Fotos von Gläubigen auf Kirchenbänken | Bildquelle: dpa

Kirche und Corona Gottesdienste wieder ab Mai?

Stand: 17.04.2020 18:36 Uhr

In der Corona-Krise sind Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen und Synagogen verboten. Nach Beratungen im Bundesinnenministerium haben Religionsvertreter jedoch die Hoffnung, dass sich das ändern könnte.

Von Janina Lückoff, ARD-Hauptstadtstudio

Pfarrer Norbert Roth von der evangelischen Bischofskirche Sankt Matthäus in München hat sich noch nicht so richtig daran gewöhnt: dass seine Kirche während des Gottesdienstes leer ist und er - statt in die Gesichter der Gläubigen - in eine Kameralinse schaut. Er überträgt seine Gottesdienste ins Internet.

"Das ist komisch", sagt er. Natürlich sei man es durch die Arbeit mit den Handys und das Fotografieren gewohnt: "Aber es ist etwas anderes, als wenn ich während des Betens, während des Predigens, während des Lesens in eine kleine schwarze Luke gucke, als wenn ich in lebendige Augen schaue, die mich angucken und auch Antwort geben". Die Linse, sagt Roth, gebe keine Antwort.

Konkreter Zeitpunkt noch unklar

Wann Roth seinen Gottesdienst wieder ganz analog abhalten kann, das ist auch nach dem "Gedankenaustausch" im Bundesinnenministerium noch nicht klar. Vertreter der evangelischen, katholischen und orthodoxen Kirchen sowie der Zentralrat der Juden und der Koordinationsrat der Muslime waren geladen; die Beteiligten sprachen hinterher von einem "guten und konstruktiven Gespräch".

Prälat Karl Jüsten von der Deutschen Bischofskonferenz ist optimistisch: Er sei guten Mutes, dass die Kirchen bald wieder mit Gottesdiensten beginnen könnten, sagt er: "Wir gehen davon aus, dass am 30.04. das Corona-Kabinett einen Beschluss fassen kann, dass Gottesdienste wieder möglich sind."

Ein Zeitraum, den sich offenbar auch das Bundesinnenministerium vorstellen kann. Sprecher Björn Grünewälder spricht von einem "offenen Austausch", der nun fortgesetzt werde: Ziel sei, ein Konzept zu erarbeiten, wie man schrittweise das religiöse Leben wieder aufleben lassen könne. Einen konkreten Zeitpunkt könne man noch nicht nennen, sagt Grünewälder. Aber es sei ja bekannt, dass sich die Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs der Länder am 30. April wieder treffen werde. Und, so der Ministeriumssprecher, "Sie können davon ausgehen, dass das Thema dort auch wieder aufgerufen wird."

Religionsvertreter begrüßen Aussicht auf Lockerungen
tagesschau 20:00 Uhr, 17.04.2020, Martin Schmidt, ARD Berlin

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Dank vom Staatssekretär

Für das Bundesinnenministerium hat Staatssekretär Markus Kerber an den Gesprächen teilgenommen. Er zollt den Religionsgemeinschaften und Gläubigen Respekt: Er sei dankbar dafür, wie verständnisvoll die Kirchen, die Vertreter der jüdischen Gemeinschaft und Repräsentanten der Muslime auf die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus reagiert hätten.

Verfassungsrechtliche Bedenken werden erhört

Dass bei den Überlegungen zu einer baldigen Öffnung der Gottesdienste auch verfassungsrechtliche Bedenken eine Rolle spielen, darauf weist der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hin. Ein Eingriff in die Religionsfreiheit müsse schwerwiegende Gründe haben, sagt er, betont aber "dass man seitens des Staates auch bemüht ist, diesen Eingriff in das Grundrecht der Religionsfreiheit auch zeitlich so kurz wie möglich, aber auch so kurz wie notwendig zu halten."

Das sieht auch Martin Dutzmann vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland so: "Wir hatten den Eindruck, dass die religionsverfassungsrechtliche Lage unseren Gesprächspartnern sehr deutlich bewusst ist."

Schutzkonzepte: Abstand halten - und Mundschutz?

Bis Mitte kommender Woche wollen die Religionsgemeinschaften nun Schutzkonzepte vorlegen - sie dienen als Grundlage für die Entscheidung von Bund und Ländern. Prälat Martin Dutzmann von der EKD schildert, wie die aussehen könnten: "Klar ist, dass die allgemein geltenden Sicherheitsabstände eingehalten werden müssen, klar ist, dass es die Beachtung der normalen Hygienevorschriften braucht." Und man müsse sicherlich darüber reden, ob ein Mundschutz zu tragen sei.

Ramadan mit geschlossenen Moscheen

All das ist, wenn es denn Ende April beschlossen werden sollte, für den muslimischen Fastenmonat Ramadan zu spät: Der beginnt kommende Woche. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hat Verständnis für die Maßnahmen. Das Ansteckungsrisiko im Gottesdienst sei zu hoch: "So schmerzhaft das ist für uns, insbesondere vor dem Beginn des Ramadans, wo die Moscheen voll sind, müssen wir weiter die Moscheen zuhalten", sagt Mazyek und fügt hinzu: "Unsere christlichen Freunde, unsere jüdischen Freunde - Pessach-Fest, Ostern - haben das ebenso erlebt. Wir werden jetzt unseren Dienst an der Gesellschaft damit leisten."

Nicht nur die muslimischen, die jüdischen, die katholischen, evangelischen und orthodoxen Gläubigen werden froh sein, wenn die Gottesdienste wieder stattfinden können. Auch Pfarrer Norbert Roth aus München kann kaum erwarten, dass er nicht mehr nur digital den Gottesdienst feiern muss: "Ich freu mich drauf, wenn's wieder losgeht."

Nach Beratungen mit Religionsvertretern: Gottesdienste wieder ab Mai?
Janina Lückoff, ARD Berlin
17.04.2020 18:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. April 2020 um 20:00 Uhr.

Korrespondentin

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Janina Lückoff, BR

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