Ein Krankenwagen wartet darauf, Corona- Patienten vom Flughafen Münster Osnabrück zu anderen Intensivstationen zu transportieren. | AFP

Corona-Intensivpatienten Bundesweit fast 50 Schwerkranke verlegt

Stand: 28.11.2021 18:06 Uhr

In einem Großeinsatz sind fast 50 Corona-Intensivpatienten aus Bayern, Thüringen und Sachsen in andere Bundesländer verlegt worden. Bald könnte sogar der Transport in europäische Nachbarländer drohen, warnt ein Gesundheitsexperte.

Die bisher umfangreichste Aktion zur bundesweiten Verlegung von Corona-Intensivpatienten ist abgeschlossen. Seit Freitag wurden knapp 50 Schwerkranke aus den Ländern Bayern, Thüringen und Sachsen in andere Bundesländer gebracht.

Die Verlegung im Rahmen des sogenannten Kleeblatt-Systems dient der Entlastung von Intensivstationen in den drei von der vierten Corona-Welle besonders hart getroffenen Bundesländern. Das Konzept war im Frühjahr 2020 unter dem Eindruck der ersten Corona-Welle ins Leben gerufen worden.

Mögliche Verlegungen ins Ausland

Die Situation auf den Intensivstationen in den Corona-Hotspots wird von Medizinern als dramatisch beschrieben. Allein in Bayern lagen heute nach Angaben des Intensivregisters mehr als 1000 Corona-Patienten auf den Intensivstationen - über die Hälfte davon unter Beatmung.

In Zukunft könnten auch Verlegungen ins Ausland anstehen, sollten die Kapazitäten in Deutschland nicht mehr ausreichen, sagte der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen der "Welt am Sonntag". "Anhand der Neuinfektionszahlen müssen wir davon ausgehen, dass Hunderte Intensivpatienten verlegt werden müssen", sagte Dahmen der Zeitung. "Weil der Bedarf so eklatant ansteigen könnte, werden möglicherweise auch Verlegungen in EU-Nachbarstaaten notwendig", fügte der Dahmen hinzu.

Bundeswehr unterstützt mit Spezial-Airbus

Aus Bayern seien bis zum Sonntag 29 Patienten verlegt worden, sagte Hermann Schröder, Vorsitzender des Arbeitskreises Rettungswesen, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung der Innenministerkonferenz. Im Einsatz dafür waren unter anderem ein Großraum-Intensivtransportwagen und Ambulanzflugzeuge.

Zudem unterstütze auch ein A 310 MedEvac, ein Flugzeug der Bundeswehr den Einsatz. Dieser Spezial-Airbus, der auch als "fliegende Intensivstation" beschrieben wird, hatte bereits am Freitag sechs Patienten von Memmingen aus nach Nordrhein-Westfalen gebracht.

"Dramatischer Höhepunkt"

In den vergangenen zwei Jahren sei man im Rahmen der Corona-Hilfe schon viel geflogen und habe insbesondere im europäischen Ausland unterstützt, erklärt ein Kommandant des A310 auf dem Nachrichtendienst Twitter. "Und leider Gottes sind wir an dem dramatischen Höhepunkt angelangt, dass wir nun unseren eigenen Staatsbürgern dringend helfen müssen", so der Hauptmann.

Am Sonntag flog er fünf schwerkranke Corona-Patienten von München nach Hamburg. Sie sollten dann in Krankenhäuser in Schleswig-Holstein weiterverlegt werden. Zudem wurden laut Schröder sechs Patienten aus Thüringen sowie 14 aus Sachsen in andere Länder gebracht.

Ein Corona-Patient wird bei der Ankunft an Bord eines MedEvac-Flugzeugs der Bundeswehr auf dem Flughafen in Hamburgauf einer Trage transportiert. | REUTERS

Ein Corona-Patient wird bei der Ankunft an Bord eines MedEvac-Flugzeugs der Bundeswehr auf dem Flughafen in Hamburgauf einer Trage transportiert. Bild: REUTERS

Mehrere Bundesländer zur Aufnahme bereit

Zur Aufnahme der Intensivpatienten hatten sich durch Vermittlung der Länder Krankenhäuser in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland bereit erklärt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. November 2021 um 18:00 Uhr.