Menschen stehen in einer Warteschlange für Impfinteressierte an. | dpa

Debatte über Impfpflicht Deutlich mehr Impfungen

Stand: 25.11.2021 14:22 Uhr

Die Zahl der Erstimpfungen ist erstmals seit Mitte September auf mehr als 100.000 pro Tag gestiegen - fast 800.000 Dosen wurden insgesamt verabreicht. Gleichzeitig mehren sich die Stimmen für eine Impfpflicht.

In Deutschland gehen wieder sehr viel Menschen zum Impfen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden allein am Mittwoch 795.386 Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Das ist der höchste Tageswert seit dem 14. Juli.

Dabei wurden laut RKI 101.338 Erstimpfungen verabreichtet - so viele wie seit dem 16. September nicht mehr. 67.513 Menschen bekamen zudem ihre Zweitimpfungen und 626.535 Personen eine Booster-Impfung. Bereits am Vortag war die Zahl der verabreichten Impfdosen stark gestiegen.

DIVI: Impfpflicht ist "alternativlos"

Unterdessen geht die Debatte über eine allgemeine Impfpflicht weiter. Für eine solche sprachen sich die Intensivmediziner aus. "Es gilt unsere Patienten zu schützen, Menschenleben zu retten und auch unser Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren", erklärte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), nach einem einstimmigen Beschluss des Präsidiums.

Eine Impfpflicht für alle Erwachsenen sei alternativlos, um die Pandemie auch langfristig hinter sich zu lassen. Die Hoffnung auf eine höhere Impfbereitschaft in der Bevölkerung habe sich nicht erfüllt. Die Mitarbeiter in den Kliniken und besonders auf den Intensivstationen und in der Notfallmedizin bräuchten aber eine Perspektive. "Wir können nicht in jeder Wintersaison wieder eine neue Welle zahlreicher schwerer Covid-19-Verläufe riskieren", warnte Marx.

Eine Impfpflicht nur für bestimmte Berufsgruppen, etwa für das Pflegepersonal, lehnt die DIVI ab. Dies sei weder ausreichend noch moralisch zu rechtfertigen.

Göring-Eckardt: Impfpflicht hilft langfristig

Auch die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, sieht in einer allgemeinen Impfpflicht eine Entlastung bei der Bekämpfung der Krankheit in der Zukunft. Im ARD-Morgenmagazin sagte sie: "Die Impfpflicht hilft uns nicht jetzt, aber sie hilft uns später, nicht wieder von einem Lockdown zum nächsten zu kommen." Es sei ein schwerer Eingriff, aber sie schrecke davor nicht zurück.

Was im Moment gegen die Corona-Welle helfe, seien die 2G- und 3G-Regeln, so die Grünen-Politikerin. Das zeige sich zum Beispiel daran, dass die Schlangen an den Impfmöglichkeiten extrem lang seien.

Buschmann: Verbietet sich, irgendwas auszuschließen

Der designierte Bundesjustizminister Marco Buschmann schließt eine allgemeine Impflicht zumindest nicht auf Dauer aus. "In einer dynamischen Lage, wenn man es mit einer solchen Krankheit zu tun hat, irgendwas kategorisch für alle Zeiten auszuschließen, verbietet sich", sagte Buschmann im ARD-Morgenmagazin. Auf der Tagesordnung stehe dieses Thema aber nicht. In der aktuellen Krisensituation würde eine allgemeine Impfpflicht "nicht helfen", so der FDP-Politiker. 

Für "richtig und klug" halte er es, "dass wir jetzt das Thema einrichtungsbezogene Impfpflicht angehen", sagte Buschmann. Der parlamentarische Geschäftsführer der FDP, verwies zugleich auf "schwierige Fragen" hinsichtlich der Umsetzbarkeit und Organisation einer allgemeinen Impfpflicht.

Die Ampel-Parteien planen aber eine Impfpflicht in Alten- und Pflegeheimen. Eine Ausweitung der Impfpflicht darüber hinaus will die geplante Koalition prüfen.

Arbeitgeber offen für Impfpflicht

Offen für eine allgemeine Impfpflicht zeigte sich auch Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger: "Wir setzen auf Dialog und Überzeugung. Daher ist eine gesetzliche Impfpflicht immer nur die zweitbeste Lösung. Sie darf aber nicht von vornherein ausgeschlossen werden", sagte der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands BDA der "Rheinischen Post".

Die Arbeitgeber seien bereit, auch "konstruktiv an der Intensivierung des Impfens mitzuwirken", sagte Dulger. Notwendig dazu sei "eine klare Ansage aus der Politik statt ständig wechselnde Regeln". Wirksame Schutzimpfungen und kontinuierliches Testen seien die wichtigsten Instrumente raus aus der Pandemie. Gerade für Mitarbeiter, die mit gefährdeten Personengruppen arbeiten, sei die Bereitschaft zur Impfung ein "Zeichen von Pflichtgefühl und Rücksichtnahme auf ihre Mitmenschen". 

DGB-Chef Hoffmann für Impfpflicht

Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, hatte sich am Mittwoch im RBB "persönlich" für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen. "In den Gewerkschaften diskutieren wir dieses offensiv", fügte er hinzu. Hoffmann warnte aber, dass eine generelle Impfpflicht "keine schnelle Wirkung entfalten" werde. Wichtig sei, die rechtlichen Hürden im Auge zu behalten und die Praktikabilität. Nötig sei hier ein "breiter Konsens".

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 25. November 2021 um 07:10 Uhr.