Menschen warten in einer Halle auf ihre Impfung | dpa

Coronavirus Impfzusage wird offenbar früher erfüllt

Stand: 29.06.2021 17:39 Uhr

Allen Erwachsenen solle bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot gemacht werden können, hieß es stets. Dieses Ziel kann nun offenbar bereits im Juli erreicht werden. Laut RKI ist die Impfbereitschaft weiterhin hoch.

Die Bundesregierung rechnet damit, dass sie ihr Corona-Impfversprechen früher einlösen kann als geplant. Die Zusage, allen Erwachsenen bis zum Ende des Sommers im September ein Impfangebot machen zu können, werde bereits in der ersten Hälfte des Sommers, wahrscheinlich schon im Juli erfüllt, berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Regierungskreise in Berlin. Noch im Juli werde man 17 bis 18 Millionen Erstimpfungen mit einem mRNA-Impfstoff anbieten können, hieß es demnach.

Die Nachfrage sei wahrscheinlich mehr als gedeckt, hieß es weiter. Die Infrastruktur der Corona-Impfzentren solle den Informationen zufolge über den 30. September hinaus in "abgespeckter Version" beibehalten werden. Es gehe dabei aber weniger um die "großen Tanker" wie Messehallen, sondern um "Schnellboote" wie die mobilen Impfteams. Diese würden im Herbst voraussichtlich für Auffrischungsimpfungen etwa in Pflegeeinrichtungen gebraucht.

Mehr mobile Impfteams im Herbst

Die Gesundheitsminister der Bundesländer hatten zuvor angekündigt, den Betrieb der Impfzentren im Herbst zurückfahren. Der Schwerpunkt solle dann zunehmend auf mobilen Impfteams liegen, hieß es in einem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz.

Der bayerische Gesundheitsminister und Chef der Gesundheitsministerkonferenz (GMK), Klaus Holetschek, sagte: "Wir kommen bald in eine Situation, in der der Großteil der impfwilligen Erwachsenen vollständig gegen Corona geimpft sein wird."

Die Länder würden aber selbst über die künftige Infrastruktur des Impfangebots entscheiden, teilte die GMK mit. Bei Bedarf könnten die Länder auch einzelne Impfzentren weiter betreiben. "Auch wenn wir künftig die Impfzentren in ihrer bisherigen Struktur voraussichtlich nicht mehr brauchen, werden ihre Erfahrung und Infrastruktur insbesondere für bevorstehende Auffrischungsimpfungen weiterhin von Nutzen sein", sagte Holetschek. "Dabei legen wir den Fokus ab Herbst auf mobile Impfteams, mit denen wir bereits zu Beginn der Impfungen sehr gute Erfahrungen gemacht haben."

Impfstoff-Angebot übersteigt teilweise Nachfrage

Nach Angaben aus dem Gesundheitsministerium komme die Impfkampagne in eine neue Phase, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters: Erstmals übersteige derzeit das Angebot in einigen Regionen die Nachfrage.

Das Robert Koch-Institut (RKI) sieht aber keinen Trend zu einem Verzicht auf die Zweitimpfung gegen das Coronavirus. In einer vom RKI veröffentlichten Umfrage gaben 98,7 Prozent der bisher einmal geimpften Befragten an, sich "auf jeden Fall" oder "eher" ein zweites Mal impfen lassen zu wollen. "Es ist also keine Tendenz erkennbar, dass das empfohlene Impfschema nicht vervollständigt wird", erklärte das RKI. Laut RKI liegt die allgemeine Impfbereitschaft "auf einem hohen Niveau".

88 Prozent geimpft oder impfbereit

Von den Befragten waren rund 62,2 Prozent mindestens einmal und 27,4 Prozent vollständig geimpft. Unter allen ungeimpften Befragten gaben demnach mit 67 Prozent zwei Drittel an, sich impfen lassen zu wollen. Unter Berücksichtigung der bereits einmal Geimpften ergebe sich damit ein Anteil von etwa 88 Prozent impfbereiter beziehungsweise bereits geimpfter Menschen.

Beim medizinischen Personal sowie Lehrerinnen und Lehrern und Erzieherinnen und Erziehern sind jeweils etwa 84 Prozent mindestens einmal geimpft. Knapp 64 Prozent des medizinischen Personals ist vollständig geimpft, bei Lehr- und Erziehungspersonal sind es 37,2 Prozent. Menschen in der Altersgruppe von 18 bis 59 Jahren mit Vorerkrankungen erhielten zudem häufiger mindestens eine Impfung (69,2 Prozent) als jene ohne Vorerkrankungen (44 Prozent).

Mehr als die Hälfte erstgeimpft

Ein halbes Jahr nach Beginn der Impfkampagne ist mehr als die Hälfte der Menschen hierzulande mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Über ein Drittel hat auch schon die zweite Spitze erhalten. Wie aus Daten des Robert Koch-Instituts hervorgeht, sind inzwischen knapp 44,9 Millionen Menschen (54 Prozent) zumindest einmal und 29,3 Millionen (35,8 Prozent) vollständig geimpft. Zuletzt wurden 588.066 Impfdosen an einem Tag verabreicht.

"Erst impfen, dann Ferien genießen"

Trotz dieses Fortschritts und weiterhin hoher Impfbereitschaft ist die Sorge große vor sich rasch ausbreitenden, ansteckenden Delta-Virusvariante. Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens rief dazu auf, sich noch vor dem Start in den Sommerurlaub impfen zu lassen. "Die Ferienzeit bietet sich sehr gut an, die Erstimpfung zu machen", sagte die SPD-Politikerin. Der dringende Apell laute: "Erst impfen, dann Ferien genießen."

Wohin Menschen in den Urlaub fahren, müssten sie selbst entscheiden, sagte Behrens. Wie im Fall Portugals könne es jedoch schnell gehen, dass eine Virusvarianten-Warnung ausgesprochen werde und Rückkehrer in Quarantäne müssten. Der Sommer sei Reisezeit in ganz Europa. "Von daher ist die Reisetätigkeit natürlich etwas, was die Pandemie verschärfen kann."

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Moderation 29.06.2021 • 21:48 Uhr

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