Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze. | dpa

Regierung zu Corona-Pandemie Impfstoff erst für 2021 erwartet

Stand: 23.10.2020 16:38 Uhr

Ein Impfstoff gegen das Coronvirus noch in diesem Jahr? Medienberichten zufolge hält Gesundheitsminister Spahn das für möglich. Doch die offizielle Stellungnahme seines Ministeriums klingt deutlich zurückhaltender.

Die Corona-Infektionszahlen steigen - und mit ihnen die Erwartungen an einen Impfstoff gegen das Virus. Berichte, wonach ein Serum noch in diesem Jahr zugelassen werden könnte, kommentierte das Bundesgesundheitsministerium zurückhaltend.

Man gehe weiterhin davon aus, dass ein Impfstoff Anfang 2021 zur Verfügung stehen könnte, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Der "Spiegel" zitiert Gesundheitsminister Jens Spahn in seiner neuen Ausgabe mit den Worten, es könne Januar sein, vielleicht auch Februar oder März - oder sogar noch später.

"Bild": Erste Impfungen möglicherweise noch dieses Jahr

Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung berichtet, dass Impfungen schon früher möglich sein könnten. Spahn habe in einer Videokonferenz mit den Gesundheitsministern der Länder Anfang der Woche erklärt, die Firma BioNTech stehe dicht vor der Zulassung eines Impfstoffs. Auf Nachfragen, wann er mit ersten Impfungen rechne, habe der CDU-Politiker gesagt: "Das könnte noch vor Ende des Jahres passieren."

Der Vorstandschef des Tübinger Biopharmaunternehmens CureVac, Franz-Werner Haas, rechnet nicht damit, dass der Impfstoff seiner Firma noch in diesem Jahr auf den Markt kommt. CureVac hatte nach der Mainzer Firma BioNTech als zweites deutsches Unternehmen die Genehmigung für eine klinische Studie bekommen.

Offenbar 60 Impfzentren geplant

Wie die "Bild" weiter berichtet, wurden die Landesregierungen in dieser Woche vom Bundesgesundheitsministerium aufgefordert, bis zum 10. November Lieferadressen für den Impfstoff zu nennen. Insgesamt sollen demnach bundesweit 60 Impfzentren entstehen. Spahn hatte mehrfach von der Einrichtung solcher Impfzentren gesprochen, etwa in Messehallen.

Hintergrund ist unter anderem die Beschaffenheit der erwarteten Impfstoffe. Diese würden wahrscheinlich bei minus 20 bis minus 70 Grad Celsius transportiert und gelagert werden müssen, so der Minister Anfang des Monats. Dafür brauche es entsprechende Geräte für Lieferung und Lagerung, zumal die Stoffe wahrscheinlich in "größeren Gebinden" kämen, so Spahn.

Auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, befürwortet die Einrichtung von Impfzentren. Wenn es zu einer Priorisierung komme, könne man das den Hausärzten nicht auflasten, so Mertens. Sie könnten dann zum Beispiel vor dem Dilemma stehen, dass sie einen Patienten abweisen müssten, der schon lange in eine Praxis kommt, aber noch nicht an der Reihe ist. 

Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung weist darauf hin: Impfzentren machen in Städten Sinn, auf dem Land weniger. Es müsse vor allem regional entschieden werden, wie die Impfungen ablaufen. Dabei solle man auch die Strukturen nutzen, die bereits für den Kampf gegen die Corona-Pandemie aufgebaut wurden - zum Beispiel Corona-Praxen, die zu bestimmten Zeiten ausschließlich diese Patienten behandeln. 

Spahn: Keine Impfpflicht

Der Ministeriumssprecher wollte den Bericht über die Impfzentren nicht kommentieren, da es sich um interne Gespräche gehandelt habe. Spahn und auch Forschungsministerin Anja Karliczek hatten zuletzt von ersten möglichen Impfungen im ersten Quartal 2021 gesprochen. Der Gesundheitsminister plädiert dafür, dass zunächst besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen die Möglichkeit zur Impfung bekommen. Eine Impfpflicht soll es nicht geben.

Mit Informationen von Sophie von der Tann, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Oktober 2020 um 16:00 Uhr.