Der Impfbus steht auf dem Hof vor dem Gemeindehaus der Moschee in Bönen. | picture alliance/dpa

Bundesweite Aktionswoche Millionen Impfwillige gesucht

Stand: 13.09.2021 15:41 Uhr

Eine bundesweite Aktionswoche soll die ins Stocken geratene Impfkampagne wieder in Schwung bringen. Gesundheitsminister Spahn betont: Viele Ungeimpfte seien nicht dagegen, sondern hätten bisher nur keine Gelegenheit gehabt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat zum Auftakt der bundesweiten Aktionswoche zur Corona-Impfung aufgerufen. "Ganz viele" bislang noch Ungeimpfte seien nicht gegen eine Impfung, sagte der CDU-Politiker. Es gehe für viele um die "einfache Gelegenheit", sich impfen zu lassen.

Es gehe darum, vor Herbst und Winter nochmal mehr Menschen zu überzeugen, sagte Spahn dem WDR. "Jetzt, wo auch die Impfzentren Ende September schließen werden, wechseln wir stärker auf mobile Teams", so der Minister.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie soll die heute gestartete bundesweite Impfaktionswoche neue Fortschritte bringen. Jeder Bürgerin und jeder Bürger kann sich an zahlreichen Stellen ohne Termin und kostenfrei gegen Corona impfen lassen.

Bundesweit 700 Impfaktionen

Neben den dauerhaften Impfmöglichkeiten etwa in den Impfzentren sollen zahlreiche temporäre Angebote, zum Beispiel in Bibliotheken oder Einkaufszentren, die Impfquote weiter erhöhen. 700 solcher Impfangebote gebe es laut Regierungssprecher Steffen Seibert bundesweit.

Seibert zufolge sind aktuell 62,2 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft, 66,5 Prozent haben eine erste Impfung erhalten. "Jede weitere Impfung zählt und wird uns sicherer in Herbst und Winter gehen lassen", betonte der Regierungssprecher. Die Quote stieg zuletzt nur langsam weiter an. Nach Ansicht von Experten sind mindestens 75 Prozent nötig, um die vierte Welle noch abzuflachen, deutlich mehr, um sie zu verhindern.

Die Regierung strebt bei den Über-60-Jährigen eine Quote von über 90 Prozent an, bei den 12- bis 59-Jährigen von 75 Prozent, wie Spahn vergangene Woche gesagt hatte. Nötig seien dafür noch rund fünf Millionen Impfungen.

"Nutzen übertrifft Nebenwirkungen"

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek verwies darauf, dass eine hohe Impfquote besonders den Kindern nütze. "In dieser Woche sollten sich alle die, die sich bisher nicht haben impfen lassen, einen Ruck geben." Sie wolle "daran erinnern, dass eine hohe Impfquote jetzt auf besondere Weise unseren Kindern nützt", sagte die CDU-Politikerin.

Für Kinder unter zwölf gibt es bisher keine zugelassenen Corona-Impfstoffe. Jugendlichen ab zwölf Jahren empfahl Karliczek die Impfung. Sie unterstrich, dass die zugelassenen Impfstoffe wirksam und sicher seien: "Der Nutzen einer Impfung übertrifft mögliche etwaige Nebenwirkungen um ein Vielfaches." 

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) will Ungeimpfte etwa "mit einer langen Nacht des Impfens und mit Döner-Gutscheinen" überzeugen. Die Impfquote komme leider nur schleppend voran, sagte sie dem Sender "RTL/ntv. "Wenn man ehrlich ist, muss man sagen, wir haben es nicht geschafft." Der Herbst stehe vor der Tür, "wir sind in der vierten Welle, und wir haben Impfquoten, die sind tatsächlich nicht ausreichend, um das Schlimmste zu vermeiden".

FDP kritisiert Impfwoche

Kritik kam von der FDP. "Die Impfaktionswoche der Bundesregierung ist der klägliche Versuch, von eigenem Versagen abzulenken", sagte Fraktionsvize Michael Theurer dem "Handelsblatt" vom Montag. Merkel und Spahn hätten Monate Zeit gehabt, eine breit angelegte Aufklärungs- und Informationskampagne umsetzen. Stattdessen diene die Impfaktionswoche der Bundesregierung als "fadenscheiniger Vorwand, doch noch einen Impfzwang einzuführen", so sein Vorwurf.

Diese Kritik wies Gesundheitsminister Spahn indes zurück. Es sei die eigene Entscheidung, ob man sich impfen lasse. Doch man müsse auch die Konsequenzen aus der Entscheidung tragen. Wenn also, so Spahn, etwa ein Ungeimpfter nach einer Reise in ein Risikogebiet in Quarantäne müsse - warum sollten dann alle anderen dafür zahlen? Spahn bezeichnete es als wichtig, dass aus Spannungen zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften keine gesellschaftliche Spaltung werde.

Laschet lehnt Impfpflicht erneut ab

Von einer Impfpflicht distanzierte sich auch Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet. "Ich vertraue noch auf die Einsicht der Menschen", sagte er im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. Er habe den Eindruck, dass manche beim Thema Impfen nur zu nachlässig seien und nicht darüber nachgedacht hätten. "Echte Impfverweigerer gibt es gar nicht so viele."

Die Impfaktionswoche dauert bis zum 19. September. Doch auch danach sollen die Aktionen weiter fortgeführt werden, wie Kanzleramtsminister Helge Braun ankündigte. "Das endet nicht mit der Impfwoche, das wird in den nächsten Wochen fortgesetzt", sagte er im ZDF.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. September 2021 um 17:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Moderation 13.09.2021 • 21:50 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir beschlossen, die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation