Eine Fachärztin für Allgemeinmedizin impft in ihrer Praxis eine Patientin gegen das Coronavirus.  | dpa
FAQ

Coronavirus Wie funktioniert das Impfen beim Hausarzt?

Stand: 06.04.2021 16:23 Uhr

Die Impfkampagne gegen das Coronavirus verlief in Deutschland bisher schleppend - viel Hoffnung ruht deshalb auf den Hausärztinnen und Hausärzten, die seit heute bundesweit in ihren Praxen impfen dürfen. Wie läuft das ab?

Wie viele Praxen impfen?

Laut Bundesgesundheitsministerium gibt es in Deutschland etwa 50.000 Hausarztpraxen. Davon wollen nach Angaben des Hausärzteverbands derzeit rund 35.000 Corona-Impfungen durchführen und haben Impfstoff bestellt. Die Praxen ergänzen damit das Angebot der bundesweit rund 430 Impfzentren, in denen die Vakzine gegen das Coronavirus bisher schwerpunktmäßig verabreicht wurden.

Ab wann gibt es Impftermine in den Praxen?

Ab heute dürfen in den Praxen Patientinnen und Patienten gegen das Coronavirus geimpft werden. Einige Praxen warten allerdings noch auf Impfstofflieferungen und starten daher erst in den kommenden Tagen.

In einigen Modellregionen haben die Impfungen in Hausarztpraxen teilweise schon im März begonnen.

Wie läuft die Terminvergabe ab?

Die Praxen regeln die Terminvergabe für die Impfungen selbst, zum Beispiel telefonisch oder online, ganz wie bei normalen Arztterminen. Es gibt keine zentrale Einladung. Ärztinnen und Ärzte haben die Möglichkeit, ihre Patientinnen und Patienten entsprechend der Impfpriorisierung gezielt zu kontaktieren.

Wie viele Impftermine sie vergeben, ist ebenfalls den Praxen überlassen. Besondere Vorgaben zur Infrastruktur in den Praxen (etwa gesonderte Warteräume) macht das Gesundheitsministerium nicht.

Viele Hausärzte kündigten an, für die Impfungen extra Sprechstunden anzubieten. In der Regel dürfte es deshalb nicht zu zusätzlichen Wartezeiten in den Praxen kommen.

Gilt die Priorisierung auch bei Impfungen in der Praxis?

Grundsätzlich gilt die in der Coronavirus-Impfverordnung festgelegte Priorisierung auch für Hausarztpraxen. Hausärztinnen und -ärzte können jedoch unter bestimmten Voraussetzungen flexibler vorgehen als es in Impfzentren möglich ist.

Ist es organisatorisch sinnvoll, können Ärztinnen und Ärzte von der Priorisierung abrücken - etwa, wenn dadurch vermieden wird, dass Impfstoff vernichtet werden muss. Auch in Regionen mit besonders hohen Inzidenzen darf von der Impfreihenfolge abgewichen werden, zum Beispiel, um chronisch kranke Patientinnen und Patienten zu schützen.

Welche Impfstoffe stehen in den Praxen zur Verfügung?

Vorerst impfen die Hausärztinnen und Hausärzte nur mit dem Vakzin von BioNTech/Pfizer. Das Gesundheitsministerium begründet dies damit, dass von dem Wirkstoff mit Abstand am meisten geliefert wird.

Voraussichtlich ab der dritten Aprilwoche soll zunehmend auch das Vakzin von AstraZeneca in den Hausarztpraxen zum Einsatz kommen. Für Ende April rechnet das Gesundheitsministerium außerdem damit, dass auch der Impfstoff von Johnson & Johnson verimpft werden kann.

Das Vakzin von Moderna kann laut Gesundheitsministerium derzeit nur in Impfzentren eingesetzt werden, weil besondere Transportbedingungen zu erfüllen sind.

Kann man wählen, mit welchem Vakzin man geimpft wird?

Nein. Wegen der anhaltenden Impfstoffknappheit ist keine Auswahl des Vakzins durch die Patientin oder den Patienten möglich, auch dann nicht, wenn in den Praxen mehrere Wirkstoffe zur Verfügung stehen.

Wie viel Impfstoff bekommen die Hausarztpraxen?

In der ersten Woche stehen für sämtliche Hausarztpraxen in Deutschland, die impfen wollen, 940.000 Impfstoffdosen zur Verfügung. Bei 35.000 Praxen, die beliefert werden müssen, ergibt das etwa 26 Dosen pro Praxis für eine Woche.

Zu wenig, meint der Hausärzteverband. Verbandschef Ulrich Weigeldt erklärte, Pilotpraxen, die seit März impfen, hätten in der Routine bis zu 100 Patienten in der Woche gut impfen können.

Das Gesundheitsministerium rechnet aber in den kommenden Wochen mit einem deutlichen Schub bei den Liefermengen. Damit werde sich auch die Belieferung der Hausarztpraxen erhöhen.

Wie kommt der Impfstoff in die Praxen?

Die Belieferung der Hausarztpraxen läuft - wie bei anderen Impfstoffen auch - durch die Apotheken. Diese wiederum beziehen den Impfstoff vom pharmazeutischen Großhandel.

Im ersten Durchgang konnten die Praxen bis 30. März ihre Bestellung aufgeben, von nun an jede Woche Dienstag bis 12 Uhr. Die Bestellmenge ist vorerst begrenzt auf 18 bis maximal 50 Dosen pro Praxis und Woche.

Welche Vorteile hat eine Impfung in der Hausarztpraxis?

Expertinnen und Experten erwarten, dass die Impfung durch Hausärztinnen und Hausärzte die Impfkampagne deutlich beschleunigen kann - vorausgesetzt, es ist genug Impfstoff vorhanden.

Ein Vorteil ist das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Hausärztinnen und Hausärzten und ihren Patientinnen und Patienten. In den Praxen ist man über den individuellen Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten gut informiert und kann deswegen individuell aufklären und beraten - auch bei den Impfungen gegen das Coronavirus. Ulrich Weigeldt, der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, erklärt: "Wir entscheiden zusammen mit den Patienten: Was ist das Beste für dich?"

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. April 2021 um 17:00 Uhr.