Eine Lehrerin mit Mund-Nasen-Schutz sitzt neben Schulkindern am Schreibtisch. | dpa

Coronavirus im Herbst Augenmerk auf die Kinder

Stand: 22.05.2022 07:42 Uhr

Kinder und Jugendliche haben in der Corona-Pandemie einen besonders großen Solidarbeitrag geleistet, sagt Ärztepräsident Reinhardt. Deshalb sei es wichtig, bei der Planung für den Herbst auf offene Schulen und Kitas zu achten.

Bund und Länder sollen die Corona-Strategie für den Herbst rechtzeitig planen, fordert Ärztepräsident Klaus Reinhardt vor dem Deutschen Ärztetag am Dienstag in Bremen. Dabei sei es besonders wichtig, auf Kinder und Jugendliche zu achten, weil diese wie kaum eine andere Bevölkerungsgruppe Schutzmaßnahmen ertragen haben.

"Die Zeit drängt", sagte der Chef der Bundesärztekammer der Deutschen Presse-Agentur. "Spätestens die nächste Ministerpräsidentenkonferenz am 2. Juni muss die Weichen für einen sicheren Betrieb von Schulen und Kitas stellen."

Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche

Gerade Kinder hätten in den vergangenen zwei Jahren einen großen Solidarbeitrag geleistet. "Wir sind verpflichtet, den Kindern jetzt etwas zurückzugeben", so Reinhardt.

Beim Deutschen Ärztetag sind die Auswirkungen der Pandemie auf Kinder und Jugendliche ein Schwerpunktthema. Corona-Infektionen verliefen bei jungen Menschen zwar meistens sehr mild, die Eindämmungsmaßnahmen hätten aber schwerwiegende Folgen für Kinder und Jugendliche gehabt. Die Ärzteschaft weist auf soziale Isolation, Bewegungsmangel und häusliche Gewalt hin.

Psychosoziale Folgen verringern

Mehrere Studien belegten, dass psychische Auffälligkeiten bei jungen Menschen zunahmen und die Lebensqualität abnahmen. Die Bildungs- und Entwicklungschancen einer ganzen Generation stünden auf dem Spiel, so Reinhardt. Der Pandemie-Plan für den Herbst von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach dürfe die Kinder nicht vergessen.

Gemeinsam mit Experten wolle man Strategien entwickeln, um die psychosozialen Folgen zu verringern. Dabei hätten Schulen und Kindertagesstätten eine entscheidende Rolle, so der Ärztepräsident. "Wenn man den Versprechungen der Politik glaubt, soll alles getan werden, um erneute flächendeckende Schließungen zu verhindern."

Impfungen weiter notwendig

Eine möglichst hohe Impfquote sei weiterhin notwendig, um das Coronavirus wirksam einzudämmen, so Reinhardt. Die Quote müsse weiter gesteigert und die Notwendigkeit von Impfungen noch verständlicher gemacht werden. Impfungen seien das wirksamste Instrument, sich vor schweren Verläufen zu schützen und in die Normalität zurückzukehren.

"Die bisherigen Impfkampagnen waren halbherzig und uninspiriert. Da gibt es noch viel Luft nach oben", sagte Reinhardt. "Ich wünsche mir eine mutige, multimediale Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, über die die Menschen in der U-Bahn oder am Abendbrottisch diskutieren."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 18. Februar 2022 um 05:54 Uhr.