Sachsen, Pulsnitz: Intensivpflegerinnen sind in Schutzkleidungen auf der Covid-19 Intensivstation in der VAMED Klinik Schloss Pulsnitz mit der Versorgung von Corona-Patienten beschäftigt. | dpa

Corona-Pandemie Wieder mehr als 3000 Intensiv-Patienten

Stand: 22.03.2021 06:44 Uhr

Die deutschen Intensivmediziner sind besorgt: Die Zahl schwer erkrankter Covid-Patienten nimmt erneut zu. Die Mediziner fordern daher ein strengeres Gegenlenken in der Pandemie. Die Sieben-Tage-Inzidenz klettert unterdessen auf 107,3.

Nach den ersten vorsichtigen Lockerungen in der Pandemie ist die Zahl der Corona-Patienten auf Deutschlands Intensivstationen wieder angestiegen. Mit mehr als 3000 belegten Betten ist die Belastung im Moment erneut so hoch wie zu den Spitzenzeiten in der ersten Welle im Frühjahr 2020. Das geht aus dem Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hervor.

"Wir starten jetzt auf den Intensivstationen in die dritte Welle und das auf einem sehr hohem Niveau. Davor hatten wir bereits Ende Februar gewarnt und das bereitet uns große Sorgen", sagte DIVI-Präsident Gernot Marx. Nach DIVI-Daten werden derzeit 3127 Covid-19-Patienten auf deutschen Intensivstationen behandelt. "Wir erwarten in den nächsten Wochen einen rasanten Anstieg der Patienten, da die Welle der Intensivpatienten immer zwei bis drei Wochen der Infektionswelle nachrollt", ergänzte er. Jegliches Gegensteuern jetzt würde daher erst ab Mitte April auf die Zahlen durchschlagen.

"Patienten werden jünger"

Bei Inzidenzen um die 200 Infektionen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner prognostizieren Notfallmediziner für Anfang Mai etwa 5000 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen. Das wären fast so viele wie auf dem Höhepunkt der zweiten Welle Anfang Januar und könnte viele Kliniken erneut schwer belasten.

Die Intensivmediziner sind aber auch vorsichtig optimistisch: Kommt keine neue gefährlichere Mutante hinzu und geht das Impfen weiter gut voran, könnte die Pandemie nach der aktuellen Prognose im August für die Notfall-Stationen der Kliniken so gut wie ausgestanden sein. Auf die leichte Schulter nehmen wollen Experten die Lage nicht. "Wir sehen das jetzt schon auf den Intensivstationen, dass sich die Patienten dort ändern: Die werden jünger", sagte Lars Schaade, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI).

Das RKI zählt 21,6 Millionen Menschen in Deutschland zur Hochrisikogruppe für schwere Covid-19-Verläufe. Als stark erhöht wertet das Institut das Risiko bei Menschen, die über 65 Jahre alt sind oder bestimmte Vorerkrankungen haben, etwa Diabetes, chronische Nierenleiden oder die schwerste Form von Adipositas.

Strengerer Lockdown und Kontaktverbote gefordert

"Covid ist mit den fast 6000 Patienten zeitgleich bisher mit Abstand die schwerste und stärkste Welle in der Intensivmedizin", sagte der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis. Die aktuelle Zahl von mehr als 3000 gilt für die DIVI nicht als magische Grenze, ab der automatisch eine Überlastung des Systems beginnt. Diese Größenordnung sei versorgbar, betonte Karagiannidis. "Je weiter die Zahl steigt, desto mehr müssen dann aber andere Bereiche eingeschränkt werden, um die Notfallversorgung noch zu gewährleisten."

Mit Blick auf die Beratungen der Länder mit Kanzlerin Angela Merkel sagte Karagiannidis der "Rheinischen Post": "Ich erwarte von den Ministerpräsidenten und der Kanzlerin, dass sie sich auf bundesweit einheitliche und ganz einfache Verschärfungen einigen." Es sei entscheidend, dass alle Länder dieselben Maßnahmen umsetzen und diese leicht zu verstehen sind. Er fordert eine Rückkehr zu einem strengeren Lockdown wie Anfang März und die Schließung von Schulen und Kitas, bis ausreichende Testmöglichkeiten vorliegen, sowie Kontaktmöglichkeiten "massiv" zu beschränken.

7709 Neuinfektionen

Unterdessen meldeten die Gesundheitsämter dem RKI registrierte 7709 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Zudem wurden innerhalb eines Tages 50 neue Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 6604 Neuinfektionen und 47 neue Todesfälle gemeldet. Der Inzidenzwert ist demnach weiter gestiegen: Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Montagmorgen bundesweit bei 107,3 - und damit etwas höher als am Vortag (103,9).

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. März 2021 um 09:00 Uhr.

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Moderation 22.03.2021 • 12:39 Uhr

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