Menschen gehen in Berlin auf der Straße | AP

Corona-Lage in Deutschland Inzidenz steigt weiter

Stand: 10.01.2022 07:18 Uhr

Die Inzidenz ist erneut gestiegen und liegt inzwischen bei 375,7. Gesundheitsminister Lauterbach hält deshalb weitere Einschränkungen für nötig. Ein Berater der Bundesregierung warb für einen "pragmatischen Umgang" mit der Pandemie.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut gestiegen: Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mit 375,7 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 362,7 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 232,4 (Vormonat: 389,2).

Der ehemals weniger stark von Corona betroffene Norden Deutschlands verzeichnet derzeit - wie schon in den vergangenen Wochen - höhere Inzidenzen als der Rest des Landes. Am höchsten ist der Wert in Bremen mit 1028,0, dann folgen Berlin (694,1), Hamburg (560,9) und Schleswig-Holstein (529,6). Vermutet wird, dass diese Trendumkehr einerseits mit der im Norden früher begonnenen Verbreitung der Omikron-Variante zusammenhängt und andererseits mit der größeren Ansteckungsgefahr in Großstädten.

25.255 Neuinfektionen, 52 weitere Todesfälle

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 25.255 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es 18.518 Ansteckungen, wobei es im Zuge der Feiertage Lücken bei Tests und Meldungen gegeben hatte.

Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 52 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 68 gewesen. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg damit auf insgesamt 114.029.

Impfpflicht und Schnelltests

Angesichts der steigenden Zahlen machte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Sonntagabend im Bericht aus Berlin deutlich, dass er weitere Einschränkungen im Kampf gegen Omikron für notwendig hält. Die am Freitag von Bund und Ländern getroffenen Beschlüsse - Stichwort 2G-Plus - seien zwar "ein wichtiger Schritt nach vorne", sagte der SPD-Politiker. Das werde aber nicht reichen, um Omikron zu besiegen. "Daher werden weitere Maßnahmen noch notwendig werden zu gegebener Zeit."

Vor allem gebe es Grund zur Annahme, dass Ungeimpfte mit Omikron schwerer erkranken könnten. "Eine Durchseuchung wäre viel zu riskant." Lauterbach kündigte zudem an, dass das Paul-Ehrlich-Institut Schnelltests darauf prüfen werden, ob sie die Omikron-Variante erkennen.

Mit Blick auf die Debatte um die Einführung einer allgemeinen Corona-Impfpflicht wollte Lauterbach sich nicht auf ein Datum festlegen. Der Bundestag müsse selbst entscheiden, wann und in welcher Form debattiert werde, "das ist ja keine Regierungsaufgabe", so Lauterbach. Sein Ministerium unterstütze allerdings mit seiner Expertise die Abgeordneten bei der Ausarbeitung von Gruppenanträgen. Zuvor war bekannt geworden, dass das von Bundeskanzler Olaf Scholz genannte Impfpflicht-Versprechen bis Anfang März offenbar nicht zu halten ist.

Dahmen: Mehr 2G-Plus gegen Omikron

Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen plädierte indes für eine zügige Ausweitung der berufsbezogenen Impfpflicht. Angesichts der Omikron-Welle und der drohenden Gefahr von massiven Personalausfällen in der kritischen Infrastruktur sei es sinnvoll, die einrichtungsbezogene Impfpflicht etwa auf Polizei oder Feuerwehren auszuweiten, sagte Dahmen dem "Tagesspiegel". Damit könne man handeln, so lange es noch keine allgemeine Impfplicht gebe.

Darüber hinaus sprach sich Dahmen für Offenheit gegenüber einer weiteren Verschärfung der Corona-Maßnahmen aus. "Möglicherweise werden wir auch über die Gastronomie hinaus weitere Innenbereiche mit 2G-Plus-Maßnahmen als zusätzlichen Schutz beschließen müssen", sagte er im ZDF. Die Omikron-Welle sei erst am Anfang. "Und wenn wir in die Nachbarländer sehen, sehen wir: Es ist überall ein großes Problem, mit dem wir jetzt umgehen müssen."

"Pragmatischer Umgang" mit der Pandemie?

Für einen "pragmatischen Umgang" mit der Pandemie, "um mit dem Virus leben zu lernen" warb hingegen der Bonner Virologe Hendrik Streeck. Der "dauerhafte Alarmzustand" sei "ermüdend und nicht erfolgreich", sagte er der "Bild"-Zeitung. Streeck sagte jedoch auch, die Belastung in den Krankenhäusern müsse weiterhin aufmerksam beobachtet werden, um "notfalls mit Maßnahmen zu reagieren".

Die Belastung der Krankenhäuser erhebt das RKI mithilfe der Hospitalisierungsinzidenz. Diese Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 3,15 (Donnerstag: 3,26) an. Am Wochenende wird der Wert nicht gemeldet. Der Wert schwankt regional stark. In Bremen war er - Stand Freitag - mit 18,23 am höchsten, dahinter folgen mit großem Abstand Thüringen (9,01) und Mecklenburg-Vorpommern (6,64). Am niedrigsten war die Hospitalisierungsinzidenz in Niedersachsen. Dort lag sie bei 1,66.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie rund 7,5 Millionen nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Montagmorgen mit rund 6,7 Millionen an.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Januar 2022 um 07:00 Uhr in den Nachrichten.