Mehrere Vertreter der Veranstalter wurden unter Protestrufen von Kundgebungsteilnehmern von der Bühne geholt. | Bildquelle: FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/Shuttersto

Corona-Demo in Berlin Protestiert, gestoppt, kritisiert

Stand: 02.08.2020 04:25 Uhr

Tausende Menschen haben in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. Dann löste die Polizei die Kundgebung auf. Die Stadtregierung und Bundespolitiker finden für das Verhalten der Demonstranten deutliche Worte.

Vertreter der Bundespolitik haben den Berliner Protestzug gegen staatliche Corona-Beschränkungen mit deutlichen Worten kritisiert. "Ja, Demonstrationen müssen auch in Corona-Zeiten möglich sein. Aber nicht so", schrieb Gesundheitsminister Jens Spahn auf Twitter. Abstand, Hygieneregeln und Alltagsmasken dienten dem Schutz aller. Die Pandemie sei nur "mit Vernunft, Ausdauer und Teamgeist" zu meistern.

Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken nannte das Verhalten der Demonstranten unverantwortlich. "Tausende #Covidioten feiern sich in Berlin als 'die zweite Welle', ohne Abstand, ohne Maske", schrieb sie auf Twitter. "Sie gefährden damit nicht nur unsere Gesundheit, sie gefährden unsere Erfolge gegen die Pandemie und für die Belebung von Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft."

Großdemonstration gegen Corona-Politik wegen Bruch der Hygienevorschriften aufgelöst
tagesthemen 23:15 Uhr, 01.08.2020, Anke Hahn, RBB

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Ärgere mich maßlos"

Noch bevor der Protestzug gegen die Corona-Politik der Regierung begann, hatte Wirtschaftsminsiter Peter Altmaier für härtere Strafen bei Verstößen gegen die Corona-Regeln plädiert. "Wer andere absichtlich gefährdet, muss damit rechnen, dass dies für ihn gravierende Folgen hat", sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagnetur dpa.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat die Teilnehmer der Großdemonstration gegen Corona-Maßnahmen scharf kritisiert. Es ärgere ihn maßlos, dass Menschen aus anderen Teilen Deutschlands nach Berlin kommen, um hier ein Demonstrationsrecht auf Grundlage von Hygieneregeln wahrzunehmen, dass sie dann missachteten, sagte Müller in dem rbb. Die Demonstranten würden die Fakten nicht zur Kenntnis nehmen und riskierten damit die Gesundheit anderer Menschen.  Er habe dafür kein Verständnis, so Müller.

Polizei spricht von 20.000 Teilnehmern

Zehntausende Menschen - darunter Corona-Leugner, Verschwörungsideologen, rechte Esoteriker und Rechtsextremisten aus dem ganzen Bundesgebiet - waren am Mittag durch die Berliner Innenstadt gezogen. An dem Aufzug beteiligten sich nach Angaben der Polizei in Spitzenzeiten bis zu 20.000 Teilnehmer. Die Veranstalter selbst sprachen von 1,3 Millionen Menschen. Das Motto lautete "Das Ende der Pandemie - Tag der Freiheit". Der Zug ging vom Brandenburger Tor über die Straße Unter den Linden und Leipziger Straße zur Straße des 17. Juni, wo eine weitere Kundgebung stattfand.

Demonstranten ziehen durch die Friedrichstraße in Berlin. | Bildquelle: dpa
galerie

Tausende ziehen bei der Demonstration gegen Corona-Maßnahmen über die Friedrichstraße. Dazu aufgerufen hat die Initiative "Querdenken 711".

In dem Aufzug waren Flaggen des Deutschen Reiches und Symbole der verschwörungsideologischen QAnon-Bewegung neben Fahnen der Friedensbewegung zu sehen. Aktivisten verteilten das rechte Compact-Magazin, andere Teilnehmer warben für Homöophatie, für die Verteidigung des Grundgesetzes und warnten vor einem Impfzwang. Menschen mit Mund-Nasen-Schutz und Journalisten wurden wiederholt von Demonstranten angepöbelt.   

3000 Demonstranten vor Reichstag

Während die Polizei bei dem stundenlangen Umzug zunächst nicht eingriff oder laut Beobachtern an vielen Orten auch gar nicht präsent war, wurde die spätere Kundgebung unweit der Siegessäule kurz vor 17 Uhr von Einsatzkräften unter lautstarkem und aggressivem Protest aufgelöst. Zur Begründung hieß es, der Versammlungsleiter könne Abstand und das Tragen von Schutzmasken nicht gewährleisten.

Die Polizei besetzte auch die Bühne. Mehrere Vertreter der Veranstalter wurden unter Protestrufen von Kundgebungsteilnehmern von der Bühne geholt. Viele Teilnehmer wanderten daraufhin ab oder verteilten sich auf den Wiesen des angrenzenden Tiergartens. Am Sonntagmorgen sprach die Polizei auf Twitter von 18 verletzten Polizeibeamten. Drei Polizisten mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Infektionszahlen steigen wieder

Verschiedene Initiativen und linke Gruppe hatten unter dem Motto "Abstand halten gegen rechts" zu Protesten gegen den "rechtsoffenen" Aufzug aufgerufen darunter die "Omas gegen Rechts". An den insgesamt acht Gegenkundgebungen beteiligten sich einige Hundert Menschen.

Seit Mitte Juli zeigen die Coronavirus-Fallzahlen in Deutschland wieder eine schneller steigende Tendenz. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) bekannt gab, meldeten die Gesundheitsämter innerhalb eines Tages 955 neue Corona-Infektionen (Datenstand 1.8., 0.00 Uhr). Dies ist die höchste gemeldete tägliche Fallzahl seit Anfang Mai - abgesehen vom lokalen Corona-Ausbruch beim Fleischfabrikanten Tönnies Mitte Juni.

"Zynisch und verantwortungslos": Politiker kritisieren Demo gegen Corona-Auflagen
Barbara Kostolnik, ARD Berlin
01.08.2020 18:02 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete am 01. August 2020 B5 aktuell im Hörfunk um 19:31 Uhr und die tagesschau um 20:00 Uhr.

Darstellung: