Impfzentrum in Berlin | dpa

Lieferausfälle Bundesländer klagen über Impfstoff-Chaos

Stand: 30.12.2020 16:51 Uhr

"Kleinere Probleme" zum Start der Corona-Impfungen hatte Gesundheitsminister Spahn angekündigt. Jetzt aber holpert es doch gewaltig: Mehrere Länder beklagen Lieferausfälle des Bundes. Die Regierung will nun schnell Nachschub liefern.

Bei der Auslieferung des Corona-Impfstoffes durch den Bund an die Länder ist es zu Schwierigkeiten gekommen. Die Landesregierungen von Berlin, Brandenburg und Bayern teilten mit, dass der Bund die für die erste Januarwoche angekündigten Lieferungen abgesagt hätte.

Der Bund beschafft den Impfstoff zentral, die Lieferungen werden dann nach einem Schlüssel auf die Länder verteilt.

Bund einigt sich mit Biontech

Inzwischen hat die Bundesregierung auf die teils harsche Kritik reagiert: Die Länder sollen nun doch schon in der ersten Woche des neuen Jahres Nachschub kommen.

Mit dem Impfstoff-Hersteller Biontech habe vereinbart werden können, dass die nächste Lieferung - wie ursprünglich geplant - bereits nächste Woche, am 8. Januar, erfolgen werde, teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. Danach solle die nächste Lieferung am 18. Januar kommen, ab dann vorerst wöchentlich jeweils montags. Dabei würden anfangs etwa 670.000 Dosen pro Woche geliefert.

Unsicherheit bei Lieferterminen

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml hatte zuvor erklärt: "Es ist für mich unverständlich, wie gerade bei derartig hohen Infektionszahlen eine komplette Lieferung einfach entfallen kann. Die eigentlich zugesagten Impfdosen waren in unseren Impfzentren bereits fest eingeplant."

Auch Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hatte Unsicherheiten bei den Lieferterminen beklagt. Sie sagte im rbb: "Das bringt uns jetzt in sehr große Schwierigkeiten, da wir aufbauend auf diese Zusagen unsere Planungen gemacht haben", so die SPD-Politikerin. Kalayci rechnete erst für den 11. Januar mit einer neuen Lieferung.

Ärger über "Impftourismus"

In Baden-Württemberg wurden zwar keine Lieferausfälle erwartet - dafür gibt es aber anderweitigen Ärger: Die baden-württembergische Landesregierung hat sich beim Nachbarland Rheinland-Pfalz über einen zunehmenden "Impftourismus" beschwert. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Stuttgart melden sich viele Menschen aus der rheinland-pfälzischen Grenzregion in Baden-Württemberg zum Impfen an, weil das bei ihnen noch nicht möglich sei.

In Baden-Württemberg können die Bürger bereits seit dem 27. Dezember einen Impftermin vereinbaren, in Rheinland-Pfalz soll die Terminvergabe erst am 4. Januar starten. Der Stuttgarter Minister Manne Lucha befürchtet eine "Ungleichverteilung des so knappen Gutes Impfstoff", wie es in einem Brief an seine Mainzer Kollegin Sabine Bätzing-Lichtenthäler heißt.

Kritik an Spahn

Gesundheitsminister Jens Spahn räumte ein, dass es zum Start der Kampagne vereinzelt Probleme gegeben habe. "Ja, es ruckelt an der einen oder anderen Stelle", sagte er. Insgesamt aber sei die "größte Impfkampagne in der Geschichte Deutschlands erfolgreich angelaufen."

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sieht das anders und kritisierte Spahn für dessen Planung. "Das Chaos rund um den Impfstart finde ich sehr ärgerlich“, sagte er der "Rheinischen Post". Spahn habe Monate Zeit gehabt, den geplanten Impfstart vorzubereiten. "Hierzu hat er ausreichende Kompetenzen bekommen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau und tagesschau24 am 30. Dezember 2020 um 17:00 Uhr.