Lothar Wieler und Jens Spahn | REUTERS

Spahn und RKI zur Corona-Lage "Deutschland ist ein einziger großer Ausbruch"

Stand: 19.11.2021 11:33 Uhr

Gesundheitsminister Spahn und RKI-Chef Wieler haben vor einer Verschärfung der Corona-Lage gewarnt. Allein mit 2G könne die vierte Welle nicht gebremst werden. Wieler warb dafür, Kontakte zu reduzieren und Großveranstaltungen abzusagen.

Die Corona-Lage in Deutschland hat sich aus Sicht von Jens Spahn (CDU) weiter verschlechtert. "Die Dynamik ist ungebrochen", sagte der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler in Berlin. Die Sieben-Tage-Inzidenz habe sich innerhalb von vier Wochen verfünffacht. Er verwies auf die angespannte Lage in den Krankenhäusern: "Wir sind in einer nationalen Notlage, die eine nationale Kraftanstrengung braucht." Spahn warnte: "Es ist zehn nach Zwölf."

"Wir brauchen nun gemeinsames entschlossenes Handeln, um die Dynamik zu brechen", sagte er. Die Werkzeuge dazu seien da: Impfen, Testen, AHA-Regeln - "und vor allem auch Kontaktreduzierung". Doch räumte der Minister ein, allein werde das nicht reichen. "Mit Impfen und Boostern werden wir das kurzfristige Brechen der Welle nicht mehr erreichen."

"Regeln konsequent einhalten und kontrollieren"

Spahn verwies auf die von Bund und Ländern gestern vereinbarten einheitlichen Schwellenwerte bei der Klinikbelastung, ab denen in den Ländern schärfere Corona-Maßnahmen greifen müssen. Die vorgesehenen Schritte mit flächendeckenden Zugangsregeln nur für Geimpfte und Genesene (2G) müssten konsequent umgesetzt und konsequent kontrolliert werden. Es gehe um einen "Lockdown für Ungeimpfte" und deutliche Kontaktbeschränkungen.

Der Minister verwies auch auf die Notwendigkeit, Intensivpatienten in andere Kliniken zu verlegen. Hier komme man in die Situation, nicht nur innerhalb der dafür vorgesehenen fünf Regionen in Deutschland sondern erstmals in größerem Umfang auch überregional Patienten in andere Klinken verlegen zu müssen - und möglicherweise auch ins benachbarte Ausland.

Wieler: 2G-Regel nicht ausreichend

Auch RKI-Chef Wieler betonte den Ernst der Lage. Er verwies darauf, dass in mehr als einem Viertel der Landkreise die Sieben-Tage-Inzidenz über 500 liege, viele Krankenhäuser seien am Anschlag. "Es geht hier schon lange nicht mehr um einzelne regionale Ausbruchsgeschehen - ganz Deutschland ist ein einziger großer Ausbruch, das ist eine nationale Notlage", warnte er.

Die von der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossene flächendeckende 2G-Regel hält Wieler für nicht mehr ausreichend. Die 2G-Regel sei sinnvoll, "in der aktuellen Situation reicht das nicht mehr", sagte er. Der RKI-Chef bekräftigte seine Forderung, Großveranstaltungen abzusagen, Hotspots wie schlecht belüftete Clubs und Bars zu schließen und private Kontakte zu reduzieren.

"Wenn möglich zu Hause bleiben"

Darüber hinaus seien weitergehende Maßnahmen nötig, sagte Wieler. Die Menschen sollten auch "wenn möglich zu Hause bleiben" und keine Treffen mit vielen Menschen mehr machen. "Wir müssen jetzt die Notbremse ziehen", sagte Wieler. Es müssten jetzt Kinder und ältere Menschen geschützt werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. November 2021 um 10:00 Uhr.