Auf einen Corona-Impfstoff wartet die ganze Welt. | dpa

Coronavirus EU-Vertrag über Impfstoff ausgehandelt

Stand: 10.11.2020 15:27 Uhr

Die EU-Kommission hat mit Biontech und Pfizer einen Vertrag über den Impfstoff ausgehandelt. Sie setzt auf eine Unterzeichnung in den kommenden Tagen. Gesundheitsminister Spahn hofft, dass Deutschland bis zu 100 Millionen Dosen erhält.

Die EU-Kommission hat die Gespräche über die Lieferung eines Corona-Impfstoffs mit den Pharmafirmen Biontech und Pfizer beendet. "Wir haben die Verhandlungen abgeschlossen", sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Ziel sei es, "dass dieser Vertrag in den kommenden Tagen unterzeichnet wird".

Die EU-Kommission verhandelte seit Monaten mit Biontech und Pfizer. In einem Vorvertrag mit den beiden Unternehmen sicherte sie sich 200 Millionen Dosen. Für weitere 100 Millionen gibt es eine Option. Pro Impfung sind zwei Dosen nötig. Die Unternehmen hatten am Montag bekannt gegeben, dass ihr Impfstoff einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19 biete.

Bis zu 100 Millionen Dosen für Deutschland?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte, er gehe davon aus, dass Deutschland bis zu 100 Millionen Dosen erhalten werde. Ein Sprecher der EU-Kommission bekräftigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, dass bei der Verteilung des Impfstoffs weiterhin der Anteil an der EU-Bevölkerung einziges Kriterium sei. Dies sei aus Sicht Brüssels das einzig "faire Kriterium".

Deutschlands Bevölkerungsanteil in der EU liegt nach Daten der Statistikbehörde Eurostat in diesem Jahr bei 18,6 Prozent. Bei 200 Millionen Dosen stünden der Bundesregierung damit rechnerisch gut 37 Millionen Dosen zu. Gibt es - einschließlich der Option - bis zu 300 Millionen Dosen, wären es knapp 56 Millionen Dosen für Deutschland.

"Keine Parallelverhandlungen"

Der Kommissionssprecher betonte auch, Mitgliedstaaten hätten sich darauf verständigt, "keine Parallelverhandlungen" mit Pharmaunternehmen zu führen. "Dieses Vorgehen wurde durch die EU-Gesundheitsminister unterstützt."

Am Mittwoch wird die EU-Kommission laut dem Sprecher bei ihrer wöchentlichen Sitzung abschließend entscheiden, ob sie den Vertrag schließt. Danach müsse dieser Beschluss juristisch umgesetzt werden. EU-Kommissarin Kyriakides ging von "zwei oder drei weiteren Tagen" bis zur Unterzeichnung des Vertrags mit Biontech und Pfizer aus.

Noch keine Zulassung

Noch ist der Impfstoff allerdings nicht behördlich zugelassen. Biontech und Pfizer hatten erklärt, sie wollten bereits in der kommenden Woche in den USA die beschleunigte Genehmigung beantragen. Spahn sagte dazu, die Zulassungsverfahren in den USA und in der EU seien unterschiedlich.

Auch in Europa gebe es aber Möglichkeiten der Beschleunigung. Gleichzeitig würden Vorgaben etwa zu potenziellen Nebenwirkungen von Impfstoffen nicht abgesenkt, betonte der Minister.

Nach Spahns Angaben gibt es bereits fertige Verträge der EU mit den Pharmaunternehmen Astra Zeneca und Sanofi, die ebenfalls an Corona-Impfstoffen arbeiten. Ein Vertrag mit dem Unternehmen Johnson & Johnson sei "im Grunde" ebenfalls schon abgeschlossen.

90 Prozent Wirksamkeit

Mit "großartig" und "Riesenerfolg" wurde am Montag die Mitteilung der Mainzer Firma Biontech und ihres US-Partners Pfizer kommentiert. Der von ihnen entwickelte Impfstoff verhindere in mehr als 90 Prozent der Fälle eine Erkrankung an der durch das Coronavirus verursachten Krankheit Covid-19, hatten die Pharmaunternehmen verkündet. Dies sei in der laufenden klinischen Prüfung festgestellt worden.

Möglichst rasch große Mengen produzieren

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek setzt auf eine Herstellung in großem Stil. "Es wird darauf ankommen, den Impfstoff nun möglichst rasch und in großen Mengen zu produzieren", sagte Karliczek der Nachrichtenagentur dpa.

Die Nachricht von Biontech und Pfizer sei ein Grund zum Optimismus. Die beiden Pharmaunternehmen rechnen nach eigenen Angaben damit, dass noch in diesem Jahr bis zu 50 Millionen Impfstoff-Dosen bereitgestellt werden können. Im kommenden Jahr kalkulieren sie mit bis zu 1,3 Milliarden Dosen.

Trotz aller Freude noch Bedenken

Einige Mediziner und Forscher reagierten etwas verhaltener auf die Impfstoff-Nachricht. Der Tenor: Noch wisse man nicht genug über das Serum und die Pandemie werde sich damit nicht von einem Tag auf den anderen in Luft auflösen.

Die Virologin Isabella Eckerle sagte in der ARD-Sendung hart aber fair: "Der Impfstoff wird uns helfen, aus der Pandemie rauszukommen." Es werde aber eine lange Übergangsphase geben, in der die Corona-Schutzmaßnahmen beibehalten werden müssten. "Man darf sich das nicht so vorstellen, dass der Impfstoff kommt und ab morgen können wir wieder in unser altes Leben zurück", sagte Eckerle.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. November 2020 um 14:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Moderation 10.11.2020 • 16:33 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Alle wesentlichen Argumente sind genannt. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir, beschlossen die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation