Passage in Freiburg im Breisgau | dpa

Verschärfter Teil-Lockdown Länder auf Sonderwegen

Stand: 26.11.2020 22:21 Uhr

Berlin, Hessen und NRW wollen zu Weihnachten Übernachtungen im Hotel zulassen - solange es sich um Verwandtenbesuche handelt. Der Hotelverband Dehoga ist von dieser Idee nicht begeistert.

In Hessen, Nordrhein-Westfalen und Berlin sollen bei Verwandtenbesuchen über Weihnachten auch Übernachtungen in Hotels möglich sein. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sagte nach einer Senatssitzung: "Wenn es eine Reise ist, die nicht touristischer Natur ist, dann gibt es auch eine Übernachtungsmöglichkeit in den Hotels."

Diese Aussage steht in Gegensatz zu dem Kurs, den Berlins Regierung auch über Feiertage fahren will. In der Hauptstadt war die Zahl der Neuinfektionen heute um 1110 gestiegen. Der seit Anfang November geltende Teil-Lockdown wird nun bis zum 22. Dezember verlängert. Die Menschen müssen sich auf Feiertage im kleinen Kreis einstellen - das gilt auch für Silvester. Die Maskenpflicht auf Berlins Straßen wird ausgeweitet.

Übernachtungen auch in Hessen und NRW

Auch in Hessen und NRW sollen Hotelübernachtungen zur Weihnachtszeit möglich sein. Wer eine Verwandtenreise mache, "der muss ja auch die Chance haben, irgendwo übernachten zu können", sagte Hessens Landeschef Volker Bouffier. Ähnlich äußerte sich Armin Laschet aus Nordrhein-Westfalen: Touristische Reisen seien zwar derzeit untersagt, wenn aber Familien sich besuchten und keine Übernachtungsmöglichkeit bei den Verwandten hätten, seien über die Weihnachtstage auch Übernachtungen in einem Hotel möglich.

Am Mittwoch hatten Bund und Länder Beschlüsse dazu gefasst, wie es im Dezember und über die Feiertage im Kampf gegen die Corona-Pandemie weitergehen soll. Über Weihnachten sollen vom 23. Dezember bis 1. Januar die Kontakt-Beschränkungen gelockert werden, um Familienbesuche zu ermöglichen. Kanzleramtschef Helge Braun sagte, Hotels und Gastronomie seien nun zunächst bis 20. Dezember geschlossen. "Aber wir gehen auch davon aus, dass wir das noch in den Januar hinein verlängern müssen." Er und die Kanzlerin lehnten es ab, dass Verwandte während ihres Besuchs in Hotels übernachten.

"Nächste Pachtzahlung steht an"

"Die Situation unserer Branche ist sehr dramatisch", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, Ingrid Hartges, der Nachrichtenagentur dpa. "Nun sind die Gehälter für den November fällig, und auch die nächste Pachtzahlung steht an." Hartges drängte auf eine schnelle Auszahlung der für November zugesagten Hilfen des Bundes.
Sie geht nicht von einer Öffnung der Branchenbetriebe zwischen Weihnachten und Neujahr aus. Zu dieser Einschätzung komme sie im Lichte der aktuell beschlossenen Kontaktbeschränkungen, sagte sie Deutschlandfunk. Genauere Entscheidungen dazu erwarte sie im Dezember.

Eine Umfrage unter den Betrieben des Verbands habe ergeben, dass sich für 90 Prozent der Befragten eine Öffnung für nur fünf Tage zwischen Weihnachten und Neujahr nicht rechne. Zudem sei die Personaleinsatzplanung wegen der Kurzarbeit sehr aufwändig.

Der Einzelhandel ächzt

Auch in anderen Branchen werden die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen mit Zähneknirschen registriert. Der Handel warnt vor dramatischen Folgen, die der verschärfte Teil-Lockdown verursache. Durften Einzelhändler bislang weitgehend ohne Einschränkungen öffnen, zielen die neuen Maßnahmen vor allem auf sie ab: In Geschäften mit mehr als 800 Quadratmetern - also auch in nahezu allen Supermärkten - dürfen fortan weniger Kunden gleichzeitig einkaufen als bisher.

Wie schon im Frühjahr werden die Betreiber also mit Türstehern und Abstandsmarkierungen dafür sorgen müssen, dass diese Regeln eingehalten werden. "Der große Verlierer sind viele Innenstadt-Händler, denen unter den Corona-Bedingungen die Kunden und die Umsätze wegbrechen", klagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth. Stattdessen werde mehr im Internet eingekauft werden.