Polizisten sperren den Platz um die Siegessäule für Demonstranten | Bildquelle: dpa

Corona-Demos in Berlin Polizei ermittelt auch in den eigenen Reihen

Stand: 31.08.2020 18:10 Uhr

Bei den Corona-Demos in Berlin soll die Polizei mit Gewalt gegen zwei Frauen vorgegangen sein. Das sollen Videos in den sozialen Medien belegen. Nun wird gegen Einsatzkräfte und die beiden Frauen ermittelt.

Nach den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin ermittelt die Polizei in den eigenen Reihen. Es gehe um eine Anzeige und den Verdacht der Körperverletzung im Amt, sagte ein Polizeisprecher. Geführt werden die Untersuchungen vom Kommissariat für Beamtendelikte beim Landeskriminalamt (LKA) in Berlin.

In Videos, die in den sozialen Medien geteilt werden, sind zwei Szenen zu sehen, bei denen Polizisten beim Versuch der Festnahme Gewalt anwenden. In einem Fall handelt es sich um eine 60-Jährige nahe der Siegessäule. Auf dem Boden liegend wehrt sie sich schreiend gegen Polizisten, die versuchen, ihre Arme auf den Rücken zu ziehen.

Bei einem zweiten Fall handelt es sich um eine schwangere Frau im Tiergarten, die ebenfalls am Boden liegend von Polizisten umringt ist. In beiden Szenen reden Demonstranten in stark aufgeheizter Stimmung auf die Polizisten ein. Wie die Lage jeweils zustande kam, zeigen die Aufnahmen nicht.

Ermittlungen auch gegen die beiden Frauen

Auf Nachfrage verwies die Berliner Polizei auf eine Stellungnahme. Die 60-jährige Frau sei nach derzeitigem Erkenntnisstand am Sonntag kurz vor 13 Uhr von Einsatzkräften festgenommen worden. Sie habe sich an einer unerlaubten Versammlung beteiligt und sich trotz mehrfacher Aufforderung nicht entfernt. Sie soll einem Polizisten in den Bauch getreten haben und wollte offenbar einem anderen in den Arm beißen. Als sie sich am Boden liegend wehrte, schlug ein Polizist zwei Mal mit der Faust in ihren oberen Rückenbereich - das ist auf zwei Videos zu erkennen.

Nach Angaben der Polizei wurde die Frau leicht verletzt. Sie habe jedoch auf angebotene ärztliche Behandlung verzichtet. Nach Feststellung ihrer Personalien sei sie vor Ort entlassen worden.

Zur schwangeren Frau teilte die Polizei mit, die 42-Jährige habe gegen 13:45 Uhr versucht, eine Absperrung zu durchbrechen. Sie soll einen Beamten bespuckt und geschlagen haben. Einsatzkräfte hätten sie zu Boden gebracht und festgenommen. Sanitäter hätten keine Verletzungen festgestellt, einen Transport ins Krankenhaus habe sie abgelehnt.

Falschmeldungen über angeblichen Todesfall

Gegen beide Frauen laufen Strafermittlungen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte durch einen tätlichen Angriff und Körperverletzung. Die Polizei betonte, anders als in sozialen Medien behauptet, gebe es keine Anhaltspunkte für eine Gesundheitsbeeinträchtigung der Mutter und des ungeborenen Kindes. Auch Behauptungen, wonach die 60-Jährige gestorben sei, stimmen nach Polizeiangaben nicht. Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagte im Innenausschuss, von einem Todesfall nach einem Polizeieinsatz wisse sie nichts.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. August 2020 um 14:00 Uhr.

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