Eine Spritze mit einem möglichen Mittel gegen das Coronavirus. | Bildquelle: dpa

Coronavirus So weit ist die Impfstoffentwicklung

Stand: 17.09.2020 11:06 Uhr

Die Welt wartet auf einen sicheren Impfstoff gegen Covid-19. Einige Unternehmen sind schon ziemlich weit. Komplikationen gibt es aber auch. Wie ist der aktuelle Stand der Impfstoffentwicklung?

Von Franziska Ehrenfeld, SWR-Wissenschaftsredaktion

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation gibt es zurzeit etwa 180 Corona-Impfstoffprojekte weltweit. Bei 35 davon laufen demnach bereits Testimpfungen, um die Verträglichkeit, Dosierung und Wirksamkeit zu ermitteln. In der dritten und letzten klinischen Phase befinden sich der WHO zufolge momentan acht Forschungsteams, ein neuntes steht kurz davor.

Biontech vorne dabei

Darunter vertreten ist auch die Mainzer Firma Biontech, die gemeinsam mit dem US-amerikanischen Pharmaunternehmen Pfizer und dem chinesischen Unternehmen Fosun Pharma an mehreren Zehntausend Probandinnen und Probanden testet. Inzwischen darf das Mittel auch in Deutschland erprobt werden. Erst kürzlich haben die Unternehmen ihre Studie von 30.000 auf 44.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgeweitet. Diese Zahl soll kommende Woche erreicht werden. Bei erfolgreichen Ergebnissen wollen Biontech und Pfizer noch im Oktober die Zulassung ihres Impfstoffs beantragen.

AstraZeneca wieder auf Spur

Ebenfalls auf der Zielgeraden ist der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca. Er forscht gemeinsam mit der Universität Oxford an einem Impfstoff. Anfang September kam es zu einer Unterbrechung der Tests, nachdem eine Probandin Symptome einer Rückenmarksentzündung gezeigt hatte. Der Verdacht, dass es sich dabei um schwere Nebenwirkungen des Impfstoffkandidaten handelte, sei inzwischen aber ausgeräumt worden. Es habe sich um einen nicht diagnostizierten Fall von Multipler Sklerose gehandelt.

Studienunterbrechungen kommen bei der Impfstoffentwicklung häufiger vor und sind nicht unbedingt als Rückschlag zu werten. Tatsächlich wurde die Studie schon zum zweiten Mal unterbrochen. Der Impfstoffkandidat von AstraZeneca gilt nach wie vor als vielversprechend.

Russischer Impfstoff steht in Kritik

Ebenfalls in der dritten klinischen Phase wird momentan der russische, von den dortigen Behörden bereits zugelassene Impfstoff erprobt. Die Entwickler vom Gamaleya-Institut waren in die Kritik geraten, weil sie die Daten der klinischen Studien zunächst nicht offengelegt und die dritte Phase vor der Zulassung übersprungen hatten.

Auch an der Glaubwürdigkeit der inzwischen publizierten Daten zu den ersten Phasen regen sich nun Zweifel. 38 internationale Forscherinnen und Forscher haben aufgrund ihrer Bedenken einen offenen Brief geschrieben. Sie hatten festgestellt, dass sich bestimmte Muster in den Daten auf auffällige Art und Weise wiederholen. Solche Ergebnisse seien "höchst unwahrscheinlich". Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler möchten deshalb Einblick in die Originaldaten der Studie erhalten.

Chinesen schicken vier Kandidaten ins Rennen

Die Chinesen sind mit gleich vier Impfstoffkandidaten in der letzten klinischen Phase im Rennen. Die Firma Cansino arbeitet gemeinsam mit dem Pekinger Institut für Biotechnologie an einem Mittel, das jetzt ebenfalls im großen Stil getestet wird - unter anderem in Saudi-Arabien und Russland. Schon im Juni wurde es für die Anwendung im chinesischen Militär zugelassen.

Der Kandidat von Sinovac wird schon seit Mitte Juli unter anderem in Brasilien und Indonesien getestet. Die Firma hofft auf eine Zulassung bis Ende des Jahres.

Tagesschau erklärt: Wie kann eine Impfung gegen Corona funktionieren?
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Das Unternehmen Sinopharm arbeitet an gleich zwei Impfstoffkandidaten. Einmal mit dem Institut für biologische Produkte in Wuhan und außerdem mit dem Institut für biologische Produkte in Peking. Auch Sinopharm rechnet mit einer Impfstoffzulassung bis Ende des Jahres.

Die drei letzteren Impfstoffkandidaten werden schon jetzt innerhalb des chinesischen Notfallprogramms eingesetzt. Das heißt: Ausgewählte Gruppen - wie medizinisches Personal - können sich schon vor einer offiziellen Zulassung impfen lassen.

Am Montag haben auch die Vereinigten Arabischen Emirate einen chinesischen Impfstoffkandidaten für solche Fälle zugelassen. Sinopharm ist damit der erste Hersteller, der einen Impfstoffkandidaten für das Ausland bereitstellt – obwohl die klinischen Studien noch nicht abgeschlossen sind.

Mehrere US-Kandidaten am Start

Die US-amerikanische Firma Moderna hat gemeinsam mit dem Nationalen Institut für Allergien und infektiöse Krankheiten (NIAID) einen Kandidaten entwickelt. Der wird seit Ende Juli an etwa 30.000 Menschen getestet.

Kurz vor der dritten klinischen Phase stehen die Janssen Pharmaceutical Companies, die zum Konzern Johnson&Johnson gehören. Sie planen eine Studie mit sogar 60.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge soll es Anfang Oktober damit losgehen. Wenn sich das Mittel als erfolgreich erweist, wolle die Firma 2021 eine Milliarde Impfdosen produzieren.

Was sich in Deutschland sonst noch tut

In Deutschland beteiligen sich mehrere Unternehmen an der Impfstoffentwicklung. Die Bundesregierung fördert neben Biontech noch zwei weitere Firmen: Die Tübinger Firma Curevac befindet sich noch in der ersten klinischen Phase der Impfstoffentwicklung und testet an vergleichsweise wenigen Probandinnen und Probanden. Bald soll in Südamerika eine Erweiterung der Phase 1 starten - eine sogenannte Phase 2a -, bei der insbesondere ältere Menschen geimpft werden sollen. Im Oktober will das Unternehmen Daten zur ersten Phase vorlegen. Fallen diese positiv aus, will auch Curevac noch in diesem Jahr eine kombinierte Phase 2b/3 beginnen.

Das dritte deutsche Unternehmen, das von der Bundesregierung finanziell unterstützt werden soll, ist IDT Biologika aus Dessau-Rosslau. Es befindet sich mit seinem Impfstoffkandidaten noch in der vorklinischen Phase, testet also noch nicht an Menschen.

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