Ein Pfleger zieht beim Verlassen der Intensivstation für Corona-Patienten am Sana Klinikum Offenbach seinen Schutzkittel aus.  | dpa

Steigende Corona-Infektionszahlen Kliniken warnen erneut vor Überlastung

Stand: 12.10.2022 06:58 Uhr

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat vor einer Überlastung der Kliniken aufgrund der steigenden Zahl von Corona-Neuinfektionen gewarnt. Hinzu kämen Personalausfälle. Die Zahl der Intensivpatienten nimmt bundesweit wieder zu.

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) vor einer Überlastung der Kliniken gewarnt. "Wir haben erhebliche Zuwächse bei den Covid-positiven Patienten. Im Vergleich zur Vorwoche ist die Belegung um 50 Prozent gestiegen", sagte der Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Mit rund 19.000 positiv getesteten Patienten liegen wir aktuell so hoch wie zu Spitzenzeiten der Sommerwelle." Der DKG-Chef warnte: "Wir laufen flächendeckend und nicht nur in Süddeutschland auf extrem schwierige Wochen zu."

Personalausfälle und verstärkter Infektionsschutz

Zusätzliche Probleme bereiteten den Krankenhäusern die hohen Personalausfälle, die durch Corona und andere Atemwegserkrankungen verursacht würden. Auch bedeute die Zunahme der Covid-Patienten einen größeren Aufwand beim Infektionsschutz - "und somit Mehrarbeit, also wieder eine höhere Belastung für das Personal".

Gaß sprach von einem "verheerenden Dreiklang" aus Personalausfällen, wirtschaftlichem Druck durch die Inflation und Bürokratie. "Alles zusammen wird dazu führen, dass Krankenhäuser Leistungen verschieben und Abteilung zeitweise abmelden müssen."

Er rechne nicht damit, dass sich die Personalsituation durch den angepassten Corona-Impfstoff entspannt, da dieser "vor allem vor schweren Verläufen, nicht aber vor einer Infektion" schützt und somit Personalausfälle nicht verhindere. 

Zahl der Intensivpatienten nimmt zu

Die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland steigt wieder an. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Neuinfektionen lag laut Robert Koch-Institut (RKI) am Morgen bei 799,9. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.00 Uhr wiedergeben. Am Vortag hatte der Wert der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 787,5 gelegen (Vorwoche: 414,0; Vormonat: 216,0). Auch die Zahl der Intensivpatienten nimmt bundesweit wieder zu.

Allerdings liefern diese Angaben nur ein sehr unvollständiges Bild der Infektionszahlen. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt 136.748 Corona-Neuinfektionen (Vorwoche: 133.532) und 199 Todesfälle (Vorwoche: 128) innerhalb eines Tages. Vergleiche der Daten sind auch hier wegen des Testverhaltens, Nachmeldungen oder Übermittlungsproblemen nur eingeschränkt möglich.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 34.257.916 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.