Atemschutzmasken | dpa

Bundesregierung gegen Maskenpflicht "In der jetzigen Lage keine Notwendigkeit"

Stand: 31.03.2020 18:49 Uhr

Gesundheitsminister Spahn strebt zunächst keine generelle Maskenpflicht in Deutschland an. Vielmehr sollen Beschäftigte in medizinischen Berufen besser mit Ausrüstung versorgt werden. Experten streiten über den Nutzen einfacher Stoffmasken.

Noch während die Debatte über das Für und Wider einer Maskenpflicht läuft, wollen einzelne Kommunen in Deutschland Fakten schaffen: Im thüringischen Jena soll ab kommender Woche das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes in Supermärkten und im Nahverkehr zur Pflicht werden. Gleiches plant der Landkreis Nordhausen in Thüringen. Auch das hessische Hanau rief seine Bürger zur Verwendung von Schutzmasken auf.

Es geht dabei vor allem um den einfachen Mund-Nasen-Schutz. Der kann zwar den Träger nicht vor Ansteckung mit Corona bewahren, aber andere Menschen schützen.

"Priorität für medizinische Berufe"

Die Bundesregierung will derzeit keine flächendeckende Maskenpflicht einführen, wie es sie etwa ab morgen in Österreich geben soll. "In der jetzigen Lage sehe ich keinerlei Notwendigkeit zu einer Verpflichtung", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. In der Bevölkerung sehe er eine große Bereitschaft, Masken zu tragen und dadurch andere vor einer Ansteckung zu schützen. Dies sei ein Zeichen für "Solidarität", so der CDU-Politiker. 

Innenminister Horst Seehofer schloss aber nicht aus, dass mittelfristige eine Maskenpflicht kommen könnte. Es könne eine Situation eintreten, in der dieses Thema "möglicherweise einmal diskutiert werden" müsse - allerdings "nicht jetzt", sagte er der "Bild"-Zeitung. Wenn die Infektionsraten zurückgingen und das Wirtschaftsleben wieder in Gang kommen müsse, könne es notwendig werden, einen Mundschutz zu tragen.

Massive Preissprünge bei Masken

Der CSU-Politiker sieht als Priorität an, zunächst ausreichend Atemmasken für Angestellte in medizinischen Berufen und Sicherheitsbeamte zu organisieren. Sie seien einer besonderen Ansteckungsgefahr ausgesetzt, betonte Seehofer.

Zuletzt kamen aus allen Ecken der Republik Alarmrufe. Der Bund konnte inzwischen rund 20 Millionen Masken an Kassenärztliche Vereinigungen und die Länder verteilen. Sie sollen die Ausrüstung an Praxen, Kliniken und Pflegeheime weiterleiten.

Der Markt für Schutzmasken sei wahnsinnig umkämpft, die Preise gingen hoch und runter wie am Goldmarkt, hatte Spahn in der vergangenen Woche gesagt. Massenware, wie Masken es seien, habe einst sechs Cent oder 17 Cent das Stück gekostet. Inzwischen werde für medizinische Masken über drei, fünf oder sechs Euro geredet.

Experten sind uneins

Virologen und Ärzte sind in der Frage, ob das Tragen einer Maske an der Supermarkt-Kasse oder im Bus tatsächlich die Ausbreitung des Virus abbremsen kann, gespalten. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hält die Maßnahme für "reine Symbolpolitik". Die Maske vermittele eine trügerische Sicherheit, helfe aber so gut wie gar nicht, sagte er dem "Handelsblatt".

Der Virologe Alexander Kekulé sagte dagegen im Gespräch mit dem MDR, aus Hongkong wisse man, dass das Tragen einer Maske in Kombination mit anderen Verhaltensregeln erheblich dazu beitragen könne, die Krankheit unter Kontrolle zu halten. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, betonte, auch ein selbstgebauter Schutz halte Tröpfchen zurück, wenn man huste und niese.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. März 2020 um 20:00 Uhr.