundesländern. Ähnlich wie im benachbarten Dänemark stieg die Lebenserwartung in Schleswig-Holstein. Auch Mecklenburg-Vorpommern verzeichnete einen überdurchschnittlichen Wert. Sachsen hingegen, das von der Pandemie besonders betroffen war, erlebte bei Männern eine gesunkene Lebenserwartung von 0,7 Jahren. Bei Frauen ging der Wert um 0,5 Jahre zurück. Im Westen der Republik sank die Lebenserwartung in Bayern am stärksten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 27. September 2021 um 16:30 Uhr.