Gesundheitsminister Karl Lauterbach spricht im Bundestag in Berlin. | REUTERS

Lauterbach zu Corona "Lockdowns sind nicht mehr vertretbar"

Stand: 10.09.2022 09:47 Uhr

Gesundheitsminister Lauterbach rechnet derzeit mit einer mittelschweren Corona-Welle im Herbst. Hohe Inzidenzwerte noch vor Dezember prognostiziert Virologe Drosten - und warnt vor neuen Virusvarianten.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat sich nach der vom Bundestag kürzlich verabschiedeten Neufassung des Infektionsschutzgesetzes von 1. Oktober an zur Corona-Lage im Land geäußert. Der "Rheinischen Post" sagte er, er rechne mit einer "mittelschweren Herbstwelle" und sehe derzeit keine Lockdowns auf Deutschland zukommen. "Lockdowns sind nicht mehr vertretbar. Es sei denn, wir kämen zurück in die pandemische Lage. Die Gefahr sehe ich aber nicht", sagte der SPD-Politiker.

Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Regierung auf alle Szenarien sehr gut vorbereitet sei. "Wir werden die Corona-Welle in diesem Jahr im Griff behalten", sagte Lauterbach.

Das Infektionsschutzgesetz sehe unter anderem das Tragen von FFP2-Masken in Bussen und Bahnen, im Fernverkehr, in Kliniken und Pflegeeinrichtungen sowie den Arztpraxen vor. Er habe auch nicht mehr Maßnahmen gewollt. "Denn mehr hätten wir bei der Bevölkerung auch nicht durchsetzen können", so der Gesundheitsminister. Auch Schließungen von Schulen oder des Gastgewerbes brauche es nicht mehr und habe er für diesen Herbst auch niemals gefordert.

Virologe Drosten warnt vor neuen Virusvarianten

Der Direktor der Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten, hingegen rechnet mit einer starken Corona-Welle noch vor Dezember. Auch wenn die Verläufe leichter wären, werde dies wahrscheinlich zu erheblichen Arbeitsausfällen führen, warnte er in der "Süddeutschen Zeitung".

Neue Varianten des Coronavirus machten wieder stärker krank, so dass viele Menschen ganz unabhängig von Isolationsverordnungen gar nicht zur Arbeit gehen könnten. Die Infizierten müssten "vielleicht nicht ins Krankenhaus, aber sehr viele sind eine Woche krank", führte Drosten aus. "Wenn es zu viele auf einmal sind, wird es zum Problem."

Bessere Vorkehrungen gefordert

Der Corona-Experte forderte daher bessere Vorkehrungen der Politik. "Bevor so viele krank werden, dass man nichts mehr einkaufen kann, dass die Krankenhäuser nicht mehr funktionieren oder kein Polizeibeamter auf der Wache sitzt, muss man Maßnahmen ergreifen", sagte Drosten. Dazu gehöre eine erneute Maskenpflicht in Innenräumen.

Außerdem müsse die Politik für die Sammlung von Daten sorgen, auf deren Grundlage schnell Maßnahmen zur Eindämmung von Corona-Wellen beschlossen werden könnten, forderte Drosten. Dazu müsse sie schon jetzt Kriterien festlegen, "bei welchen Signalen man wie handeln will". Schließlich seien im Notfall sofortige und einschneidende Entscheidungen nötig.

Auch der Wirtschaft riet Drosten in der "SZ", sich mit Stellvertreterregelungen und Team-Bildung auf eine Krankheitswelle vorzubereiten.

Lauterbach verweist auf mögliche Maßnahmen der Länder

Lauterbach wies auf Twitter auf Drostens Interview hin und sieht die Politik mithilfe von angepassten Impfstoffen auf die Omikron-Variante, dem Mittel Paxlovid sowie guten digitalen Pandemiedaten hingegen gut vorbereitet auf mögliche weitere Infektionswellen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. September 2022 um 07:00 Uhr.