Ein positiver Corona-Schnelltest liegt auf einem weiteren Schnelltest. | dpa

Corona-Pandemie Inzidenz steigt wieder auf mehr als 500

Stand: 23.06.2022 10:22 Uhr

Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen ist seit Mai erstmals wieder auf mehr als 500 gestiegen. Die Regierung debattiert, wie die Lage in den Griff zu bekommen ist. Schulschließungen schließt die Bildungsministerin aus.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat einen Wert von 532,9 angegeben. Damit wurde die 500er-Marke erstmals seit dem 12. Mai mit einem Wert von 502,4 überschritten. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden registrierte das RKI zudem 119.360 Neuinfektionen und 98 neue Todesfälle von Corona-Infizierten. Da Tests nur noch unvollständig erfolgen, wird bei den Infektionen von einer tatsächlich höheren Zahl ausgegangen.

Die Corona-Neuinfektionen haben in Deutschland zuletzt wieder deutlich zugenommen. Das liegt vor allem an den sich rasant ausbreitenden Omikron-Subtypen BA.4 und BA.5. Zwar sind diese beiden Varianten, die sich zuerst in Südafrika und Portugal stark ausgebreitet hatten, nach jüngsten Angaben des Robert Koch-Instituts in Deutschland bislang noch keineswegs vorherrschend. Doch gehen Experten davon aus, dass sich dies ändern wird.

Keine flächendeckenden Schulschließungen

Längst hat die Sommerwelle die Debatten um angemessene Corona-Maßnahmen erneut entfacht. Die flächendeckende Schließung von Schulen schließt Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger jedoch aus. Die Pandemie habe für Schülerinnen und Schüler drastische Folgen gehabt. Man sehe gravierende psychische, soziale und auch körperliche Folgen, sagte die FDP-Politikerin im ARD-Morgenmagazin.

"Eine flächendeckende Schulschließung darf es nicht mehr geben", betonte Stark-Watzinger. Lernrückstände und Kompetenzverlust von bis zu einem halben Jahr seien bereits jetzt zu erkennen. Auch der Deutsche Lehrerverband sieht "noch immer massive Lernrückstände". Der Verband fordert spätestens zu Beginn des kommenden Schuljahres eine bundesweite Erhebung zum Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler. Nicht selten befände man sich "im Blindflug", sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Debatte um Ende kostenloser Bürgertests

Am Vorhaben, kostenlose Corona-Bürgertests einzuschränken, möchte der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) trotz Kritik weiterhin festhalten. "Die Bürgertests haben ihren Wert, sie sollen auch weiter angeboten werden, sie sollen aber gezielt eingesetzt werden", sagte Lauterbach im Deutschlandfunk. Die Tests sollten künftig nur noch dort angewendet werden, wo sie "den größten Nutzen haben". Dies betreffe etwa Besucher von Krankenhäusern, Pflegeheimen oder großen Veranstaltungen sowie Menschen mit Krankheitssymptomen.

Zur Begründung für die Einschränkungen verwies Lauterbach auf die hohen Kosten für die Tests von zeitweise einer Milliarde Euro pro Monat. "Die Qualität soll erhöht werden, die Tests sollen sinnvoller eingesetzt werden, die Kosten sollen im Rahmen bleiben. Ich glaube, dann holen wir einfach aus den Tests mehr heraus", sagte der Minister. Zugleich drängte er auf Eile, da es die vom Bund finanzierten Bürgertests vorerst nur noch bis Ende Juni gibt.

Änderungen im Infektionsschutzgesetz

Lauterbach ist überdies zuversichtlich, sich in der Ampel-Koalition zeitnah auf Änderungen zum Infektionsschutzgesetz einigen zu können. Angesichts der steigenden Fall-Zahlen drängten mehrere Bundesländer die Berliner Regeriung, schnell die gesetzlichen Voraussetzungen für schärfere Schutzmaßnahmen zu schaffen.

Es werde bereits an sechs Punkten seines Sieben-Punkte-Plans gearbeitet, erlärte Lauterbach. Die Verhandlungen um die Maskenpflicht würden am 1. Juli aufgenommen, einen Tag nach Veröffentlichung des Expertenberichts über die Bewertung bisheriger Corona-Maßnahmen. "Wenn dieses Gutachten vorliegt, dann werden wir uns auch sehr schnell einigen, und ich glaube auch, sogar relativ geräuschlos", betonte Lauterbach. Er sei zuversichtlich, dass noch vor der Sommerpause die wichtigsten Eckpunkte beschlossen wurden. "Wir sind einigermaßen gut unterwegs, viel besser als in vergangenen Jahren".