Eine Hausärztin im bayerischen Naila verabreicht einem Patienten eine Impfung gegen das Coronavirus. | dpa

Corona-Pandemie Hausärzte für Abkehr von Impfreihenfolge

Stand: 03.04.2021 08:37 Uhr

Sobald es genügend Impfstoff gibt, sollte nicht mehr nach der Impfreihenfolge gegangen werden, sondern nach Gesundheitszustand, fordert Hausärzte-Chef Weigeldt. Die Zahl der Neuinfektionen bleibt laut RKI mit mehr als 18.000 Fällen hoch.

Der Bundesvorsitzende des deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, hat für eine allmähliche Aufgabe der Impfreihenfolge geworben, sobald genügend Impfstoffdosen vorhanden sind. "Die Priorisierung war und ist eine gute Leitlinie für die Ärztinnen und Ärzte solange der Impfstoff noch in geringen Mengen verfügbar ist", sagte Weigeldt der "Rheinischen Post". Man müsse den Blick aber möglichst bald stärker auf die Gesundheit der einzelnen Menschen richten. "Ein Mann von 69 Jahren mit Hypertonus und Diabetes sollte vielleicht eher die Impfung erhalten als eine 72-jährige Triathletin", sagte der Verbandschef.

Sobald die Impfstoffmenge ein bestimmtes Maß überschritten habe, müsse es außerdem darum gehen, ihn so schnell wie möglich zu verimpfen. Deswegen sollten die Praxen auch alle Impfstofftypen bekommen. Wichtig sei, dass geimpft werde, erklärte Weigeldt. "Und das geht bekanntlich schneller, wenn die Impfungen dort stattfinden, wo sich die Menschen impfen lassen wollen."

Ärztekammer-Chef für Auflösung der Impfstoff-Rücklagen

Unterdessen sprach sich der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, für eine kurzfristige Auflösung der zurückgelegten Impfstoffkapazitäten für die zweite Dosis aus. Ab Ende April würden angesichts der vom Bund zugesagten Liefermengen ausreichend Kapazitäten für die Zweitimpfungen zur Verfügung stehen, sagte er der "Rheinischen Post". Es müsse aber sichergestellt sein, dass die zugesagten Mengen auch wirklich geliefert würden. Dann würde die Auflösung der Reservekapazität helfen, die dritte Infektionswelle zu brechen.

In der Woche nach Ostern sollen die Hausärzte mit dem Impfen beginnen. Die Praxen erhalten nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn knapp eine Million Impfdosen. Demnach bekommen sie in den ersten zwei Wochen ausschließlich den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Danach komme noch Astrazeneca hinzu und später Johnson & Johnson, sagte Spahn. Ende April werde möglich sein, den Arztpraxen wöchentlich mehr als drei Millionen Impfdosen zur Verfügung zu stellen, versicherte der Minister. Alle angebotenen Impfdosen sollten dann umgehend verimpft werden.

RKI meldet mehr als 18.000 neue Corona-Fälle

Die Zahl der Neuinfektionen ist in Deutschland weiter hoch. Dem Robert Koch-Institut (RKI) wurden innerhalb von 24 Stunden 18.129 neue Corona-Fälle gemeldet. Zudem starben 120 weitere Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Am vergangenen Samstag hatte das RKI binnen eines Tages 20.472 Neuinfektionen und 157 neue Todesfälle verzeichnet.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, die sogenannte Sieben-Tage-Indzidenz, ging im Vergleich zum Vortag leicht zurück. Nach RKI-Angaben sank sie von 134 auf 131,4. Nachdem der Wert im Februar zwischenzeitlich auf unter 60 gefallen war, stieg er danach kontinuierlich an. In den vergangenen Tagen blieb er etwa gleich.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. April 2021 um 04:42 Uhr.