Corona-Schnelltest bei einer Bewohnerin eines Altenheims | dpa

Corona in Pflegeheimen Unterstützung bei Schnelltests gefordert

Stand: 03.12.2020 10:09 Uhr

Corona-Schnelltests sollen auch in Pflegeheimen für mehr Sicherheit und Normalität sorgen. Doch offenbar hakt es bei der Durchführung. Patientenschützer fordern Hilfe von Bundeswehr und Katastrophenschutz.

Eine Maßnahme, um die anhaltenden Corona-Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen zu stoppen, sind Schnelltests. Doch die Heime bekommen nach Meinung von Experten nicht genügend personelle Unterstützung, um Bewohner und Personal auf das Virus zu testen. Die Bemühungen von Bund und Ländern seien völlig ungenügend, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Bundeswehr und Katastrophenschutz müssten sofort Kräfte schicken, um zu helfen.

Die Ansteckungen in Heimen müssten gestoppt werden, sonst werde es für viele Heimbewohner zu spät, mahnte Brysch. "Die Impfstoffverheißung klingt für sie wie ein höhnischer Ruf an Ertrinkende, man werde ihnen in drei Monaten den Rettungsring zuwerfen." Es werde Monate dauern, bis Heimbewohner, Pflegebedürftige zu Hause und Pflegekräfte durchgeimpft seien. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nehme "die Vereinsamung zu Weihnachten in Kauf".

"Viel mehr Normalität und Sicherheit wären möglich"

Auch die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) forderte dringend mehr Unterstützung. "Bund, Länder und Gesundheitsämter sind gleichermaßen gefragt, für schnelle Entlastung der Heime zu sorgen, denn dank Schnelltestung wären viel mehr Normalität und Sicherheit möglich", sagte DGKH-Vorstandssprecher Peter Walger der Zeitung. Tausende Freiwillige hätten sich gemeldet, um beim Aufbau der Impfzentren mitzuhelfen. Eine vergleichbare Aktion könne auch für den Schutz von Pflegeeinrichtungen organisiert werden, sagte Walger.

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, warnte vor einer neuerlichen Abriegelung der Heime. Es mache ihm Sorge, dass es weiterhin zu Ansteckungen in den Einrichtungen komme, sagte er dem Blatt. Das dürfe aber kein Argument sein, wieder pauschale Besuchsverbote auszusprechen.

Neun Euro pro Test werden übernommen

Das Gesundheitsministerium erklärte auf Nachfrage der Zeitung, durch das neue Bevölkerungsschutzgesetz werde es Mitarbeitern der Medizinischen Dienste der Krankenkassen bereits ermöglicht, Pflegeheime befristet bei der Corona-Eindämmung zu unterstützen. Seit Mitte November würden für Tests und Personalaufwand neun Euro pro Test übernommen. Beschaffung und Organisation könnten "nach anfänglichen Schwierigkeiten sehr weitgehend durchgeführt werden", so das Ministerium weiter. Überdies sei die Zahl der Tests, die erstattet würden, "auf 30 pro Bewohner und Monat" erhöht worden.

Deutlicher Anstieg der Fälle in Pflegeeinrichtungen

RKI-Chef Lothar Wieler sieht einen sehr starken Anstieg der Corona-Infektionen und -Sterbefälle in Alten- und Pflegeheimen. Aktuell seien 2300 Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen mit dem Coronavirus infiziert. 5292 seien bislang an oder mit Covid-19 gestorben. 26.000 Infektionen in Alten- und Pflegeheimen wurden dem RKI seit dem Ausbruch der Pandemie gemeldet. Das bedeute, dass etwa jeder fünfte Infizierte in Pflegeheimen sterbe, sagte Wieler.

Bei den Pflegekräften liegt die Zahl nach RKI-Angaben deutlich niedriger: Hier sind aktuell 557 Frauen und Männer infiziert, insgesamt waren es 17.500. 55 Pflegende sind bislang gestorben.

Wieler sagte, die Zahl der Fälle in Pflegeheimen sei mittlerweile so hoch wie bei der ersten Welle im Frühjahr. Die Dynamik der Infektionen in Krankenhäusern sei dagegen wesentlich geringer.