Covid19-Station im Krankenhaus |

Stagnierende Corona-Zahlen Söder drängt auf Verschärfungen

Stand: 06.12.2020 09:24 Uhr

Die Corona-Infektionszahlen stagnieren auf hohem Niveau. Warnungen vor den geplanten Lockerungen über die Feiertage werden deshalb lauter. Bayerns Regierung berät nun über neue Maßnahmen-Verschärfungen.

Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Deutschland bleibt hoch. Nach Angaben des Robert Koch-Institut (RKI) meldeten die Gesundheitsämter 17.767 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden. An Sonntagen sind die erfassten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Allerdings lag der Wert vor einer Woche noch bei 14.611 gemeldeten Neuinfektionen an einem Tag.

Sieben-Tage-R-Wert steigt

Zudem wurden 255 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gemeldet. Damit steigt die Zahl auf 18.772 Todesfälle seit Beginn der Pandemie. Insgesamt haben sich nach Angaben des RKI 1.171.322 Menschen nachweislich mit dem Virus infiziert.

Der sogenannte Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Samstag bei 1,10. Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch 110 weitere Menschen anstecken. Am Vortag lag der Wert noch bei 1,04. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Sorge vor Lockerungen wächst

Vor dem Hintergrund der täglich gemeldeten Zahlen wächst die Sorge, dass diese bei der von Bund und Ländern vereinbarten Lockerung über Weihnachten und den Jahreswechsel anschließend in die Höhe schnellen. Aus den Reihen von Union und SPD mehren sich die Warnungen, kein überflüssiges Risiko einzugehen.

Auch der Städte- und Gemeindebund sieht die Lockerungen skeptisch. "Je nachdem wie die Entwicklung in den weiteren zehn Tagen ist, werden sicherlich auch noch einmal die für Weihnachten und Silvester bislang vorgesehenen Lockerungen hinterfragt werden müssen", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg dem "Handelsblatt". "Denn diese Lockerungen werden nicht nur zu mehr Kontakten, sondern auch zu erhöhten Reiseaktivitäten führen, die wiederum ein Risiko darstellen können."

Seit Anfang November gelten wieder Kontaktbeschränkungen, zum 1. Dezember wurden sie in fast allen Bundesländern verschärft. Private Zusammenkünfte sind nun auf fünf Teilnehmer aus maximal zwei Haushalten beschränkt; Kinder bis 14 Jahre sind ausgenommen.

Mit Blick auf die Festtage haben Bund und Länder jedoch vereinbart, vom 23. Dezember bis 1. Januar zehn Personen plus Kinder zuzulassen. Allerdings machen nicht alle Bundesländer diese Lockerung mit. Berlin etwa bleibt bei der geringeren Zahl erlaubter Kontakte, Baden-Württemberg erlaubt die größere Personenzahl nur bis zum 27. Dezember.

Bayerisches Kabinett berät über Verschärfungen

Auch in Bayern bahnen sich Verschärfungen der geltenden Corona-Maßnahmen an. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sein Kabinett zu einer Sondersitzung zusammengerufen. Der Ministerrat will nach Angaben der Staatskanzlei per Videoschalte über "weitere Maßnahmen" beraten.

"Es braucht jetzt konsequentes Vorgehen", sagte Söder der "Bild am Sonntag". "Wir können die hohen Todeszahlen in Deutschland nicht hinnehmen. Die Ansteckungszahlen sind weiterhin zu hoch. Es ist besser, bis Weihnachten zu handeln, als ein dauerhaftes Stop-and-go für die Bevölkerung."

Im Freistaat sind nun härtere Schritte etwa im Bereich der Schulen und im Handel denkbar, aber auch größere Ausgangsbeschränkungen. In Hotspots wie Nürnberg oder Passau gelten bereits Ausgangsbeschränkungen. Der niederbayerische Landkreis Regen hat mit mehr als 520 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen einen der höchsten Werte in Deutschland.

Kliniken nähern sich Belastungsgrenze

Manche deutsche Kliniken stehen derweil offenbar an der Kapazitätsgrenze. "In einzelnen Ländern wie Sachsen ist die Zahl der Intensivpatienten fünfmal so hoch wie im April", sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, der "Welt am Sonntag". Insgesamt befänden sich 40 Prozent mehr Covid-19-Patienten auf Intensivstationen als im Frühjahr; rund 16.000 Betroffene würden auf Normalstationen versorgt.

Auch Universitätskliniken, die bislang Corona-Patienten mit schweren Verläufen aus kleineren Krankenhäusern aufnehmen konnten, näherten sich in manchen Regionen der Belastungsgrenze. Angesichts personeller Ausfälle werde die Übernahme solcher Patienten zusehends schwieriger. "Nicht die Intensivbetten sind der limitierende Faktor, sondern das entsprechend qualifizierte Personal", warnte er.

Nüchterne Feststellung statt Schwarzmalerei

Gaß wies Kritik zurück, wonach die Klinken die Lage dramatisieren würden, um mehr Finanzhilfen zu erzwingen. Die Wiedereinführung der sogenannten Freihaltepauschalen für Intensivbetten bis Januar sei zwar ein richtiger Schritt, werde aber wegen der "sehr restriktiven Zuordnungskriterien" nur für wenige Kliniken eine wirksame Hilfe sein.

Tatsächlich müssten viele Krankenhäuser ihre Regelversorgung wegen Covid-19 einschränken, wodurch Erlösausfälle und Liquiditätsprobleme drohten. "Klar ist auch, dass wir Probleme bekommen werden, wenn wir es nicht schaffen, die Infektionszahlen entsprechend zu verringern." Das sei weder Schwarzmalerei noch Alarmismus, sondern eine nüchterne Feststellung.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Dezember 2020 um 09:00 Uhr.