Demonstration in Hamburg gegen die Corona-Beschränkungen | dpa

Corona-Maßnahmen Demonstrationen dagegen - und dafür

Stand: 08.01.2022 17:21 Uhr

Hamburg, Schwerin, Magdeburg - wieder hat es Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen gegeben. In Minden wurde hingegen gegen "Querdenker" protestiert. Auch Gesundheitsminister Lauterbach warnte vor einer "Blase von Scheinwahrheiten".

In mehreren Städten haben erneut insgesamt einige Tausend Gegner der Corona-Politik demonstriert. In Hamburg zogen laut Polizeiangaben knapp 14.000 Menschen durch die Innenstadt. Zu größeren Zwischenfällen kam es laut Polizei nicht.

Eine Person habe einen Davidstern mit der Aufschrift "ungeimpft" an der Kleidung getragen, twitterte die Polizei. Gegen sie sei ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Volksverhetzung eingeleitet worden.

In Frankfurt am Main demonstrierten nach Polizeiangaben bis zu 8000 Menschen bei einer angemeldeten Veranstaltung, auch in Düsseldorf waren es laut Polizei mehrere Tausend und in Freiburg bis zu 6000 Menschen. In Schwerin versammelten sich laut Polizeiangaben etwa 1600 Menschen - der Veranstalter sprach von 2000 Teilnehmern. An einer Kundgebung in Magdeburg beteiligten sich 5000 Menschen. Laut MDR-Informationen wurden Maskenpflicht und Abstandsregeln meist nicht eingehalten. Es gab demnach auch Auseinandersetzungen mit der Polizei. Auch in weiteren Städten gab es Demonstrationen.

Demonstration in Minden für die Corona-Beschränkungen | dpa

In Minden solidarisierten sich Tausende mit der Landrätin, die Ziel eines "Querdenker"-Marschs werden sollte. Bild: dpa

Tausende protestieren in Minden gegen "Querdenker"

Im ostwestfälischen Minden gingen allerdings auch rund 2500 Menschen auf die Straße, um gegen "Querdenker" zu demonstrieren. Die von den Veranstaltern vorab erwartete Zahl von 700 Menschen wurde weit übertroffen.

Am Montagabend hatte eine Gruppe demonstrierender "Querdenker" versucht, zum Privathaus der Minden-Lübbecker Landrätin zu gelangen. Die Polizei konnte sie wenige Meter vor dem Haus aufhalten. Der Mindener Bürgermeister Michael Jäcke verurteilte im Namen seiner Amtskolleginnen und -kollegen aus dem Kreis Minden-Lübbecke den Marsch zum Haus der Landrätin. So etwas dürfe es "an keinem anderen Ort in unserem Land" erneut geben. Er wolle, "dass wir alle angstfrei leben und unsere Meinung äußern können".

"Blase von Scheinwahrheiten"

Gesundheitsminister Karl Lauterbach sagte der "Welt am Sonntag", die Debatte der Impfgegner und Corona-Leugner habe jedes Maß und Ziel verloren. "Eine kleine Gruppe ist bereit, alle wissenschaftlichen Erkenntnisse vom Tisch zu wischen und sich freiwillig in einer Blase von Scheinwahrheiten zu begeben", sagte er. Das sei eine neue und beängstigende Entwicklung in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Der designierte CDU-Vorsitzende Friedrich Merz schrieb in einem Beitrag für "Focus Online", unter den Demonstrierenden seien "nicht nur notorische Gewalttäter, sondern immer mehr Bürger, die bisher ein ganz normales Leben geführt haben, und die sich von Verschwörungstheorien, Angstszenarien und zweifelhaften 'Experten' in Sachen Gesundheit und Corona zu Hass- und Gewaltexzessen hinreißen lassen". Das sei noch keine gespaltene Gesellschaft, "mit diesem Attribut würde man diese radikale Minderheit, und es ist eine sehr kleine Minderheit, unnötig aufwerten". Aber der Grundkonsens der Gesellschaft werde schmaler, das Meinungsspektrum werde größer und die politische Mitte diffus.

Polizeigewerkschaft klagt über Belastung

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP, Dietmar Schilff, beklagte angesichts der Demonstrationen eine permanente Überlastung der Beamtinnen und Beamten. Die zumeist unangemeldeten Versammlungen führten dazu, "dass die Polizei aus den Stiefeln nicht mehr herauskommt“, sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Allein in Niedersachsen hätten Polizistinnen und Polizisten schon jetzt etwa zwei Millionen Überstunden angesammelt.

Zudem seien die Einsatzkräfte angesichts aggressiver Versammlungsteilnehmer erhöhter psychischer Belastung ausgesetzt. Zudem äußerte Schilff Sorge um die körperliche Gesundheit der Einsatzkräfte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Januar 2022 um 17:05 Uhr.