Bundesgesundheitsminister Jens Spahn | REUTERS

Spahn zu Start der Kampagne Impfstoff als "entscheidender Schlüssel"

Stand: 26.12.2020 13:18 Uhr

In ganz Europa laufen die Vorbereitungen für die Corona-Impfungen auf Hochtouren. Gesundheitsminister Spahn sieht Deutschland gut gewappnet. Allerdings müssen sich viele noch etwas gedulden, bis sie dran sind.

Deutschland ist laut Gesundheitsminister Jens Spahn gut auf die größte Impfkampagne in der Geschichte des Landes vorbereitet. "Die Impfzentren sind startklar, die Impfteams stehen", sagte der CDU-Politiker. Der Impfstoff sei "der entscheidende Schlüssel, diese Pandemie zu besiegen. Er ist der Schlüssel dafür, dass wir unser Leben zurückbekommen können", sagte Spahn. "Diese Nachricht sollte uns Mut machen." Gleichzeitig machte er klar, dass das Coronavirus mit dem Start der Impfaktion noch nicht besiegt ist. "Wir werden einen langen Atem brauchen, um diese Pandemie hinter uns zu lassen."

Spahn stimmte die Bürger darauf ein, dass angesichts der Größe der Kampagne vielleicht nicht alles sofort ganz glatt laufen wird. "Es wird an der einen oder anderen Stelle auch mal ruckeln, das ist ganz normal." Der Gesundheitsminister sagte, er sei zuversichtlich, dass mit der Zulassung weiterer Impfstoffe ab Mitte 2021 mit dem Impfen in der Fläche begonnen werden könne.

Neben dem Impfstoff von Biontech und Pfizer spielt auch das Mittel des US-Unternehmens Moderna eine Rolle, über dessen Zulassung die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bis zum 6. Januar entscheiden will. Die Impfung bleibe ein Angebot, kostenlos und freiwillig, betonte der Minister. Dennoch sei das Ziel, so viele Menschen zu impfen, "dass das Virus keine Chance mehr hat in Deutschland und in Europa". Jede Impfung mehr bedeute weniger Infektionen und weniger Todesfälle.

"Jüngere und Gesunde müssen sich gedulden"

Die Corona-Impfungen sollen in Deutschland offiziell am Sonntag beginnen. Gleichzeitig mit dem bundesweiten Impfstart beginnt auch das Gesundheitsministerium die Aufklärungskampagne "Ärmel hoch". Die Impfung ebne den Weg hinaus aus der Pandemie, sagte Spahn. "Der Herbst und der Winter und auch das Weihnachten des kommenden Jahres sollen nicht mehr im Zeichen dieser Pandemie stehen."

Laut einer Rechtsverordnung von Spahns Ministerium werden zunächst Hochaltrige geimpft, weil sie besonders häufig schwer erkranken, sowie medizinisches Personal und Pflegekräfte, die ein hohes Risiko haben, sich anzustecken. Erst danach werden stufenweise weitere Bevölkerungsgruppen geimpft. Das bedeute auch, dass sich die "Jüngeren und Gesünderen noch gedulden müssen", sagte Spahn. Diese müssten auch weiterhin ihre Kontakte reduzieren.

Auch die Bundesregierung muss noch etwas warten. "Wir haben bewusst gesagt, wir beginnnen zuerst mit einem Impfangebot an die besonders Verwundbaren, die besonders Verletzlichen", sagte Spahn. Sollte es aber nötig sein, das Vertrauen der Bevölkerung in die Impfung zu stärken, sei jeder in der Regierung bereit, sich sofort impfen zu lassen.

Kritik an uneinheitlichem Vorgehen

Die Impfungen sollen zunächst in speziellen Zentren oder durch mobile Teams verabreicht werden, auch um die Priorisierung zu gewährleisten. Die Terminvergabe organisieren die Bundesländer. Später sollen die Impfstoffe auch Arztpraxen zur Verfügung gestellt werden. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte die bundesweite Kommunikation der Impfkampagne. Es sei "fatal", dass sich Bund und Länder nicht auf ein einheitliches Vorgehen verständigt hätten, sagte er der Nachrichtenagentur epd. So werde etwa die Patientennummer 116117 nicht einheitlich genutzt. Auch die Internetseiten und Apps seien je nach Region unterschiedlich. "Einige Landesregierungen setzen darauf, ihre Bürger direkt anzuschreiben. Bei anderen ist noch gar nicht klar, wie die Menschen benachrichtigen werden sollen."

Verteilung hat begonnen

Am Samstagmorgen trafen bereits die ersten Impfstoffdosen in einzelnen Bundesländern ein. Ins bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen wurden zunächst 9750 Dosen geliefert und in ein geheimes Zentrallager gebracht. Ministerpräsident Armin Laschet sagte, dies sei "ein wichtiger Moment der Zuversicht". Mit der Lieferung des Impfstoffes entstehe "Hoffnung auf ein normales Leben, wie wir es vor dem Virus gekannt haben".

In Bayern nahmen Innenminister Joachim Herrmann und Gesundheitsministerin Melanie Huml die Lieferung in Erlangen in Empfang. Es handele sich um die Hälfte der für den Freistaat bestimmten ersten 9750 Impfdosen, sagte Huml. Die übrigen sollten in München ankommen. Von München und Erlangen aus wird der Impfstoff regional verteilt, alle 99 Impfzentren in Bayern sollen damit versorgt werden. Am Sonntag sollen die ersten mobilen Impfteams ausrücken, um vor allem in Alten- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern zu impfen.

Die Ankunft der Lieferungen gaben auch die Sozialministerien in Thüringen und in Sachsen-Anhalt bekannt. In Thüringen brachte ein Logistikunternehmen den Impfstoff per Kühltransport und in Polizeibegleitung zur Lagerung an einen Ort, der nicht näher genannt wurde. Die zunächst knapp 10.000 Impfdosen würden bei minus 70 Grad gelagert. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci twitterte, der Impfstoff habe auch Berlin erreicht. Auch in anderen Bundesländern liefen die Vorbereitungen zur Verteilung des Impfstoffs auf Hochtouren. Weitere Lieferungen sollen laut Spahn schon am Montag folgen.

"Hoffnungsvoller Tag für Europa"

Auch in anderen Ländern der Europäischen Union wurde der erste Impfstoff gegen Covid-19 ausgeliefert. Spahn sprach von einem "hoffnungsvollen Tag für Europa". Bewusst sei entschieden worden, beim Impfen europäisch vorzugehen und keinen nationalen Alleingang mit einer Notzulassung wie andere Ländern zu wählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.

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Moderation 26.12.2020 • 14:40 Uhr

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