Eine Krankenschwester betrachtet in Schutzkleidung und mit einer Atemmaske zwei Abstrichröhrchen. | Bildquelle: picture alliance/dpa

Neuartiges Coronavirus Fallzahlen steigend, Gefahr mäßig

Stand: 03.03.2020 22:39 Uhr

Das Coronavirus breitet sich in Deutschland weiter aus - inzwischen melden auch Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland Infektionen. Weltweit stieg die Zahl der Toten. Die Weltbank legt wegen des Virus ein Milliarden-Hilfspaket auf.

Das neuartige Coronavirus erfasst immer mehr Bundesländer: Erstmals sind auch in Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland Infektionen festgestellt worden - damit sind nun bis auf Sachsen-Anhalt alle Bundesländer betroffen.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zwei Betroffene. Das Ehepaar aus Greifswald hatte Ende Februar auf einem Kongress in Baden-Württemberg Kontakt zu einer infizierten Person, wie das Gesundheitsministerium in Schwerin mitteilte. Die beiden seien umgehend zu Hause isoliert worden, teilte die zuständige Amtsärztin mit.

Bei dem Infizierten im Saarland handelt sich um einen Arzt der Kinderklinik am Uni-Klinikum Homburg (UKS). Er sei im UKS isoliert von den übrigen Patienten untergebracht worden und werde dort behandelt, teilte das zuständige Gesundheitsministerium mit. Derzeit gehe es ihm gut.

Mehr als 190 Fälle bundesweit

Die Zahl der bestätigten Infektionen in Deutschland ist damit auf 196 gestiegen. Am stärksten betroffen sind die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

"Mit weiteren Fällen, Infektionsketten und auch Ausbrüchen in Deutschland muss gerechnet werden", sagte der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts, Lars Schaade. Die Gefahr für die Bevölkerung werde in Deutschland aktuell aber weiter als "mäßig" eingeschätzt. Gesundheitsminister Jens Spahn kündigte für Mittwoch eine Erklärung des Bundesregierung an.

Aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung ist inzwischen auch die Leipziger Buchmesse abgesagt worden, ein Publikumsmagnet mit jährlich fast 300.000 Besuchern. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer schrieb auf Twitter: "Gesundheit und Sicherheit gehen in diesem Fall ganz klar vor."

Ziel sei es, die sächsische Bevölkerung zu schützen und eine Ausbreitung des Coronavirus so weit wie möglich einzudämmen und zu bekämpfen, so der CDU-Politiker. "Dafür gilt es, konsequent, präventiv und verantwortungsbewusst zu handeln." Die Messe gilt als das Frühjahrsereignis der Buch- und Medienbranche und sollte eigentlich vom 12. bis 15. März stattfinden.

Entwarnung für Kreuzfahrtpassagiere in Norwegen

Der Verdacht einer Coronavirus-Infektion bei zwei Passagieren auf dem Kreuzfahrtschiff "Aida Aura" hat sich unterdessen nicht bestätigt. Der Test auf Sars-CoV-2 sei negativ ausgefallen, teilte der Direktor der Kommune Haugesund mit. Ein Sprecher von Aida Cruises teilte mit, das Schiff mit rund 1200 Menschen an Bord werde den Hafen der norwegischen Küstenstadt Haugesund noch am Dienstag verlassen.

Das Paar hatte befürchtet, sich mit dem ansteckenden Virus infiziert zu haben und beim Einlaufen des Schiffs in Haugesund um den Test gebeten. Einer der beiden hatte in der vergangenen Woche in einer Einrichtung gearbeitet, in der inzwischen zwei Menschen positiv auf das Virus getestet wurden. Die Reederei hatte daraufhin gebeten, einen Tag länger als geplant im Hafen liegen bleiben zu dürfen.

Weltbank legt Milliarden-Hilfspaket auf

Die Weltbank kündigte Soforthilfen in Höhe von zwölf Milliarden Dollar an. Ziel sei es, den Staaten "schnell" und "effektiv" zu helfen, sagte Weltbank-Präsident David Malpass. Laut einer Erklärung kann das Geld für medizinische Ausstattung und Gesundheitsdienste eingesetzt werden. Ein Teil der Hilfsgelder geht demnach an einige der ärmsten Länder der Welt. Das Hilfspaket richte sich an Länder, die Hilfe bei der Weltbank erbeten hätten, sagte Malpass. Man sei mit verschiedenen Mitgliedstaaten in Kontakt. Welche Regierungen als erste unterstützt werden sollen, sagte er nicht.

Zahl der Toten weltweit gestiegen

Weltweit ist die Zahl der Todesfälle infolge des Virus in die Höhe geklettert: In Italien hat sich die Zahl innerhalb von 24 Stunden mehr als verdoppelt - von 34 auf mittlerweile 79. Fast immer seien ältere Menschen oder Patienten mit chronischen Gesundheitsproblemen wie Nierenversagen, Herzerkrankungen oder Krebs betroffen, so die Zivilschutzbehörde. Auch in Spanien gibt es mittlerweile einen ersten Toten. Im US-Bundesstaat Washington sind inzwischen neun Tote bestätigt.

Die meisten Infektionen verlaufen milde

Schwere Verläufe der vom Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 sind selten, ein darauf zurückgehender Todesfall wurde in Deutschland bisher nicht erfasst. Bei weitem nicht jeder mit dem Virus Sars-CoV-2 Infizierte erkrankt an der Lungenkrankheit Covid-19. Zudem hat die große Mehrheit der Betroffenen lediglich Erkältungssymptome, die rasch wieder abklingen.

Kritischere Krankheitsverläufe - etwa eine Lungenentzündung - entwickeln nach den bisherigen weltweiten Erkenntnissen bis zu 15 Prozent der Betroffenen, unter ihnen häufig alte Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen. Die Isolation der Betroffenen und die Suche nach Kontaktpersonen erfolgt, damit sich die Ausbreitung des Virus möglichst verlangsamt. Dadurch soll möglichst viel Kapazität im Gesundheitssystem erhalten bleiben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. März 2020 um 20:00 Uhr.

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