Flugreisende betrachten am ersten Wochenende vor Ferienbeginn in Schleswig-Holstein im Flughafen Hamburg die Abflug-Anzeigetafel. | dpa

Corona-Pandemie Inzidenz sinkt auf 8,0

Stand: 22.06.2021 08:45 Uhr

Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt bundesweit weiter. Allerdings sehen Experten mitten in der Urlaubszeit die sich ausbreitende Delta-Variante als Gefahr für die Pandemiebekämpfung. Sie drängen auf weitere Fortschritte beim Impfen.

Die Corona-Zahlen in Deutschland sind weiter rückläufig: Die Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) in den vergangenen 24 Stunden 455 Neuinfektionen gemeldet, das sind rund 200 weniger als am Dienstag vor einer Woche. Nachmeldungen der Gesundheitsämter sind möglich. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank bundesweit auf 8,0 von 8,6 am Vortag. 77 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle auf insgesamt 90.472.

Auch wenn die Zahlen in Deutschland derzeit niedrig sind, mahnt die Bundesärztekammer weiter zu Vorsicht und rät von Reisen in Urlaubsgebiete ab, wo die ansteckendere Delta-Variante des Virus grassiert. "Auf Reisen in Regionen, die von der Delta-Variante besonders betroffen sind, sollte verzichtet werden", sagte Präsident Klaus Reinhardt der Funke-Mediengruppe. Er räumte ein, dass für viele Menschen der Urlaub nach den Belastungen der vergangenen Monate wichtig für das seelische Gleichgewicht sei. "Notwendig ist aber die Einhaltung der Hygieneregeln auch im Urlaubsort."

Das RKI weist mit Stand 18. Juni 14 Länder als Virusvariantengebiete aus: darunter neben Großbritannien, Indien, Brasilien und Südafrika überwiegend weitere afrikanische Länder.

"Saisonbedingtes Ansteigen der Zahlen wahrscheinlich"

Die zunächst in Indien nachgewiesene Delta-Variante verbreitet sich inzwischen in vielen Ländern schnell. Als gesichert gilt, dass sie deutlich ansteckender ist als alle anderen bekannten Varianten. Reinhardt schloss sich den Prognosen der meisten Experten an, dass die Delta-Variante sich mittelfristig auch hierzulande gegen die Alpha-Mutante durchsetzen wird. Man könne auch davon ausgehen, dass die Infektionszahlen zum Ende des Sommers saisonbedingt wieder ansteigen werden.

Ob es zu einer vierten Pandemie-Welle in Deutschland komme, hänge wesentlich vom Fortschritt der Impfkampagne ab. Es sei zudem zu erwarten, dass es auch bei einem Wiederanstieg der Infektionszahlen weniger schwere Krankheitsverläufe geben werde, weil insbesondere vulnerable Gruppen wie alte Menschen und solche mit Vorerkrankungen durch Impfungen besser geschützt seien. Er riet dazu, dass alle Erwachsenen deswegen die Impfangebote wahrnehmen und auch fristgerecht die notwendigen Zweitimpfungen vornehmen lassen sollten.

Impfquote von 60 oder 70 Prozent "große Hilfe"

Nach Ansicht des Immunologen Carsten Watzl, des Generalsekretärs der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, könnte jedoch die Ausbreitung der Delta-Variante des Virus das Erreichen von Herdenimmunität gefährden. "Delta ist noch ein Stück ansteckender als die derzeit vorherrschende Virusvariante Alpha. Anhand der bisherigen, noch unsicheren Daten bräuchte man wohl rund 85 Prozent immune Menschen in der Bevölkerung, um die Ungeimpften indirekt mit zu schützen", sagte Watzl der Nachrichtenagentur dpa. Dieses Ziel sei schwer zu erreichen, solange es für Kinder unter zwölf keinen zugelassenen Impfstoff und für alle unter 18 Jahren keine generelle Impfempfehlung gebe.

Das RKI spricht seit Längerem von einem Ziel von mehr als 80 Prozent immunen Menschen - nach vollständiger Impfung oder Infektion plus Impfung -, um weitgehend auf Maßnahmen und Regeln verzichten zu können. Zu Beginn der Pandemie gingen Experten noch von einem Anteil von rund zwei Dritteln aus, wegen des damals noch weniger infektiösen Erregers.

Nach Einschätzung von Watzl wäre aber auch das Erreichen einer Impfquote von 60 bis 70 Prozent in der Bevölkerung schon eine große Hilfe für die Pandemiebekämpfung. "Die Hoffnung ist, dass es dann nur noch zu kleineren Ausbrüchen kommt, die keine Lockdown-Maßnahmen mehr erfordern." Menschen, die nicht geimpft werden können, die sich nicht immunisieren lassen wollen oder bei denen die Impfung etwa aus Gründen wie Alter oder Erkrankung nicht so gut anspricht, würden sich dann am ehesten infizieren. "Die gute Nachricht ist: Jeder, der vollständig geimpft ist, ist auch vor Delta geschützt", sagte Watzl.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Juni 2021 um 05:30 Uhr.