Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung | Bildquelle: picture alliance / Sina Schuldt/

Angst vor Coronavirus Kritik am Ende telefonischer Krankschreibung

Stand: 18.04.2020 17:03 Uhr

Das Ende der Sonderregelung für die telefonische Krankschreibung stößt parteiübergreifend und auch bei Ärzten auf Kritik: Ärzte und Patienten würden dadurch einem höheren Coronavirus-Risiko ausgesetzt.

Ab Montag müssen Arbeitnehmer mit leichten Atemwegsbeschwerden für eine Krankschreibung wieder persönlich zum Arzt. Bei Politikern und auch bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung stößt diese Entscheidung auf Kritik.

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml warnte vor einer Gefährdung für Ärzte, Praxispersonal und Patienten. "Dieser Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses ist mit Blick auf die Gefahren durch die Corona-Pandemie verfrüht. Denn zum jetzigen Zeitpunkt ist es wichtig, Infektionsrisiken konsequent zu vermeiden", erklärte Huml. Sie fordert eine Verlängerung der Ausnahmeregelung, dass Krankschreibungen bei leichten Atemwegsbeschwerden auch nach telefonischer Rücksprache mit dem Arzt möglich sind.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sprach von Unsinn und einem "klaren Fehler". Auch seien die Arztpraxen nicht auf den nun ab Montag zu erwartenden Andrang vorbereitet, sagte Lauterbach dem Berliner "Tagesspiegel". Und Maria Klein-Schmeink, die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, forderte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf, den Beschluss "noch vor Montag außer Kraft zu setzen".

Gab es Druck der Arbeitgeber?

Auch der Vize-Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Stephan Hofmeister, stellte klar, dass die Ärzteschaft ein anderes Votum gewünscht habe: "Wir hatten uns im Gemeinsamen Bundesausschuss für eine Verlängerung bis 3. Mai eingesetzt." Er äußerte "Erstaunen und Unverständnis" über die Entscheidung. Offenbar habe "der große Druck der Arbeitgeberseite eine entscheidende Rolle gespielt" mit dem Ziel, die Zahl der Krankschreibungen zu verringern.

Sonderregelung läuft aus

Die Möglichkeit, bei leichten Atemwegsbeschwerden eine Krankenschreibung ohne persönliche Vorsprache in einer Arztpraxis zu erhalten, war als Ausnahmeregelung wegen der Corona-Pandemie eingeführt worden. Damit sollten zum einen Arztpraxen entlastet, vor allem aber Infektionsrisiken durch Arztbesuche möglicher Corona-Infizierter vermieden werden. Die Regelung läuft am Sonntag aus, nachdem sich der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) mehrheitlich gegen eine Verlängerung ausgesprochen hatte.

Der G-BA ist das zentrale Beschlussgremium in der Selbstverwaltung des deutschen Gesundheitswesens. Hier arbeiten die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen zusammen. Das Gremium setzt sich aus drei unparteiischen Mitgliedern, fünf Vertretern der gesetzlichen Krankenkassen und insgesamt fünf Ärzte- und Klinikvertretern zusammen.

Kritik an Rücknahme telefonischer Krankschreibungen
Uwe Lueb, ARD Berlin
18.04.2020 17:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. April 2020 um 16:00 Uhr.

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