Das Logo von "Klima vor acht"

Offener Brief an die ARD Initiative fordert Format für das Klima

Stand: 23.03.2021 17:17 Uhr

Die Initiative "KLIMA vor acht" warnt: Der Klimawandel kommt gegenüber der Berichterstattung über die Corona-Pandemie deutlich zu kurz. Darum fordert sie in einem offenen Brief, für das Thema Platz zur besten Sendezeit zu schaffen.

Seit mehr als einem Jahr beherrscht die Corona-Pandemie als zentrales Thema die Medienwelt. Dabei gerät aus Sicht der Initiative "KLIMA vor acht" eine andere Krise zu stark in den Hintergrund: der Klimawandel und die Folgen für die Umwelt.

In einem offenen Brief an die ARD fordern die Mitglieder und Unterstützer der Initiative darum, das Thema Klima in der Berichterstattung mehr in den Fokus zu rücken - und zwar mithilfe eines eigenen Formats zu prominenter Sendezeit.

"Existenzielle Krise" unzureichend abgebildet

Seit einem Jahr fänden Neuigkeiten zur Entwicklung der Pandemie "täglich Platz zur besten Sendezeit", heißt es in dem Brief. "Die ARD handelte hier schnell, angemessen und vorbildlich, denn Covid-19 wurde von Beginn an als Krise begriffen."

Ganz anders, so die Kritik, stelle sich der Umgang mit der Klimakrise als "existenzieller Krise für die menschliche Zivilisation" dar: "Während wir die Auswirkungen der Erderhitzung immer deutlicher auch in Deutschland spüren, finden Berichterstattung, Einordnung und Aufklärung zu diesem Thema in den Fernsehprogrammen nur unzureichend statt."

Zwar strahle die ARD durchaus gute Beiträge rund um das Thema Klimawandel aus, schreibt die Initiative weiter. Doch diese liefen zu oft zu später Sendezeit und erreichten somit verhältnismäßig wenige Zuschauer und Zuschauerinnen.

Vor der tagesschau ein Blick auf das Klima

Um ihre Kritik zu untermauern, führen die Verfasser des Briefes Zahlen an: So hätte "KLIMA vor acht" im vergangenen Jahr in der ARD 128 Sendungen gezählt, die im Titel oder in der Beschreibung das Schlagwort "Klima" enthielten. Wiederholungen der Sendungen wurden nicht mitgezählt. Bei dem Schlagwort "Wirtschaft" kommt die Initiative auf 365 Sendung, ohne die "Börse vor acht".

Die Idee der Initiative: Ein tägliches Kurzformat ähnlich der "Börse vor acht", das sich rund um neue Erkenntnisse, wissenschaftliche Fakten und aktuelle Entwicklungen in Sachen Klima dreht. Mittlerweile haben den offenen Brief mehr als 4200 Menschen unterzeichnet, darunter Mitglieder von Universitäten, Forschungsinstituten, aber auch aus der Kultur- und Medienwelt. Zu den Erstunterzeichnern des Briefes gehören unter anderem der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber, der Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker und der ARD-Meteorologe Karsten Schwanke.

Initiative Mitte 2020 gegründet

Neu ist das Ziel der Initiative nicht. Gegründet hatte sie sich Mitte 2020 und schon damals in einer Petition mehr Klima-Berichterstattung gefordert. Finanziert wurde die Initiative anfangs durch Crowdfunding. Mit den Spenden will die Initiative auch die ersten sechs Folgen des vorgeschlagenen Formats produzieren.

Mit der Kritik steht "KLIMA vor acht" nicht allein da. Schon im vergangenen Mai hatte Hektor Haarkötter, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Hochschule in Bonn, im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk gewarnt, dass einige Themen in den Medien durch die Corona-Krise zu kurz kommen. "Da fällt vieles hintenüber, was eigentlich noch auf die Agenda gehört", so Haarkötter. So sei die Berichterstattung über das Klima beispielsweise auch in überregionalen Zeitungen "nach hinten gerutscht".

"Viertelstunde vor acht" - schon jetzt auch fürs Klima

Die ARD hatte bereits im vergangenen September zu der Forderung von "KLIMA vor acht" Stellung bezogen. Gegenüber dem Deutschlandfunk verwies Christoph Schmidt, geschäftsführender Redakteur bei der ARD, auf die Formate der "Viertelstunde vor acht" - also neben der "Börse vor acht" noch "Wissen vor acht" und "Wetter vor acht". In diesen Beiträgen sei "der Klimaschutz elementarer Bestandteil".

Zudem sagt Schmidt zum Vorhaben der Initiative: "Auch wenn Klimaschutz vielleicht ein hehres und richtiges Ziel ist: Es ist trotzdem erstmal eine parteiische Interessengruppe, und wenn jede Interessengruppe sagt: 'Ich mache mal meinen Piloten und mache meinen Beitrag so, wie ich ihn mache', und wir räumen dann Sendeplätze dafür frei, damit habe ich als unabhängiger Journalist ein großes Problem."

Über dieses Thema berichtete der Deutschlandfunk am 09. September 2020.